Achleitner und Deutsche Bank: „Jetzt würde ich kandidieren“

Achleitner und Deutsche Bank: „Jetzt würde ich kandidieren“

, aktualisiert 07. April 2016, 14:11 Uhr
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Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Paul Achleitner, kann sich eine weitere Amtszeit ab 2017 vorstellen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Paul Achleitner, ist grundsätzlich bereit für eine zweite Amtszeit ab dem Jahr 2017. Zur Zukunft des scheidenden Co-Chefs Jürgen Fitschen kündigt er bald neue Details an.

Düsseldorf„Ich werde nun bestimmt keinen Wahlkampf machen. Wenn die Abstimmung jetzt stattfände, würde ich erneut kandidieren“, sagte er der WirtschaftsWoche. Ob er 2017 tatsächlich antritt, ließ er allerdings offen. „Ich stelle mich der Verantwortung, aber ich klebe auch nicht an meinem Stuhl“, sagte er. Zum gegebenen Zeitpunkt werde er entscheiden, ob er noch einmal antrete, und die Aktionäre würden entscheiden, ob sie ihn wählen wollen.

Achleitner bestritt, dass Aktionäre ihn dazu gedrängt hätten, 2017 nicht mehr anzutreten. „Ich lese solche anonymen Aussagen zwar immer wieder, aber in dem intensiven Dialog, den wir mit unseren Investoren pflegen, hat keiner diese Forderung erhoben“, sagte er. Vorwürfe, er habe in seiner Funktion zu zögerlich agiert, wies er zurück.

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Seit der Hauptversammlung 2012 habe die Bank den Aufsichtsrat und den Vorstand weitgehend neu aufgestellt, zwölf Milliarden Euro Kapital aufgenommen, eine neue Strategie auf den Weg gebracht und die Bank grundlegend umgebaut. „Und trotzdem wirft man uns vor, zu langsam gewesen zu sein? Ehrlich gesagt: Wer das behauptet, hat nicht verstanden, wie Entscheidungsprozesse in Aufsichtsrat und Vorstand laufen und wie komplex eine systemrelevante Bank in der hochregulierten Welt ist“, sagte Achleitner. „Rein sachlich ist der Aufsichtsrat mit seiner Arbeit insgesamt im Reinen.“

Achleitner bestritt zudem, dass er zu lange am 2015 abgelösten Co-Vorstandschef Anshu Jain festgehalten habe: „Die Doppelspitze mit Anshu Jain und Jürgen Fitschen war gerade mal ganze drei Jahre im Amt. 2015 haben wir mit Ausnahme des Risikoressorts alle Vorstandsposten neu besetzt. Ich finde das ziemlich entschlossen“, sagte er. Ebenso bestritt er, dass er erst auf Druck der Investoren gehandelt habe. „John Cryan war ja schon länger an Bord, und dem Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats war klar, dass er im Fall der Fälle Vorstandsvorsitzender werden könnte. Wir waren also vorbereitet“, sagte er.


„Keine Veränderungen mit einem Schmusekurs“

Vorwürfe, dass die britische Finanzaufsicht FCA Achleitner wegen seiner Rolle bei der Untersuchung des Libor-Skandals kritisiert habe, wies Achleitner ebenfalls zurück. „Diese Behauptung ist schlichtweg haltlos. Die FCA hat mich als Zeugen befragt, mehr nicht“, sagte er. Er habe sich in der Sache nichts vorzuwerfen. Der Vorstand der Deutschen Bank prüft aktuell, ob die Strafe der FCA wegen eines Fehlverhaltens Achleitners höher ausgefallen ist. Die Überprüfung sehe er „entspannt“, sagte Achleitner.

In dem Interview mit der Wirtschaftwoche hat sich Paul Achleitner zufrieden mit der bisherigen Arbeit des von ihm eingesetzen Vorstandschefs John Cryan geäußert. „Ich bewundere, wie schnell und wie tief er sich in das äußerst komplexe Unternehmen Deutsche Bank eingearbeitet hat“, sagte er. Achleitner nahm Cryan gegen Vorwürfe in Schutz, dass seine Kritik an der Bank zu hart ausgefallen sei.

„Mit einem Schmusekurs werden Sie keine großen Veränderungen herbeiführen. Wir sprechen von ziemlich einschneidenden Prozessen.“, sagte er. „Ich finde nach wie vor, dass seine Authentizität und Transparenz der Bank guttun.“ Das Team von John Cryan habe sich klare Zwischenziele gesetzt. An denen müsse es sich messen lassen.

Achleitner geht zudem davon aus, dass der derzeitige Vorstandschef die Deutsche Bank langfristig führen wird. „John Cryan hat sich nicht nach seinem Job gedrängt, aber er ist ein ausgesprochen erfahrener Banker, der die meiste Zeit seiner Karriere eng mit Kunden gearbeitet hat. Ich bin mir sicher, dass er nach Abschluss der Restrukturierung die Früchte seiner Arbeit als Vorstandsvorsitzender ernten will“, sagte er.

Deutschland größtes Geldhaus will auch die Nachfolge des ausscheidenden Vorstandschefs Jürgen Fitschen als Ansprechpartner für die heimische Großindustrie zügig regeln. „Selbstverständlich braucht die Deutsche Bank auch künftig deutsche Ansprechpartner für die großen deutschen Unternehmen. Wir arbeiten seit längerem intensiv an einer Lösung dieses Themas“, sagte Achleitner .

Fitschen habe sich in vielen Jahrzehnten ein hervorragendes Ansehen erarbeitet. Die Verantwortung werde sich künftig auf mehrere Schultern verteilen. Fitschen selbst solle der Bank auch nach seinem Abschied als Vorstandschef erhalten bleiben. Der Vorstand werde Details dazu bald kommunizieren, sagte Achleitner.

Quelle:  Handelsblatt Online
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