Adidas und Puma bei RTL: Drei Streifen, zwei Brüder, eine Fehde

Adidas und Puma bei RTL: Drei Streifen, zwei Brüder, eine Fehde

, aktualisiert 24. März 2016, 20:14 Uhr
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Ken Duken (l.) spielt Adi Dassler, Torben Liebrecht ist als Rudolf Dassler zu sehen.

von Joachim Hofer und Kai-Hinrich RennerQuelle:Handelsblatt Online

Der Bruderzwist zwischen Adolf und Rudolf Dassler fasziniert seit Jahrzehnten. Doch erst jetzt kommt der Streit der Gründer von Adidas und Puma ins TV. Die Sportkonzerne sind nicht unbedingt glücklich mit dem Film.

München/HamburgEs war der „Weltfriedenstag“ 2009. Nach 60 Jahren erbitterter Rivalität gingen Adidas und Puma erstmals aufeinander zu. Gemeinsam standen an jenem Septembertag Mitarbeiter beider Konzerne auf dem Fußballplatz. In zwei gemischten Teams lieferten sich die Beschäftigten ein munteres, allzeit faires Spiel. Mit dabei auf dem Feld: Adidas-Boss Herbert Hainer und der damalige Puma-Chef Jochen Zeitz. Die PR-Strategen der beiden Sportausrüster verkündeten einen „historischen Handschlag“.

Der Friede von Herzogenaurach – er währte nicht lange. Heute stehen sich die beiden größten Sportkonzerne Europas so unversöhnlich gegenüber wie eh und je. Die Firmen duellieren sich vor Gericht, sie gönnen sich gegenseitig keinen Zentimeter Raum in den Regalen der Sportläden.

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So war es fast immer seit Ende der 40er Jahre: Puma und Adidas streiten seit Jahrzehnten. Um den Ursprung des Zwists zwischen Puma-Gründer Rudolf Dassler und Adolf, genannt Adi, Dassler ranken sich viele Gerüchte.

Da heißt es, Rudolf habe seinem Bruder nie verziehen, dass dieser nicht in den Krieg ziehen musste. Rudolf wiederum soll 1940 ein Verhältnis mit Adolfs Frau Käthe gehabt haben. Wie dem auch sei: Betrieben die Geschwister vor dem Zweiten Weltkrieg noch gemeinsam eine Schuhfabrik, so gingen sie in der Nachkriegszeit getrennte Wege. Rudolf gründete 1948 Puma, Adolf zog ein Jahr später mit Adidas nach.

Beide Firmen entwickelten sich gut, aber Adidas meist ein bisschen besser als Puma. Heute ist die Marke mit den drei Streifen weltweit die Nummer zwei hinter Nike und etwa fünfmal so groß wie Puma.

Eigentlich ein Wunder, dass diese Story noch nie als Spielfilm im Fernsehen zu sehen war. Doch das ändert sich nun: Auf RTL läuft am Karfreitag um 20.15 Uhr das TV-Movie „Duell der Brüder“, das die Geschichte von Adolf und Rudolf Dassler, aber auch die ihrer Firmen Adidas und Puma zwischen 1924 und 1954 nachzeichnet.

Das Vorhaben vorangetrieben hat Uwe Kersken. Der wurde über einen Zweiteiler zur Geschichte des Fußballs auf die Dasslers aufmerksam, den er 2005 zusammen mit Marc Brasse für „Spiegel TV“ drehte. Damals beschäftigte sich der Dokumentarfilmer und Produzent erstmals, wenn auch nur am Rande, mit den Sportschuhfabrikanten aus der fränkischen Provinz. Vor zwei, drei Jahren erinnerte sich der heute 66-Jährige wieder an die Geschichte der beiden verfeindeten Brüder. Er wurde mit der Story bei RTL vorstellig. Der Sender sprang sofort an.


Berichte von Zeitzeugen mitunter widersprüchlich

Produziert hat den Film Michael Souvigniers Firma Zeitsprung. Die Produktionsgesellschaft hat Erfahrung mit der Verfilmung von Unternehmerbiografien. Sie verantwortete bereits die TV-Produktionen „Carl und Bertha Benz“ sowie „Beate Uhse – Das Recht auf Liebe“.

Kersken ist Co-Produzent von „Duell der Brüder“. Als ehemaliger Dokumentarfilmer legt er Wert auf die Authentizität seiner Filme. Deshalb hat er sich bei der Produktion des Stoffs von dem Historiker Gregor Schöllgen von der Universität Nürnberg-Erlagen beraten lassen. Auch die Firmenarchive von Adidas und Puma konsultierte Kersken. Und für die Ausstattung des Films hat er eine Firma beauftragt, die sich mit Interieurs auskennt, die zu Lebzeiten der beiden Firmengründer en vogue waren.

Besonders wichtig war die Rolle, die der Hamburger Journalist und Dokumentarfilmer Stephan Lamby bei der Produktion von „Duell der Brüder“ spielte. Auch er zählte zum Beraterstab Kerskens. Für Christian Schnalke, der das Drehbuch zu dem TV-Movie schrieb, war Lamby aber noch viel mehr. Wie er gegenüber dem Handelsblatt sagte, waren die Recherchen des Hamburgers zu den Brüdern seine wichtigste Quelle.

Lamby hatte 2007 für die ARD die 45-minütige Dokumentation „Das Duell Adidas gegen Puma“ gedreht. Dafür hatte er mit Zeitzeugen gesprochen wie etwa Rudolf Dasslers Enkel Jörg Dassler oder aber mit Arbeitern, die einst in Diensten des Brüderpaars gestanden hatten.

Zwar hatte auch Kersken noch Zeitzeugen ausfindig gemacht. Doch manche, mit denen Lamby noch sprechen konnte, sind mittlerweile tot. Zu ihnen gehört Marianne Hoffmann, die Schwester von Adolf Dasslers Frau Käthe, die 2013 im Alter von 93 Jahren starb.

Doch trotz aller dokumentarischen Akribie wissen Kersken und Schnalke, dass „Duell der Brüder“ kein Dokumentarfilm ist, sondern eine Produktion mit zahlreichen fiktionalen Elementen. Das liegt in der Natur der Sache: „Was damals hinter verschlossenen Türen geschehen ist, lässt sich heute oft nicht mehr rekonstruieren“, sagt Schnalke. Und es gibt noch ein weiteres Problem: Mitunter lassen sich Sachverhalte auch dann nicht verlässlich nachvollziehen, wenn es Berichte von Zeitzeugen gibt. Denn die sind mitunter widersprüchlich.


Die ARD geht noch weiter

„Der eine sagt so, der andere so“, bemerkt Schnalke. Und weil auch RTL weiß, dass ein TV-Movie historische Ereignisse nur bedingt korrekt wiedergeben kann, bringt der Sender im Anschluss an „Duell der Brüder“ um 22.25 Uhr eine eigene Dokumentation über die Dasslers. Sie trägt den Titel „Die Sportsfeinde von Herzogenaurach – Adidas gegen Puma“.

In den Konzernzentralen von Adidas und Puma heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass der Spielfilm sich doch etwas weit von der Wirklichkeit entfernt habe und die Charaktere überzeichnet seien. Trotzdem hätten beide Unternehmen bereitwillig kooperiert und auch Kontakte zu Gesprächspartnern vermittelt. In der Dokumentation kommt etwa Usain Bolt zu Wort, der schnellste Mann der Welt. Der Jamaikaner ist seit Jahren das sportliche Aushängeschild von Puma.

Übrigens haben weder Adidas noch Puma in den Werbeblöcken Spots geschaltet. Wohl aber der Outdoor-Spezialist Jack Wolfskin, dessen Sortiment sich zumindest punktuell mit dem der beiden Firmen aus Herzogenaurach überschneidet. Denn Adidas und Puma sind längst viel mehr als nur Sportschuhfabrikanten.

Eines freilich dürfte auch nach dem RTL-Abend für Unbeteiligte nur schwer zu verstehen sein: Seit Jahrzehnten führen familienfremde Manager Adidas und Puma. Aber die alte Abneigung ist geblieben.

Wer nach Karfreitag noch immer nicht genug von der Fehde der Dasslers hat, der darf sich auf einen Zweitteiler freuen, an dem die ARD gerade arbeitet. „Die Dasslers“ kommt vermutlich im Herbst ins Programm und soll im Gegensatz zu dem Film bei RTL bis in die 80er Jahre reichen und damit über den Tod der verfeindeten Brüder hinaus.

Quelle:  Handelsblatt Online
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