Air Berlin: Soll Easyjet die angeschlagene Airline retten?

Air Berlin: Soll Easyjet die angeschlagene Airline retten?

, aktualisiert 21. März 2016, 10:36 Uhr
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Über einen Einstieg des britischen Billigfliegers bei der deutschen Airline wird spekuliert.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Kommt die Rettung für Air Berlin aus Großbritannien? Der Billigflieger Easyjet und die angeschlagene deutsche Fluglinie sollen nach Medienberichten auf Tuchfühlung sein. Was ist dran an den Gerüchten?

FrankfurtDie Spekulationen tauchen seit längerem immer wieder auf. Easyjet und Air Berlin sollen bald enger zusammenrücken. Zuletzt machten diese Gerüchte auf der Tourismusmesse ITB in Berlin die Runde. Sogar von einer Übernahme von Air Berlin durch Easyjet war dort die Rede. Jetzt hat die Bild-Zeitung die Spekulationen aufgegriffen.

Die betroffenen Unternehmen wollen die Gerüchte nicht kommentieren. Nach Informationen des Handelsblatts gab es zuletzt tatsächlich Treffen von Delegationen beider Airlines. Gleichzeitig ist in Branchenkreisen zu hören, dass Air Berlin für Teile seiner Tourismusstrecken einen Partner, einen Investor sucht. Bestätigt wurden diese Informationen bislang nicht.

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Dennoch ist es nach Informationen von Insidern derzeit fraglich, ob es tatsächlich zu einem Engagement von Easyjet bei Air Berlin kommt. Denkbar sei auch lediglich eine Kooperation auf bestimmten Strecken, etwa nach Spanien, wie sie viele Fluggesellschaften miteinander unterhalten.

Zwar könnten einzelne Strecken von Air Berlin für Easyjet strategisch interessant sein. So fliegt die Billig-Airline etwa von Berlin nach Mallorca. Verbindungen nach Mallorca gelten als sehr lukrativ, ein Ausbau könnte für Easyjet-Chef Carolyn McCall also interessant sein.

Dennoch wäre ein Einstieg bei Air Berlin nicht ganz einfach. Bereits derzeit werden über 40 Prozent der Aktien von Air Berlin von nicht-europäischen Investoren gehalten. Die Golf-Airline Etihad ist mit 29,21 Prozent beteiligt, 12,02 Prozent hält die türkische Esas Holding, die Muttergesellschaft unter anderem von Pegasus Airlines. Easyjet könnte also nur ein kleines Aktienpaket erwerben, denn die Aktienmehrheit von Air Berlin muss in europäischer Hand bleiben. Andernfalls verliert die Fluggesellschaft ihre europäischen Verkehrsrechte. Ein kleines Aktienpaket sei für Easyjet wiederum nicht sonderlich attraktiv, heißt es in der Branche. Eine einfache Kooperation sei dann weitaus sinnvoller.

Zudem dürfte ein Einstieg von Easyjet nicht ohne Einbindung des Großaktionärs Etihad stattfinden. Gespräche zwischen Easyjet und der arabischen Staatsairline sowie den Herrschern in Abu Dhabi – so ist zu hören – habe es bislang aber noch nicht gegeben.


Zukunft ist weiter ungewiss

Hintergrund der aktuellen Spekulationen ist die Tatsache, dass es Air Berlin wirtschaftlich nach wie vor nicht gut geht. 2014 hatte die Airline einen Verlust von 376 Millionen Euro eingeflogen. Auch 2015 dürfte mit einem Verlust in dreistelliger Millionenhöhe beendet worden sein. Und der Jahresauftakt 2016 soll eher mäßig sein, auch weil die wachsende Terrorangst gerade das wichtige und lukrative Tourismusgeschäft belastet.

Ein deutlicher Indikator für die Schwierigkeiten der Airline bei der Sanierung ist der Wegfall der Verbindung von Stuttgart nach Abu Dhabi ab Ende Mai. Die Strecke gilt zwar seit längerem als defizitär und wenig nachgefragt. Aber sie ist eine der für den Großaktionär Etihad wichtigen Zubringerdienste. Sie ist zudem eine jener Codeshare-Verbindungen, deren Genehmigung Etihad und Air Berlin über Monate und vor Gericht durchgefochten haben. Nach Ansicht des Verkehrsministeriums sind diese von den Airlines gemeinsam vermarkteten Strecken nicht durch das Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten gedeckt.

Vieles spricht also dafür, dass sich bei Air Berlin schon bald etwas Gravierendes verändern wird. Am 28. April will die Airline ihren Geschäftsbericht 2015 präsentieren. Bis dahin muss sie den Wirtschaftsprüfern belegen, dass die Geschäfte der Gesellschaft wie gehabt fortgeführt werden, denn das ist maßgeblich für die Bewertung der Prüfer.

Nach Informationen des Handelsblatts diskutieren die Gesellschafter derzeit intensiv über die weitere Zukunft von Deutschlands zweitgrößter Airlines. Zu den erörterten Szenarien gehört etwa ein Delisting, also der Abschied von der Börse. Es könnte die Vorbereitung zu einer ganz neuen Ausrichtung von Air Berlin sein – vielleicht auch mit einem neuen Investor. Ob der dann am Ende Easyjet heißt, bleibt aber abzuwarten. „Derzeit werden jede Menge Nebelkerzen geworfen“, sagt ein Insider.

Quelle:  Handelsblatt Online
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