Airlines for Europe gegründet: EU-Airlines greifen Flughäfen wegen Gebühren an

Airlines for Europe gegründet: EU-Airlines greifen Flughäfen wegen Gebühren an

, aktualisiert 20. Januar 2016, 17:32 Uhr
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Trotz aller Gegensätze gibt es nun einen gemeinsamen Verband von Billig- und etablierten Airlines.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Billigflieger und etablierte Airlines tun sich zusammen: Fluggesellschaften wie Lufthansa und Ryanair gründen einen neuen Verband. Die erste Tat: Eine Attacke auf die Flughäfen. Doch „A4E“ hat eine große Schwäche.

AmsterdamDie Zahl hinterlässt Eindruck. Die Gebühren an den 21 größten europäischen Flughäfen sind in den zurückliegenden zehn Jahren um 80 Prozent gestiegen. Das jedenfalls behauptet eine Studie des neu gegründeten Airlineverbandes A4E, Airlines for Europe. An den zehn größten Airports betrage die Steigerung sogar 90 Prozent. Im gleichen Zeitraum seien die Ticketpreise um 20 Prozent gesunken, heißt es in einem Statement des Verbandes.

Die Botschaft ist klar: Die Gebühren an den europäischen Flughäfen müssen runter. „Wir bitten die EU dringend, dafür zu sorgen, dass die Gebühren gesenkt werden, in dem sichergestellt wird, dass Monopol-Flughäfen bei der Entgeltgestaltung effektiv reguliert werden“, forderten am Mittwoch die Chefs von Lufthansa, IAG (British Airways und Iberia), Air France-KLM, Ryanair und Easyjet auf ihrer ersten gemeinsamen Pressekonferenz nach Gründung des Verbandes am niederländischen Flughafen Amsterdam Schipol.

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Der Ort und die Zeit dieser Botschaft sind bewusst gewählt. Derzeit findet in Amsterdam der EU Aviation Summit unter der Niederländischen Ratspräsidentschaft statt. Mit dabei ist unter anderem Violeta Bulc, die EU-Verkehrskommissarin. Sie hatte im Dezember angekündigt, ein Luftverkehrskonzept zu erarbeiten.

Nun versucht jeder in der Branche, das Beste für sich herauszuholen. Und so meldete sich am Mittwoch auch die Konkurrenzorganisation, die Association of European Airlines (AEA), zu Wort. Auch sie forderte von der EU mehr Ehrgeiz bei der Formulierung konkreter Ziele für den Luftverkehr. Nur so könne die Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden, heißt es in einem Statement, das allerdings keine weiteren Details nennt.

Mehr konkreten Druck baut dagegen der neue Verband auf. Er argumentiert geschickt mit den in den Augen der EU so wichtigen Verbraucherpreisen. Der Gebührenzuwachs bedeute, dass die Fluggäste in den zurückliegenden zehn Jahren 5,4 Milliarden Euro mehr für Gebühren berappt hätten. Die höchsten Gebühren pro Passagier würden mit 44 Euro in Großbritannien anfallen, gefolgt von der Schweiz (38 Euro) und Deutschland (35 Euro).

Lufthansa, IAG, Air France-KLM, Ryanair und Easyjet hatten sich im vergangenen Sommer erstmals an einen Tisch gesetzt. Bis dato hatten die etablierten Anbieter und die Billig-Airlines vor allem gegeneinander gearbeitet. Jede Gruppe hat eine eigene Interessensvertretung. Doch angesichts immer neuer Auflagen für die europäischen Fluggesellschaften wie etwa die Pflicht, Emissionsrechte zu erwerben, oder Nachtflugeinschränkungen hatten die Chefs der Gründungs-Unternehmen das Gefühl, dass die Branche stärker mit einer Stimme sprechen muss.

Die IAG und auch die deutsche Air Berlin sind mittlerweile sogar aus der AEA ausgetreten. Die Schwäche der neuen Organisation: Bei ebenfalls wichtigen Themen wie etwa dem Umgang mit den aggressiv wachsenden Golf-Airlines ist man sich uneins – sie sind von vornherein ausgeklammert.

Die fünf Gründungsmitglieder stehen für gut 460 Millionen Passagiere pro Jahr, etwa die Hälfte aller Reisenden in Europa. Betrieben werden rund 2100 Flugzeuge, der addierte Umsatz liegt bei 85 Milliarden Euro im Jahr.

Quellle:  Handelsblatt Online
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