Air Berlin-Partner Etihad: „Protektionismus der Lufthansa untergräbt unser Engagement“

Air Berlin-Partner Etihad: „Protektionismus der Lufthansa untergräbt unser Engagement“

, aktualisiert 04. Januar 2016, 14:06 Uhr
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James Hogans Angriff wirft Fragen auf.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Etihad-Chef James Hogan greift im Streit um die Kooperation mit Air Berlin die Politik und die Lufthansa massiv an. Da gerät die Beschwerde gegen das gerichtliche Verbot von Gemeinschaftsflügen fast schon zur Nebensache.

FrankfurtBei James Hogan scheint das Fass übergelaufen zu sein. Der Chef der Fluggesellschaft Etihad aus Abu Dhabi am Persischen Golf attackiert in einem Statement die Politik und den Rivalen Lufthansa mit überraschend harschen Worten. Hintergrund ist der Streit um rund 30 Gemeinschaftsflüge, die die Airline bisher mit der deutschen Beteiligung Air Berlin durchführte, die aber in der vergangenen Woche von einem Gericht verboten worden waren.

„Sofern die deutsche Regierung ihr Engagement für alle deutschen Unternehmen und Arbeitsplätze nicht sicherstellt, steht ihr Ruf als sicheres Land für Investitionen auf dem Spiel“, wettert Hogan. Und weiter: „Investoren benötigen Gewissheit, dass die Sicherheit ihrer Anlagen in Deutschland respektiert und geschützt wird.“

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Der Grund für Hogans Angriff: Der Airline-Manager muss um die so genannten Codeshare-Flüge mit Air Berlin fürchten. Dabei werden Flüge von zwei Airlines unter eigenen Flugnummern verkauft. Der Vorteil: Air Berlin erhöht damit die Auslastung der Flugzeuge, dafür kann Etihad ein großes und attraktives Netz anbieten.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zweifelt die Rechtmäßigkeit der Gemeinschaftsflüge an. Es geht dabei vor allem um die Frage, ob Etihad das Recht hat, Air-Berlin-Flüge etwa von Berlin ins Ausland unter einer eigenen Flugnummer zu verkaufen.

Nach Angaben von Etihad und Air Berlin geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag, den Air Berlin durch solche Gemeinschaftsflüge zusätzlich pro Jahr erlöst. Für die schwer angeschlagene deutsche Airline wären diese Einnahmen wichtig. Doch in politischen Kreisen wird die Höhe der Zahl angezweifelt, ebenso die Behauptung, das Codesharing sei existentiell für Air Berlin. Der Versuch, den Konflikt über Verhandlungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) über eine Neuregelung des bilateralen Luftverkehrsabkommens zu lösen, blieb bislang erfolglos.

Hogan macht für die verfahrene Situation nicht zuletzt den Erzrivalen Lufthansa verantwortlich. „In anderen Märkten wie Australien, Indien, Italien, Serbien oder auf den Seychellen wurden unsere Investitionen begrüßt und unterstützt. In Deutschland wird unser Engagement jedoch weiterhin durch die Lobbyanstrengungen und den Protektionismus der Lufthansa, der nationalen Airline, untergraben“, klagt der Airline-Chef. Erst nach der Lobbyarbeit der Lufthansa habe das deutsche Verkehrsministerium im Sommer 2014 Bedenken bei 29 der Codeshare-Flüge angemeldet, die dann im November 2015 nur bis zum 15. Januar 2016 genehmigt wurden.

Damit lehnt sich Hogan weit aus dem Fenster. Schließlich kursiert in Branchenkreisen auch eine etwas andere Erklärung für den Streit. Danach soll nicht Lufthansa der Auslöser sein, auch wenn der Europäische Branchenführer tatsächlich massiv gegen die Codeshares opponiert. Die ersten Hinweise auf mögliche Verstöße gegen bilaterale Abkommen sollen demnach von der EU gekommen sein.

So oder so ist Hogans Angriff überraschend und wirft Fragen auf. Denn letztlich kritisiert er das Urteil eines Gerichts. Und das gilt als unabhängig – sowohl von der Politik als auch der Einflussnahme durch Unternehmen. Zudem ist zweifelhaft, dass der Konflikt mit solchen Aussagen schneller gelöst werden kann. Hogan setzt derweil weiter auch auf deutsche Gerichte, trotz der jüngsten Niederlage: Er hat am Montag beim Oberverwaltungsgericht in Lüneburg Beschwerde gegen das Verbot der Codeshareflüge durch das Verwaltungsgericht Braunschweig eingereicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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