Agravis: Agrarhandel trotzt den niedrigen Preisen

Agravis: Agrarhandel trotzt den niedrigen Preisen

, aktualisiert 10. März 2016, 16:51 Uhr
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Bis 2018 soll der Umsatz auf acht Milliarden Euro steigen.

von Regine PalmQuelle:Handelsblatt Online

Das Kartellamt prüft mögliche Absprachen im Bereich der Landtechnik. Agravis-Chef sichert seine Unterstützung zu.

MünsterSeine letzte Bilanzpressekonferenz hatte sich Agravis-Chef Clemens Große Frie so wohl nicht vorgestellt. Zwar hat sich das Unternehmen in einem „intensiven“ Geschäftsjahr gut geschlagen, doch gab es gleich zu Beginn des Jahres eher unliebsamen Besuch.

Ende Januar hat das Bundeskartellamt die Räume von Agravis ebenso untersucht wie bei dem Konkurrenten BayWa und bei der RWZ Köln. Anfang 2017 wird Große Frie, der Deutschlands zweitgrößten Agrarhändler seit 2004 geführt hat, aus Altersgründen den Chefsessel räumen. Nachfolger wird der 51-jährige Manager Andreas Rickmers, der bisherige Leiter der europäischen Agraraktivitäten von Cargill.

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Grund der Untersuchung bei den Agrar-Großhändlern, seien potenzielle Preisabsprachen bei Neumaschinen, etwa Traktoren, gewesen, aber auch bei Ersatzteilen und Reparaturleistungen. „Wir arbeiten selbstverständlich mit dem Bundeskartellamt zusammen, damit die Vorwürfe so schnell wie möglich aufgeklärt werden“, hatte BayWa-Chef Klaus Josef Lutz, Anfang Februar unterstrichen.

Seine Unterstützung sicherte nun auch der Agravis-Chef dem Kartellamt ausdrücklich zu. Rückstellungen mit Blick auf möglicherweise fällige Strafzahlungen wies er allerdings strikt von sich. „Das wäre ja fast ein Schuldeingeständnis“, sagte Große Frie. „Wir bauen nicht vor!“

Schon im vergangenen Jahr waren verschiedene Agrarunternehmen in Deutschland, darunter ebenfalls BayWa und Agravis, im Bereich des Großhandels mit Pflanzenschutzmitteln ins Visier der Wettbewerbshüter geraten. Nach Aussage des Agravis-Chefs laufen diese Untersuchungen noch.

Abgesehen von den Durchsuchungen zeigte sich Große Frie durchaus zufrieden. Im gerade angelaufenen Jahr soll der Umsatz 6,7 Milliarden Euro erreichen; 2015 waren es sieben Milliarden Euro. Allerdings wurden drei Gesellschaften mit einem Umsatzanteil von rund 300 Millionen Euro an die Ceravis AG verkauft. Erklärtes Ziel bleibt es, bis 2018 den Umsatz auf acht Milliarden Euro zu steigern; der Gewinn soll dann 80 Millionen vor Steuern erreichen. Im vergangenen Jahr wurde das Ergebnis vor Steuern bereits um knapp zehn Prozent auf 45,1 Millionen Euro gesteigert.


„Wir haben nicht das Geschäft erreicht, das wir wollten“

„Wir haben aber nicht das Geschäft erreicht, das wir wollten“, sagte der Agravis-Chef. Das niedrige Preisniveau, bei Dünger, Getreide, Milch oder Energie, machen der ganzen Branche zu schaffen. „Die Getreidepreise ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ergebnisse“, führte Große Frie aus.

Laut Commerzbank liegen die Getreide- und Ölsaatenpreise am Boden und notieren auf dem tiefsten Stand seit Jahren. Entsprechend schrumpfen die Erlöse in der Landwirtschaft immer weiter. Abgesehen von den Marktentwicklungen bremsten laut Große Frie aber die Diskussionen um den Mindestlohn das Geschäft ebenso wie die Sanktionen und das Embargo gegen Russland: „Das kostet die Agrar- und Ernährungsbranche viel Geld.“

Agravis steuert auch mit weiteren Investitionen gegen. Nach 85 Millionen Euro im Vorjahr sind für dieses Jahr 60 Millionen Euro geplant, die insbesondere in die Wertschöpfung, in Schnelligkeit und Sicherheit investiert werden sollen. Sicherheit etwa spiele insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung gerade auch in der Landtechnik eine besondere Rolle, sagte Große Frie. 2015 hat Agravis seine Aktivitäten in diesem Bereich in einer eigenen Tochtergesellschaft gebündelt, der Agravis NetFarming. Zu deren Angebot gehört etwa die Verbesserung der Erträge durch eine spezielle Steuerung des Düngereinsatzes. Dabei wird der Boden per Satellit klassifiziert und bekommt so die optimale Düngung.

Noch steht die Tochter ganz am Anfang, doch „sie bietet Zusatznutzen, den wir unseren Kunden bieten wollen“, sagt Große Frie.

Quelle:  Handelsblatt Online
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