AfD bei den Landtagswahlen : Wo die Rechtspopulisten abblitzen

AfD bei den Landtagswahlen : Wo die Rechtspopulisten abblitzen

, aktualisiert 16. März 2016, 14:01 Uhr
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Die AfD und ihre Parteichefin stoßen mit ihren rechtspopulistischen Parolen bei Studenten auf Widerstand.

Quelle:Handelsblatt Online

Die AfD ist der große Wahlgewinner der drei Landtagswahlen. Doch in einzelnen Städten und Regionen bekam die Partei nur halb so viele Stimmen wie anderswo. Das liegt an mehreren Faktoren, wie Politologen erklären.

BerlinDie AfD hat bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz triumphiert. Die Partei erzielte zweistellige Ergebnisse, in Sachsen-Anhalt kam die Partei sogar auf mehr als 24 Prozent. Doch die AfD kam nicht in allen Teilen der drei Bundesländer so gut an. Vor allem dort, wo das Bildungsniveau hoch ist und der Studentenanteil in der Bevölkerung groß ist, schnitt die Partei schlechter ab als anderswo. Doch es gab noch andere Faktoren, auf die Politologen hinweisen.

Ein Überblick:

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Baden-Württemberg: Studenten sind keine Protestwähler

Im Südwesten des Landes holte die AfD 15,1 Prozent der Stimmen und ist damit drittstärkste Kraft hinter den Grünen und der CDU geworden. Gerade einmal in drei von 70 Wahlkreisen im Ländle erreichte die Alternative für Deutschland weniger als zehn Prozent: Im Wahlkreis Stuttgart I kamen die Rechtspopulisten auf sieben Prozent der Stimmen, im Bezirk Freiburg I waren es 8,4 Prozent, in Konstanz neun Prozent.

Dass die selbst ernannte Alternative in diesen Wahlkreisen deutlich unter ihrem Landesdurchschnitt von 15,1 Prozent landete, liege am hohen Studentenanteil, erklärt der Politikwissenschaftler Joachim Behnke. Denn was über alle Bundesländer hinweg auffällt: Die Wähler der AfD sind überdurchschnittlich männliche Arbeiter oder Arbeitslose – und zumeist keine Hochschüler.

Laut einer Forsa-Umfrage unter AfD-Anhängern vor wenigen Tagen bezeichneten sich 42 Prozent der Befragten als rechts. 70 Prozent sehen Pegida als Phänomen, das für die breite Mitte der deutschen Gesellschaft steht. Und laut einer Nachwahlbefragung von infratest-dimap gaben 91 Prozent der AfD-Anhänger an, dass sie erleichtert seien, dass zurzeit nur noch wenige Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Gerade bei ihnen kann die Alternative für Deutschland mit rechtspopulistischen Parolen und Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung punkten.

Eine Strategie, die bei Hochschülern nicht zieht. „Studenten sind einfach nicht so anfällig für die Parolen der AfD“, sagt Politikwissenschaftler Behnke. Hochschüler seien zudem keine klassischen Nicht- oder Protestwähler, aus deren Lager die Rechtspopulisten viele Anhänger gewonnen hätten. Für diese These spricht auch, dass die Ergebnisse der AfD in den Studentenstädten Tübingen, Heidelberg, Stuttgart und Freiburg zwischen zehn und elf Prozent geblieben sind.

Und noch etwas fällt auf: Schneidet die AfD schlecht ab, gewinnen vor allen Dingen die Grünen. Im Wahlbezirk Stuttgart I kamen die Grünen bei der Wahl am Sonntag beispielsweise auf 42,4 Prozent, in Freiburg I auf 39 Prozent. Die AfD holte dort weniger als zehn Prozent.


Die Grünen profitieren am stärksten

Sachsen-Anhalt: Lieber grün

Ähnliche Beobachtungen wie in Baden-Württemberg kann man auch in Sachsen-Anhalt machen. Dort holte die AfD landesweit 24 Prozent und stellt damit bald jeden vierten Landtagsabgeordneten in Magdeburg. Doch in zwei Wahlkreisen blieb sie weit hinter dieser Marke zurück. In Halle III und Magdeburg II holten die Rechtspopulisten zweimal knapp 13 Prozent der Stimmen. Auffällig: Wie auch in Baden-Württemberg erreichten die Grünen in diesen Wahlkreisen übermäßig gute Ergebnisse. Zudem sind sowohl Halle als auch Magdeburg Studentenstädte, die Zahl der Akademiker damit verhältnismäßig hoch.

David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus des Vereins Miteinander erklärte, die Menschen in diesen Teilen der beiden Städte seien der ökologischen Lebensweise besonders zugeneigt und hätten ein hohes Bildungsniveau. Damit seien sie weniger anfällig für die rechtspopulistischen Parolen der AfD. Dieses Milieu sei in Sachsen-Anhalt ansonsten aber sehr dünn gesät.

Rheinland-Pfalz: Keine Chance bei Katholiken

Was in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Studenten und Grünen sind, sind in Rheinland-Pfalz die Katholiken. Denn gerade in den christlich geprägten Gegenden in der Eifel und an der Mosel blieb die Alternative für Deutschland weit unter ihrem Landesdurchschnitt von 12,6 Prozent. Sehr katholisch geprägt ist zum Beispiel der Eifel-Wahlkreis Bitburg-Prüm, dort sitzen gleich mehrere katholische Trägervereine. Ein Klientel, bei dem die AfD nicht gut ankommt: In der Verbandsgemeinde Arzfeld holte sie nur 6,2 Prozent. „Ich vermute, das niedrige AfD-Ergebnis hängt damit zusammen, dass wir hier kein Flüchtlingsproblem haben“, sagt Bürgermeister Andreas Kruppert (CDU). „Hier funktioniert das alles sehr gut, wir haben keine Probleme, und es gibt viele Ehrenamtliche, die sich für Flüchtlinge engagieren.“

Fehlt hingegen die Kirche, kann die AfD punkten. Der Mainzer Politikwissenschaftler Kai Arzheimer erklärt, dass „dass Parteien am rechten Rand wie die NPD oder die Republikaner in protestantisch-ländlichen Gebieten stark sind“. Dort fehle die katholische Kirche vor Ort, die die Einwohner in das traditionelle Parteiensystem einbinde. Parteienexperte Jürgen Falter ergänzte: „Die AfD ist dort stark, wo früher auch die NPD stark war. Und das ist nun einmal in der Pfalz.“

In Rheinland-Pfalz zeigt sich zudem das bekannte Muster: Ist das Bildungsniveau hoch, schneidet die AfD schlechter ab. In den Universitätsstädten Mainz und Trier schafften es die Rechtspopulisten nicht, ein zweistelliges Ergebnis einzufahren. Politikwissenschaftler Falter erklärt: „Das universitäre Klima in den Städten macht es der AfD schwer, zu punkten.“ Ganz anders sei das in Ludwigshafen. In der alten Industriestadt konnte die AfD mehr als 20 Prozent der Stimmen ergattern. Die Wählerschaft sei dort vor allen Dingen durch die Arbeitsschicht geprägt und damit laut Falter eben vor allen Dingen eins: „klassisches AfD-Klientel.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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