Ärger mit der Versicherung: Wenn der Baum in die falsche Richtung fällt

Ärger mit der Versicherung: Wenn der Baum in die falsche Richtung fällt

, aktualisiert 24. Mai 2016, 11:57 Uhr
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Einmaliges Baumfällen auf dem Grundstück eines Dritten ist keine gefährliche Beschäftigung, urteilte der Ombudsmann der Versicherer.

von Frank Matthias DrostQuelle:Handelsblatt Online

Wenn Kunden Ärger mit der Versicherung haben, können sie sich kostenlos an den Versicherungsombudsmann wenden. Der war im vergangenen Jahr so gefragt wie nie – und hatte einige skurrile Fälle zu lösen.

BerlinFür einen hilfsbereiten Waldbesitzer lief es unglücklich. Er wollte einer Bekannten beim Fällen einer 14 Meter hohen Kiefer helfen. Als der Inhaber eines Motorkettensägeführerscheins mit seiner Arbeit fertig war, verfing sich die Kiefer in einem anderen Baum, änderte die Fallrichtung und landete schließlich auf dem Traktor der Bekannten.

Ein Fall für seine Privathaftpflichtversicherung, dachte der Holzfäller. Doch die verwies auf die gefährliche Beschäftigung, die nicht von der Versicherung abgedeckt sei. Diese Haltung konnte der eingeschaltete Versicherungsombudsmann nicht nachvollziehen. Das einmalige Baumfällen auf dem Grundstück eines Dritten reiche nicht aus, um von einer gefährlichen Beschäftigung zu sprechen, meinte der Ombudsmann. Und Gartenarbeiten an Bäumen seien eine normale Tätigkeit von Privatleuten. Schließlich hatte die Versicherung ein Einsehen und beglich den Schaden.

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Das Beispiel zeigt, wie durch Hilfe des Ombudsmanns Streitfälle außergerichtlich beigelegt werden können. Der Begriff „Ombud“ stammt aus dem skandinavischen Sprachraum und bedeutet sinngemäß „Treuhänder“. Entscheidungen des Ombudsmanns bis zu einem Beschwerdewert von 10.000 Euro sind für die Versicherer verbindlich.

Nicht alle Fälle, die Versicherungsombudsmann Günter Hirsch mit seiner Mannschaft im vergangenen Jahr bearbeitete, sind dabei so spektakulär wie der des Holzfällers. Aber immer häufiger werden die Dienste des ehemaligen Präsidenten des Bundesgerichtshofs in Anspruch genommen. Die Zahl der Beschwerden stieg 2015 um knapp fünf Prozent auf gut 20.800 – mehr Beschwerden gingen seit Aufnahme der außergerichtlichen Schlichtungstätigkeit im Jahr 2001 noch nie ein.

Besonders unzufrieden waren Kunden von Rechtsschutz- und Kfz-Kaskoversicherungen. Der Eingang der Beschwerden legte hier um 32 Prozent zu. In einem Fall weigerte sich die Rechtsschutzversicherung, die Kosten für eine Klage auf Rückzahlung von rund 300.000 Euro zu übernehmen. Der Versicherte habe sich schließlich an der Finanzierung eines Bordells beteiligt, was nicht dem Privatbereich, sondern dem gewerblichen Bereich zuzuordnen sei.

Was steckte dahinter? Eine Rockergruppe hatte den Versicherten genötigt, auch teilweise durch Morddrohungen, sich an der Finanzierung eines Bordells in Höhe von 300.000 Euro zu beteiligen. Dieses Geld wollte der Beschwerdeführer nun zurück haben. Der Versicherungsombudsmann gelang es, die Versicherung davon zu überzeugen, dass der Versicherte Opfer einer Erpressung war.


Wenige falsche Beratungen, aber viele schlampig dokumentierte

Zwar gingen im Lebensversicherungs-Bereich die Beschwerden um 2,6 Prozent zurück, doch die entsprechenden Fälle sind von großer Relevanz für die Betroffen. Zahlreiche Beschwerden drehten sich um das Thema Falschberatung. So kritisierten Kunden, dass Vermittler sie häufig zur Kündigung bestehender Verträge geraten hätten, ohne auf Nachteile beim Abschluss neuer Verträge hinzuweisen.

Der Versicherungsombudsmann stellte in Einzelfällen Falschberatung fest, rügte aber allgemein die schlampigen Unterlagen. „Eine nennenswerte Verbesserung der Beratungsdokumentationen kann jedenfalls den Beschwerden nach wie vor nicht entnommen werden“, schrieb er den Lebensversicherern ins Stammbuch.

Für den Laien nicht immer nachvollziehbar ist die versicherungsrechtliche Unterscheidung von Diebstahl und Raub. So wollte eine Frau von ihrer Versicherung Schadensersatz für eine Tasche, die sie über die Stuhllehne gehängt hatte und die dann entwendet wurde. Die Versicherung meinte, es handele sich um einen nicht versicherten einfachen Diebstahl. Ein versicherter Raub hätte dann vorgelegen, wenn Gewalt zum Einsatz gekommen wäre. Der Versicherungsombudsmann konnte hier nichts für die Versicherte ausrichten.

Aber es gebe auch Fälle, in denen Beschwerdeführer das Verfahren „zur Durchsetzung nicht gerechtfertigter Ansprüche missbrauchen“ und „beleidigend oder grob unsachlich“ agieren, heißt es im Jahresbericht.

Unterm Strich ist der Versicherungsombudsmann eine Erfolgsgeschichte. Er stand Pate bei dem Gesetz über alternative Streitbeilegung in Verbraucherangelegenheiten, das am 1. April in Kraft getreten ist. Der Versicherungsombudsmann „hat Maßstäbe für die Arbeit der Schlichtungsstellen in Deutschland insgesamt gesetzt“, lobt der Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz, Heiko Maas.

Quelle:  Handelsblatt Online
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