++ Newsblog zur EZB-Sitzung ++: Mario Draghi erklärt die leichte Kursänderung

++ Newsblog zur EZB-Sitzung ++: Mario Draghi erklärt die leichte Kursänderung

, aktualisiert 08. Juni 2017, 14:33 Uhr
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Der EZB-Präsident verteidigt in seiner Pressekonferenz den Zinsentscheid.

von Felix HoltermannQuelle:Handelsblatt Online

Nach der Tagung des Rats der Europäischen Zentralbank in der estnischen Hauptstadt Tallinn erklärt Notenbankchef Mario Draghi die vorsichtige Änderung der Geldpolitik. Verfolgen Sie die Sitzung im Handelsblatt-Liveblog.

Nach den vergangenen vergleichsweise langweiligen Zinssitzungen gibt es heute eine echte Überraschung: Die Europäische Zentralbank deutet einen Kurswechsel in der Geldpolitik an. Aus ihrer Zinsprognose strich sie eine wichtige Formulierung. Der EZB-Beschluss enthält folgenden Passus: „Der EZB-Rat geht davon aus, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden.“ Bei den letzten Zinsentscheiden war die Formulierung immer durch den Zusatz „oder einem niedrigeren Niveau“ ergänzt worden. Damit signalisiert der EZB-Rat, dass er sich langsam auf einen Ausstieg aus der ultra-lockeren Krisenpolitik vorbereitet. Dies war im Vorfeld der Zinssitzung von zahlreichen Beobachtern erwartet worden. Vor allem aus Deutschland erfährt die EZB zunehmend Kritik an ihrem Kurs der ultralockeren Geldpolitik Die Leitzinsen bleiben jedoch trotz aller Kritik auf dem aktuellen Rekordtief. Auf der Pressekonferenz ab 14:30 Uhr dürften Mario Draghi hierzu viele Fragen gestellt werden. Die Konferenz im Live-Ticker.

So hat die Europäische Zentralbank entschieden:

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  • Der

    Leitzins

    bleibt unverändert bei

    null Prozent

    .
  • Das

    Kaufprogramm für Staatsanleihen

    bleibt bei monatlich 60 Milliarden Euro bis Dezember 2017.
  • Der

    Einlagezinssatz

    für Banken bleibt unverändert bei

    minus 0,4 Prozent

    .
  • Die EZB hat angekündigt, der Leitzins werde auch weit über die Zeit des Anleihekauf-Programms hinaus

    auf dem aktuellen Niveau

    verharren. Die frühere Formulierung

    „oder einem niedrigeren Niveau“ wurde gestrichen

    .

+++ Draghi verkündet den Entscheid +++

Mario Draghi betont, dass am Niveau der Zinsen nichts verändert wird. Auch das umstrittene Anleiheprogramm wird fortgeführt bis Ende Dezember dieses Jahres – „or beyond“, „oder darüber hinaus“, sagt Draghi. All dies finde im Einklang mit dem Inflationsziel der EZB statt. Draghi betont, dass die bisherige Zinspolitik der Zentralbank ihre Ziele im Grundsatz erreicht habe.

+++ Auftritt Mario Draghi +++

Der Chef der Europäischen Zentralbank tritt recht gelöst vor die Presse. Er trägt eine dunkelblaue Krawatte und lächelt in die Kameras.

+++ Der Zinsentscheid ist da +++

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer Zinssitzung in der estnischen Hauptstadt Tallinn ihre Leitzinsen nicht angetastet. Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibe bei 0,0 Prozent, teilten die Währungshüter am Donnerstag mit. Auf diesem Rekordtief liegt er bereits seit März 2016. Auch die Strafzinsen für Banken, wenn diese über Nacht überschüssige Liquidität bei der EZB parken, wurden nicht angetastet. Der sogenannte Einlagensatz bleibt bei minus 0,4 Prozent.

Eine Änderung dürfte jedoch aufhorchen lassen. Der EZB-Beschluss enthält folgenden Passus: „Der EZB-Rat geht davon aus, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden.“ Bei den letzten Zinsentscheiden war die Formulierung immer durch den Zusatz „oder einem niedrigeren Niveau“ ergänzt worden.

Damit signalisiert der EZB-Rat, dass er sich langsam auf einen Ausstieg aus der ultra-lockeren Krisenpolitik vorbereitet. Dies war im Vorfeld der Zinssitzung von zahlreichen Beobachtern erwartet worden. Vor allem aus Deutschland erfährt die EZB zunehmend Kritik an ihrem Kurs der ultralockeren Geldpolitik.

Hierzu hatte auch die gestiegene Inflationsrate in Deutschland und Europa beigetragen. Lag diese zwischenzeitlich bei 2,0 Prozent, so sank sie zuletzt jedoch wieder auf 1,5 Prozent. Die EZB strebt eine Inflationsrate von annähernd 2,0 Prozent an.

Ökonomen zufolge ist die Euro-Zone auch im zweiten Quartal auf Wachstumskurs. Im ersten Jahresviertel war die Wirtschaft hier sogar stärker gewachsen als in den USA. Volkswirte erwarten, dass die EZB dies in ihrer Beurteilung berücksichtigt und auch durch eigene Wachstumsprognosen bestätigt. Allerdings dürfte EZB-Präsident Mario Draghi Sorge bereiten, dass sich die Inflation im Währungsraum weiterhin nicht dauerhaft dem Notenbank-Ziel von knapp unter zwei Prozent nähert. Manche Experten gehen davon aus, dass die Notenbank ihre Inflationsprognosen sogar leicht senken wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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