321 Milliarden Dollar Strafe: Banken streichen Compliance-Teams zusammen

321 Milliarden Dollar Strafe: Banken streichen Compliance-Teams zusammen

, aktualisiert 24. März 2017, 15:28 Uhr
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Nach einem Einstellungs-Boom in Folge der Finanzkrise werden die Compliance-Teams nun wieder kleiner.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach der Finanzkrise stockten Banken ihre Compliance-Abteilungen auf. Bei Kostensenkungen galten diese immer als immun. Das ist vorbei. Banken streichen tausende Jobs – und wollen die Aufpasser durch Maschinen ersetzen.

Sie wuchsen und wuchsen und wuchsen: Die Banken haben ihre Compliance-Abteilungen seit der Finanzkrise drastisch vergrößert. Jetzt, fast zehn Jahre später, treffen Banken weltweit Vorkehrungen um den Trend umzukehren. Damit endet ein Einstellungs-Boom, der von 321 Mrd. Dollar (298 Mrd. Euro) an Strafen begleitet wurde. Als Gründe führen die Banken unter anderem an, dass die Bußgelber langsam abebben. Doch hinter dem Umbau steckt auch eine Vision der Banken: Maschinen sollen die Mitarbeiter ersetzen.

Die Royal Bank of Scotland Group Plc beispielsweise trifft derzeit Vorbereitungen zum Abbau von bis zu 2.000 Stellen, während die Digitalisierung voranschreitet. Betroffen sind Mitarbeiter, die neue Kunden auf verdächtiges Verhalten hin überprüfen. Andere Finanzkonzerne ersetzen Compliance-Kollegen ebenfalls durch Computer – nicht zuletzt deshalb, weil sie unter Druck stehen, die Kosten zu senken. Informierten Kreisen zufolge zählt dazu auch die Schweizer UBS Group AG.

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„Die Gesamt-Anzahl der Leute im Compliance geht absolut nach unten“, sagt Anne Murphy, Chefin für britische Finanzdienste beim Personalberater Odgers Berndtson. „Die Banken sind besser in der Lage, aufsichtsrechtliche Vorgaben zu erfüllen. Sie werden zwar immer Menschen für Einschätzungen brauchen, doch ein größerer Teil an Beobachtung und Überwachung kann automatisiert werden.“ Weltweit hatten Banken seit 2008 rund 321 Milliarden Dollar an Strafen gezahlt, etwa für Aufsichtsmängel in den Bereichen Geldwäsche, Markt-Manipulation und Terroristen-Finanzierung, zeigen Daten der Boston Consulting Group.

Die damit in Verbindung stehende Einstellungswelle kommt zu einem Ende, während die Banken die schlimmsten Belastungen aus ihrem Fehlverhalten langsam hinter sich lassen. Gleichzeitig zwingen schrumpfende Erlöse die Finanzkonzerne, den Rotstift auch in Abteilungen anzusetzen, die einst vor Einschnitten geschützt waren. „Die Panik-Stimmung ist jetzt vorüber“, meint Harry Chetwynd-Talbot, Berater beim Headhunter Hedley May, der sich auf Einstellungen im Bereich Compliance spezialisiert hat. „Es handelt sich um den einzigen Teil, der seit der Finanzkrise mit Blick auf Kosten-Druck immun war.“

John Cryan, Vorstandschef von Deutsche Bank AG, hatte Anfang Februar ebenfalls erklärt, dass der derzeitige Schub bei Anti-Geldwäsche-Mitarbeitern nicht von Dauer sein werde. Gewisse Prozeduren, die eine manuelle Bearbeitung benötigen würden, dürften seinen Worten zufolge zunehmend durch digitale Prozesse ersetzt werden. Der Frankfurter Konzern hat bereits seine Einstellungspläne zurückgefahren. Die schweizer Großbank UBS nutzt Technologie, um die Anzahl der Mitarbeiter in ihrer Compliance-Abteilung zu reduzieren, berichtete eine Person, die mit den Vorgängen vertraut ist. JPMorgan Chase & Co. plant Kreisen zufolge derweil, die Anzahl der Compliance-Mitarbeiter in Europa konstant zu halten, aber auch selektiv einzustellen.

Während Technologie wohl in der Tat künftig Arbeitsplätze ersetzen wird, dürfte es für die Banken unerlässlich sein, einige interne Aufsichts-Mitarbeiter an Bord zu behalten, meint David Carbery vom Personalberater Shadowhound. „Die Stellen, die auf absehbare Zeit sicher sind, sind jene Compliance-Mitarbeiter an vorderster Front – jene auf dem Handelsparkett, die beratend zur Seite stehen“, sagt Carbery.

Morgan-Stanley-Präsident Colm Kelleher sagte ebenfalls auf einer Branchenkonferenz in dieser Woche, dass die Compliance-Kosten der Banken wahrscheinlich schrumpfen werden. Die Kosten seien auf einem erhöhten Niveau gewesen, während viele Unternehmen das System überarbeitet hätten – diese Investments würden jetzt Früchte tragen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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