Adidas-Chef Herbert Hainer: Abschied des Lichtbringers

Adidas-Chef Herbert Hainer: Abschied des Lichtbringers

, aktualisiert 12. Mai 2016, 14:18 Uhr
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Der dienstälteste Dax-Chef hat zum letzten Mal den Adidas-Aktionären die Bilanz präsentiert.

von Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Nach 15 Jahren an der Spitze von Adidas hat sich der dienstälteste Dax-Chef von den Aktionären verabschiedet. Herbert Hainer strich dabei reichlich Lob ein. Trotzdem bleibt für seinen Nachfolger genug zu tun.

FürthHerbert Hainer erinnert sich noch genau: Es war der 8. März 2001, als er den Chefsessel der damaligen Adidas-Salomon AG einnahm. Zwei Monate später stand er zum ersten Mal bei der Hauptversammlung auf der Bühne der Stadthalle Fürth. An diesem Donnerstag nun wandte er sich an selber Stätte zum letzten Mal als Vorstandsvorsitzender an die Aktionäre des Turnschuh-Herstellers: Im Herbst hört der dienstälteste Chef eines Dax-Konzerns auf. Fortan wird der bisherige Henkel-Chef Kasper Rorsted das Traditionsunternehmen führen.

Sein letztes Aktionärstreffen nach 15 Jahren an der Unternehmensspitze konnte Hainer genießen. Die Kritik der Anteilseigner fiel über weite Strecken zahm aus. Aufsichtsratschef Igor Landau zollte ihm zunächst ohnehin das größte Lob, das ein Adidas-Angestellter überhaupt bekommen kann: „Adi Dassler wäre stolz, wie erfolgreich Herbert Hainer das Unternehmen geführt hat.“ Den legendären Unternehmensgründer und begnadeten Tüftler verehren sie in der Zentrale in Herzogenaurach bis heute.

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Wie nicht anders zu erwarten stellte sich Hainer selbst für die vergangenen 15 Jahre ein Top-Zeugnis aus: Den Umsatz habe er verdreifacht, den Gewinn verfünffacht, den Börsenwert verachtfacht. „Sie sehen heute bei dieser Hauptversammlung einen rundum zufriedenen und glücklichen Vorstandsvorsitzenden vor sich.“

Viele Aktionäre beurteilen seine Leistung genauso positiv. „Der Geschäftsbericht strotzt vor guten Zahlen“, lobte Elke Schubert von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitzt. Und legte nach: „Herr Hainer, sie haben viel Licht in dieses Unternehmen gebracht.“

2015 hat Adidas den Umsatz auf 16,9 Milliarden Euro und den Gewinn auf rund 634 Millionen Euro gesteigert. Für die Aktionäre zahlt sich die positive Entwicklung in der Dividende aus: Fürs vergangene Jahr werden 1,60 Euro je Aktie an die Anteilseigner fließen, zehn Cent mehr als im Vorjahr.


Geldsegen vom FC Chelsea

Gleichwohl, Hainer hinterlasse auch einig Baustellen, unterstrich Gerhard Jäger von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK): „Für Herrn Rorsted gibt es noch viel zu tun.“ Größter Schwachpunkt sei die niedrige Marge, es lägen Welten zwischen dem Marktführer Nike und Adidas. Zudem müsse Adidas mehr Umsatz im eigenen Online-Handel erzielen, denn der sei besonders renditestark, forderte Jäger.

Doch damit nicht genug: Es sei dringend geboten, in den USA zuzulegen, dem größten Sportmarkt der Welt. „Da gibt es noch viel zu tun, um den Anschluss nicht zu verpassen.“ In Nordamerika spielt die Marke nur eine untergeordnete Rolle in den Sportgeschäften, Nike und Under Armour stehen in der Gunst der Kunden weit oben.

Hainer dagegen ist fest überzeugt, ein glänzend bestelltes Haus zu übergeben. Der Jahresauftakt sei bärenstark ausgefallen, für 2016 seien die Aussichten insgesamt exzellent: „Wir sind in diesem Jahr erneut auf Rekordkurs.“ Am Vorabend der Hauptversammlung hatte Hainer per Ad-hoc-Mitteilung die Gewinnprognose zum zweiten Mal dieses Jahr nach oben geschraubt.

Adidas wird den Sponsorenvertrag mit dem Fußballclub Chelsea vorzeitig beenden. Deshalb kassieren die Franken rund 50 Millionen Euro von den Engländern. Daher werde der Überschuss auf 900 Millionen Euro klettern. Damit nicht genug. Weit über das laufende Jahr hinaus sei seine Firma auf einem guten Weg, meint Hainer: „Auch langfristig sehe ich eine robuste Nachfrage nach unseren Produkten.“

Fünf Monate wird Hainer Adidas noch führen, Ende September ist dann Schluss. Schon Anfang August wird Nachfolger Rorsted den Vorstand ergänzen, vom 1. Oktober an übernimmt der Däne die Verantwortung. Hainer verspricht aber schon heute: „Ich werde einen reibungslosen Übergang an Kasper Rorsted sicherstellen.“

Ob der Hobbyfußballer Hainer eines Tages als Aufsichtsrat in die Stadthalle Fürth zurückkehren wird? Hainer selbst will sich nicht festlegen. Klar ist nur, dass er frühestens in zwei Jahren in das Kontrollgremium einziehen wird, so sehen es die Regeln zur guten Unternehmensführung vor. Die Aktionäre hätten nichts gegen ein Wiedersehen: „Wir würden einen Aufsichtsrat Herbert Hainer begrüßen“, unterstrich SdK-Vertreter Jäger.

Quelle:  Handelsblatt Online
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