Abschreibung fauler Kredite: Neue Bilanzierungsregeln knabbern an Banken-Kapitaldecke

Abschreibung fauler Kredite: Neue Bilanzierungsregeln knabbern an Banken-Kapitaldecke

, aktualisiert 13. Juli 2017, 16:23 Uhr
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Die Rückstellungen vieler Banken werden durch neue internationale Bilanzierungsvorschriften zur Abschreibung fauler Kredite nach oben getrieben.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Rückstellungen vieler Banken werden durch neue internationale Bilanzierungsvorschriften zur Abschreibung fauler Kredite nach oben getrieben. Die Geldhäuser erwarten einer Umfrage zufolge deutlich höhere Werte.

FrankfurtNeue internationale Bilanzierungsvorschriften zur Abschreibung fauler Kredite werden die Rückstellungen vieler Banken nach oben treiben. Nach einer Umfrage der EU-Bankenregulierungsbehörde EBA erwarten die Geldhäuser dadurch im Schnitt um 13 Prozent höhere Rückstellungen als bisher. Sie haben errechnet, dass die Vorgabe des International Accounting Standards Board (IASB), die 2018 in Kraft treten soll, ihre harte Kernkapitalquote (CET1) damit um 0,45 Prozentpunkte abschmelzen lassen werde, wie die EBA am Donnerstag mitteilte. Dabei bekommen die Banken die neuen Regeln inzwischen besser in den Griff: In einer ersten Studie unter 50 Banken hatten sie eine um 18 Prozent steigende Risikovorsorge befürchtet, die die Kapitaldecke um 0,59 Prozentpunkte drücken würde.

Nach der unter „IFRS9“ bekannten Neuregelung müssen Banken, die nach dem internationalen IFRS-Standard bilanzieren, vom nächsten Jahr an weit früher und umfassender für faule Kredite vorsorgen als bisher.

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Künftig müssen sie schon vom ersten Tag an für das Risiko vorsorgen, dass der Kredit ausfallen könnte. Wenn tatsächlich die Tilgung oder die Zinszahlungen mehr als 30 Tage ausbleiben, muss sofort Vorsorge für alle Risiken gebildet werden, die über die gesamte Laufzeit entstehen können. Bisher müssen – und dürfen – Banken erst Risikovorsorge bilden, wenn die ersten Zahlungen ausgefallen sind und die Kreditnehmer im Zahlungsrückstand sind. Das hatte viele Banken in der Finanz- und Wirtschaftskrise ins Wanken gebracht, weil sie die Risiken unterschätzt hatten.

Das IASB hatte die Neuregelung, um die jahrelang gerungen worden war, 2014 verabschiedet. Die EU will sie grundsätzlich 2018 verbindlich einführen, berät aber derzeit über eine fünfjährige Übergangsfrist, die den Instituten die Umstellung erleichtern soll. Vor allen kleinere Banken haben nach Ansicht der EBA noch Nachholbedarf. Sie erwarten laut der Studie größere Auswirkungen auf ihre Kapitalquoten, weil sie die Kreditrisiken meist nach dem Standardansatz bewerten, während Großbanken mit internen Risikomodellen rechnen.

Die Neuregelung wird zu stärkeren Schwankungen in den Bank-Bilanzen führen. Experten zufolge müssen die Institute künftig zielgenauer einschätzen, wie risikoreich ein Kredit ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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