Abschaffung der Überziehungszinsen: Banken-Kosmetik oder echter Kundenvorteil?

Abschaffung der Überziehungszinsen: Banken-Kosmetik oder echter Kundenvorteil?

, aktualisiert 01. August 2017, 17:53 Uhr
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Wer sein Konto überzieht, muss bei manchen Banken noch immer mit hohen Zinsen rechnen. Immer mehr Sparkassen dagegen sagen sich vom Überziehungszinsen los.

von Frank Matthias DrostQuelle:Handelsblatt Online

Die große Mehrheit der Sparkassen stellt keine Überziehungszinsen mehr in Rechnung. Doch der durchschnittliche Dispo-Zins bleibt hoch. Worauf Bankkunden achten sollten.

BerlinDie Höhe des Dispozinses ist für viele Bankkunden nicht nachvollziehbar. Doch wenn Kunden für die geduldete Überziehung ihres Kontos noch einen Zinsaufschlag zahlen sollen, ist der Ärger programmiert. Nun aber sieht es so aus, als habe in der Kreditwirtschaft ein Umdenken stattgefunden. So ist die Mehrheit der Sparkassen dazu übergegangen, den Überziehungszins abzuschaffen, berichtet das Verbraucherportal biallo.de.

„Es ist kundenfreundlich, wenn Banken und Sparkassen keinen Überziehungszins verlangen. Ob ein Konto aber insgesamt günstig für Verbraucher ist, hängst noch von vielen anderen möglichen Kosten ab“, relativiert die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, Nicole Maisch. „Die Richtung stimmt, aber das ist nur eine Seite der Medaille“, findet auch Kerstin Schultz von der Verbraucherzentrale Sachsen und verweist auf die nach wie vor relativ hohen Dispozinsen. Mit dem Handelsblatt-Girokonten-Vergleich können Bankkunden herausfinden, zu welchen Konditionen die Kreditinstitute ihre Konten anbieten. Neben der Höhe der Dispozinsen enthält die Datenbank auch Entgelte für Kreditkarten und Guthabenzinsen.

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Zwei Drittel der knapp 400 Sparkassen machen nach Recherchen von Biallo keinen Unterschied mehr zwischen Dispozins und Überziehungszins. Üblicherweise wird Kunden, die ihr Gehaltskonto bei einer Bank haben, ein Dispokredit eingeräumt, der üblicherweise zwei bis drei Monatsgehälter umfasst. In der Vergangenheit haben die meisten Banken noch einen kräftigen Aufschlag verlangt, in der Regel bis zu fünf Prozentpunkten auf den Disposatz, wenn der Dispokreditrahmen überschritten wurde.

Auch bei einzelnen Sparkassen ist das noch der Fall, weiß Biallo zu berichten. So verlangen die Sparkassen St. Blasien und die Stadtsparkasse Borken 12,25 Prozent für den Dispo und 17,75 Prozent für die Überziehung. In Zeiten, in denen sich die Kreditinstitute kostenlos bei der Europäischen Zentralbank Geld leihen können, sind das beachtliche Sätze. Auf der anderen Seite berechnet die Taunus-Sparkasse bereits seit 2014 keine Überziehungszinsen mehr.

Das ist auch gelebte Praxis der ING Diba, die seit 2014 keinen Unterschied macht zwischen Dispo- und Überziehungszinsen. Die DKB folgte diesem Schritt. Doch unterm Strich konnte sich nur jede zweite Direktbank zu diesem Schritt entschließen. Noch schlechter sieht es bei den überregional tätigen privaten Banken aus. Nur die Hypovereinsbank und die Santander Bank sowie die Santander Consumer Bank, also drei von 15 großen privaten Instituten, verzichten auf den Zinsaufschlag bei geduldeter Überziehung. Die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Postbank halten an ihrer bisherigen Praxis fest.

Bei den rund 1000 Volks- und Raiffeisenbank ist die Quote höher als bei den privaten Banken. Ein gutes Drittel oder 376 Institute belasten ihre Kunden nicht extra. Zu den Genossenschaftsbanken, die ihre eigene Agenda verfolgen, gehört die Raiffeisenbank Pfaffenhofen an der Glonn. Mit 12,75 Prozent verlangt sie bereits einen relativ hohen Dispo. Aber zum teuersten Institut in diesem Segment avanciert sie mit ihrem Überziehungszins von 18,75 Prozent. Anders verhält es sich mit den Sparda Banken. Acht von zwölf haben den Überziehungszins abgeschafft.

Es sei in der Regel extrem teuer, wenn der Verbraucher den von der Bank eingeräumten Dispokredit überschreite, bemerkt Schultz von der Verbraucherzentrale Sachsen. Der Zinsaufschlag für die geduldete Überziehung sei „noch weniger als der Dispozins logisch nachvollziehbar“, heißt es.

Die jüngste Untersuchung von Stiftung Warentest belegte, dass der durchschnittliche Dispozins von knapp 1400 Banken innerhalb eines Jahres nur um 0,1 Prozentpunkte auf 9,78 Prozent sank. Nach welchen Kriterien die Banken den Dispokredit anpassen, sei für die meisten Verbraucher nicht transparent. „Es gibt nach wie vor zu viele Banken und Sparkassen, die mit überhöhten Dispo- und Überziehungszinsen und intransparenten Gebührenstrukturen ihre Kunden schröpfen“, kritisiert Grünen-Politikerin Maisch. Sie spricht sich in letzter Konsequenz für eine Deckelung der Dispozinsen aus.

Quelle:  Handelsblatt Online
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