AfD und NPD: Usedom – eine Insel driftet nach rechts

AfD und NPD: Usedom – eine Insel driftet nach rechts

, aktualisiert 07. September 2016, 16:07 Uhr
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Ostseestrand von Zinnowitz auf der Insel Usedom: Bleiben nach dem AfD-Erfolg die Urlauber weg?

von Dietmar NeuererQuelle:Handelsblatt Online

Die AfD hat bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern auf Usedom ihr bestes Ergebnis erzielt. Mancherorts kommt sie zusammen mit der NPD auf über 50 Prozent. Die Reisebranche ist besorgt. Denn es steht viel auf dem Spiel.

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat aus Sicht der Reisebranche ein bedenkliches Ergebnis gebracht. Dabei geht es nicht vornehmlich um die Sorge, dass die AfD landesweit 20,8 Prozent der Stimmen eingefahren hat. Viel kritischer wird der Umstand gesehen, dass nirgendwo sonst mehr Wähler ihr Kreuz bei AfD und NPD gemacht haben als auf der Ferieninsel Usedom. In Peenemünde beispielsweise

beiden Parteien zusammen auf 52,4 Prozent der Zweitstimmen. Andernorts auf der Insel schnitten AfD und NPD ebenfalls stark ab.

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Der Deutsche Reiseverband (DRV) befürchtet deshalb schon Nachteile für die Tourismuswirtschaft in dem Bundesland. „Die Reisebranche steht für ein weltoffenes und gastfreundliches Deutschland. Tourismus und Fremdenfeindlichkeit passen nicht zusammen“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig dem Handelsblatt. Vielmehr gehe es darum, Brücken zu bauen. „Wir wollen im Ausland willkommen sein, das Gleiche sollte daher auch für alle gelten, die hierher kommen.“

Die AfD verzeichnete in Usedom ihre bestes Ergebnis der Landtagswahl. Und zwar im Wahlkreis Vorpommern-Greifswald III. Dazu gehört der östliche Teil des Landkreises Vorpommern-Greifswald mit der Stadt Wolgast und der Ferieninsel Usedom. Fast jeder Dritte dort (32,3 Prozent) gab der AfD seine Stimme. Zum Vergleich: In einem Rostocker Innenstadt-Wahlkreis brachte die Partei es nur auf 12,2 Prozent.

In dem Wahlkreis holte der AfD-Kandidat Ralph Weber mit 35,3 Prozent eines von drei Direktmandaten für seine Partei. Die SPD erzielte dort nur 17,8, die CDU 19 und die Linke 17,9 Prozent. Weber arbeitet seit 2009 als Rechtsprofessor an der Universität Greifswald. Dort ist er umstritten. So war er mit dem Tragen von Thor-Steinar-Kleidung, die auch in rechtsextremen Kreisen beliebt ist, in die Kritik geraten. Wie die „Welt am Sonntag“ kürzlich berichtete, soll Weber zudem einen ausgewiesenen Neonazi promoviert und schon 2010 mit dem damaligen NPD-Chef Udo Voigt über die Gründung einer rechten Partei gesprochen haben. Erst vor kurzem soll zudem ein Vertreter der rechtsextremen „Reichsbürger“ im Rahmen von Webers Vorlesung an der Uni Greifswald einen Vortrag gehalten haben.

Dörthe Hausmann, Chefin der Usedom Tourismus GmbH, hat bereits besorgte Reaktionen auf den Wahlsonntag registriert. In den vergangenen Tagen hätten sie mehrere Mails von Urlaubern erreicht, die sich erschrocken über den Ausgang der Wahl zeigten. Zwar habe bislang noch niemand seinen Urlaub abgesagt, sagte Hausmann der Nachrichtenagentur dpa. Doch es sei fraglich, ob das so bleibe.

Hausmann erinnerte an Dresden, wo die Pegida-Aufmärsche vor einem Jahr die Besucherströme bremsten. In der Elbmetropole ging die Zahl der Übernachtungen nach Jahren des Wachstums 2015 um drei Prozent zurück.

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