Adidas will Sparte abstoßen: Golfschläger im Ausverkauf

Adidas will Sparte abstoßen: Golfschläger im Ausverkauf

, aktualisiert 04. Mai 2016, 11:16 Uhr
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Der Noch-Adidaschef spielt selber in der Freizeit Golf – und stößt nun die Konzernsparte ab.

von Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Der Sportkonzern Adidas wächst kräftig, nur das Golfgeschäft kommt nicht in die Gänge. Vorstandschef Herbert Hainer hat jetzt genug von dem lang andauernden Niedergang – und stellt die Sparte zum Verkauf.

MünchenHerbert Hainer war in jungen Jahren ein begabter Fußballer. Doch schon seit langem dreht der inzwischen 61-Jährige auch gerne einmal eine Runde auf dem Golfplatz. Seine Ausrüstung kommt aus dem eigenen Haus, vom Shirt über die Schuhe bis zu den Schlägern und Bällen ist Adidas Komplettausstatter.

So recht erfreuen kann sich der Adidas-Chef am Golfequipment aber schon lange nicht mehr. Die Sparte schreibt rote Zahlen, der Umsatz schrumpft ein Quartal ums andere. Nun hat Hainer genug: Der Unternehmenslenker stellt das Geschäft mit Schlägern und Bällen zum Verkauf.

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Es geht dabei um das Label Taylor-Made sowie die kleineren Marken Adams und Ashworth. Der Bereich soll sich künftig auf Golfschuhe und -bekleidung konzentrieren. Damit trennt sich Adidas von etwa 60 Prozent der Erlöse der Sparte. Vergangenes Jahr erwirtschaftete die Division einen Umsatz von rund 900 Millionen Euro, gut ein Drittel weniger als im Spitzenjahr 2012. Damit stand der Bereich 2015 für etwa fünf Prozent des Konzernumsatzes.

Für Hainer ist das Golfgeschäft schon lange ein Ärgernis, trübt es doch das insgesamt positive Bild, das Adidas dieser Tage abgibt. So sprangen die Erlöse die Kernmarke Adidas im ersten Quartal um ein Fünftel auf gut vier Milliarden Euro in die Höhe. Die Golfsparte schrumpfte hingegen um knapp zwei Prozent auf 275 Millionen Euro. Für den Umsatzrückgang seien jedoch ausschließlich die Randmarken Adams und Ashworth verantwortlich. Dort seien die Erlöse erneut zweistellig eingebrochen, sagte Hainer am Mittwochmorgen auf einer Telefonkonferenz. Die Haupt-Golfmarke des Konzerns, Taylor-Made, habe dagegen um sechs Prozent zugelegt.

Hainer hatte bereits vergangenes Jahr die New Yorker Investmentbank Guggenheim angeheuert, um sich nach Käufern für den Bereich umzuschauen. Nun würden konkrete Verhandlungen aufgenommen werden, teilte Adidas am Mittwoch mit. „Taylor-Made bietet attraktive Wachstumsmöglichkeiten“, unterstrich Hainer.

Als mögliche Kaufinteressenten waren zuletzt Unternehmen aus der Branche in Asien sowie Finanzinvestoren gehandelt worden. Ein Einstieg großer Konkurrenten wie Nike, Puma, Under Armour oder dem Golfspezialisten Callaway gilt hingegen als weniger unwahrscheinlich. An der Börse kam die Ankündigung gut an: Im frühen Handel in Frankfurt kletterte der Aktienkurs in einem stagnierenden Markt um knapp ein Prozent auf 114,40 Euro.


Die Amerikaner haben keine Lust mehr aufs Golfen

Adidas hat zwei Jahre lang versucht, das Golfgeschäft wieder in Gang zu bringen. Hainer hat Jobs gestrichen, hat die Kollektion ausgedünnt. Der interne Umbau allerdings scheint das Management nicht zu überzeugen. Jahrelang war Golf zwar ein Wachstumstreiber für Adidas. Mit weltweit populären Sportarten wie Laufen, Fußball oder Basketball können die Franken jedoch viel mehr verdienen. Deshalb erschien es Hainer wohl sinnvoller, keine Managementkapazität mehr auf den Golf-Bereich zu verschwenden. „Wir wollen uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren“, unterstrich der Manager. Und das seien Shirts, Shorts und Turnschuhe.

Die Golfmarken leiden darunter, dass die Amerikaner ihre Ausrüstung zunehmend in den Keller räumen. Auf dem größten Golfmarkt der Erde drehen inzwischen nur noch rund 26 Millionen Sportler regelmäßig eine Runde. Zu Beginn des Jahrzehnts waren es noch mehr als 29 Millionen. In Deutschland wird Golf zwar immer populärer, ist aber mit 640 000 Aktiven nach wie vor nur eine Randsportart. Zum Vergleich: Der Deutsche Fußball-Bund zählt fast sieben Millionen Mitglieder.

Hainer hat nun eine pragmatische Lösung gefunden: Adidas trennt sich von den Schlägern und Bällen und behält die Golfbekleidung und die Schuhe, also jene Produkte, bei denen es große Überschneidungen mit dem Rest des Geschäfts gibt.

Der Manager selbst wird sich künftig womöglich öfter einmal ein paar neue Golfschläger zulegen. Hainer übergibt die Führung des Turnschuh-Herstellers im Herbst an den bisherigen Henkel-Chef Kasper Rorsted – und kann dann vermutlich etwas mehr Zeit auf dem Grün verbringen als bisher.

Quelle:  Handelsblatt Online
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