Aktie stürzt auf Allzeittief: Deutsche Bank am Boden?

Aktie stürzt auf Allzeittief: Deutsche Bank am Boden?

, aktualisiert 26. September 2016, 14:25 Uhr
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Der Aktienkurs des größten deutschen Geldhauses hat ein neues Allzeittief erreicht.

Quelle:Handelsblatt Online

So wenig war Deutschlands größtes Geldhaus noch nie wert. Die Angst vor einer Kapitalerhöhung verschreckt die Anleger, aber es gibt noch andere Gründe für den tiefen Sturz der mächtigen Bank. Eine Analyse.

Angesichts der schier endlosen Liste von Problemen war es eigentlich nur eine Frage der Zeit. Am Montag gleich nach Eröffnung des Handels sackte der Kurs der Deutschen Bank auf ein neues Allzeittief. Die Aktie des größten deutschen Geldhauses brach um 6,5 Prozent auf 10,63 Euro ein. Seit Jahresanfang hat das Geldhaus damit die Hälfte seines Börsenwertes verloren, ein beispielloser Absturz, der die tiefste Krise in der jüngeren Geschichte der noch immer mächtigsten heimischen Bank widerspiegelt.

Quasi kein Tag vergeht ohne neue schlechte Nachrichten. Inzwischen muss sich Vorstandschef John Cryan Fragen gefallen lassen, die noch vor einem Jahr als Majestätsbeleidigung gegolten hätten. Skeptiker wie der britische Finanzprofessor Kevin Dowd fürchten, dass die angeschlagene Deutsche Bank mit ihrem gigantischen Derivatebuch zum Katalysator der nächsten Bankenkrise werden könnte.

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An den Märkten wird inzwischen ganz offen darüber spekuliert, ob das Frankfurter Geldhaus nicht vom Staat aufgefangen werden muss. Aber selbst wenn dieser eigentlich kaum vorstellbare Ernstfall eintreten würde, wäre das alles andere als einfach. Denn die neuen Haftungsregeln der EU sehen vor, dass zuerst Eigentümer und Gläubiger für die Banken haften. Erst wenn acht Prozent der gesamten Verbindlichkeiten einer Bank als Hilfe herangezogen wurden, darf der Staat eingreifen.

Laut einem Bericht des Magazins „Focus“ hat die Bundesregierung Staatshilfen für die Deutsche Bank ohnehin ausgeschlossen. Dies habe Kanzlerin Angela Merkel in einem vertraulichen Treffen mit Bankchef Cryan im Sommer signalisiert. Im Wahljahr 2017 seien Staatshilfen ein Tabu, habe die Kanzlerin klar gemacht. Deshalb geht an den Märkten jetzt wieder die Angst vor einer massiven Kapitalerhöhung um, die die Anteile der Altaktionäre deutlich verwässern würde. Abgesehen davon, dass sich Experten fragen, ob die leidgeplagten Eigentümer überhaupt noch willens wären, der Bank frisches Kapital zur Verfügung zu stellen.

Die Deutsche Bank hat den Bericht am Montag zurückgewiesen. „Die Deutsche Bank ist fest entschlossen, ihre Herausforderungen alleine zu lösen“, sagte ein Banksprecher am Montag. „John Cryan hat zu keinem Zeitpunkt die Bundeskanzlerin darum gebeten, dass die Regierung im Hypothekenverfahren mit dem amerikanischen Justizministerium interveniert.“

Das sagten Experten zur drohenden US-Strafe für die Deutsche Bank (vor der Entscheidung)

  • Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts

    "Die Deutsche Bank wird diese Strafe nicht ohne Kapitalerhöhung bezahlen können. Das Eigenkapital von derzeit gut 60 Milliarden Euro sollte nicht weiter sinken. Das würde das Vertrauen in die Solidität weiter erschüttern. Die Gewinne der Bank sind derzeit so niedrig, dass sie kaum ausreichen werden, die Lücke zu füllen. Jetzt rächt sich, dass Bankenaufsicht und Bankenregulierer in den letzten Jahren nicht auf eine stärkere Erhöhung des Eigenkapitals der Deutschen Bank gedrängt haben."

  • Jan Duschek, Bankenexperte der Gewerkschaft Verdi

    "Jetzt kommt es mit Blick auf die Bank und die Beschäftigten darauf an, dass die Rechtsstreitigkeiten und damit verbundenen Unsicherheiten schnell gelöst werden. Wir erwarten, dass man einen angemessenen Kompromiss finden wird."

  • Einer der größten zehn Investoren der Deutschen Bank

    "Ich rechne damit, dass die Deutsche Bank am Ende vier bis 5,5 Milliarden Dollar bezahlen muss - das ist etwas mehr als bisher erwartet. Da wir im US-Wahlkampf sind, kann die Summe aber auch höher ausfallen - etwa sechs oder sieben Milliarden Dollar. Auch der Streit der EU mit Apple und Google kann durchaus dazu führen, dass die Summe höher ausfällt als vergleichbare Strafzahlungen von US-Banken.

    Alles über sieben Milliarden Dollar wäre für die Deutsche Bank sehr gefährdend. Die Deutsche Bank müsste sich dann Gedanken machen, ob sie im normalen Geschäft noch mehr Risiken abbauen kann. Wenn alle Stricke reißen, müsste die Deutschen Bank ihre Kronjuwelen verkaufen - die Vermögensverwaltung - oder eine Kapitalerhöhung in Angriff nehmen. Die Deutsche Bank muss die Probleme in jedem Fall aus eigener Kraft bewältigen. Ich bin ziemlich sicher, dass es keine Staatshilfen geben wird.

    Die deutsche Politik sollte sich nicht in die Verhandlungen über die Höhe der Strafe einmischen. Frankreich hat einst Öl ins Feuer gegossen, als es bei einer Milliarden-Strafe für BNP Paribas in den USA intervenierte. Das hat nichts gebracht, sondern die ganze Sache nur noch verschärft."

  • Ingo Frommen, LBBW

    "Wenn die Strafe am Ende fünf Milliarden Euro oder mehr beträgt, wird die Deutsche Bank nicht um eine Kapitalerhöhung herumkommen. Investoren wollen nicht, dass die Kapitalquote der Bank zu nah an den Mindestanforderungen der Regulierer liegt."

  • Christian Koch, DZ Bank

    "Wir erwarten, dass das mögliche Verhandlungsergebnis deutlich unterhalb des ersten Vergleichsvorschlags liegen wird. Eine Strafzahlung von rund 2,5 Milliarden Dollar würden wir als akzeptables Ergebnis einstufen. Eine Strafzahlung oberhalb der bestehenden Rückstellungen würde die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung unseres Erachtens erhöhen."

  • Markus Huber, Brokerhaus City of London

    "Das Justizministerium hat die Deutsche Bank dazu auserkoren, ihren Teil beim Stopfen des enormen US-Haushaltsdefizits beizutragen."

  • Neil Wilson, Brokerhaus ETX Capital

    "Angesichts der prekären Finanzlage einiger europäischer Banken, von denen die Deutsche eine des risikobehaftetsten und systemrelevantesten ist, ist dies verstörend und wirkt kurzsichtig und unnötig strafend." Selbst ein Drittel der angedrohten Strafe von 14 Milliarden Dollar wäre eine schwere Last für eine Firma mit einem Börsenwert von rund 18 Milliarden Euro. "Gigantische Forderungen unterminieren Banken, drohen einige der am meisten globalisierten, systemrelevanten Institute zu destabilisieren, just als ein Cocktail neuer Regulierungen und ultra-niedriger Zinsen die Ertragskraft zerstören. Es gibt Spekulationen um eine neue Ära der 'Auge-um-Auge'-Handelskriege. Die Deutsche Bank könnte der Prügelknabe für den Angriff der EU-Kommission auf Apple sein."

Auch von Seiten der Regierung ließ das Dementi nicht lange auf sich warten. „Es gibt keinen Anlass für solche Spekulationen, wie sie da angestellt werden, und die Bundesregierung beteiligt sich auch an solchen Spekulationen nicht“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

Ein Banksprecher sagte dem Fernsehsender CNBC, dass das Geschäftsmodell der Bank fundamental in Ordnung sei. Eine Kapitalerhöhung sei derzeit kein Thema, das Institut erfülle alle Vorgaben der Regulierer und das Liquiditätspolster sei solide.

Alle regulatorischen Vorgaben würden erfüllt. Die Deutsche Bank brauche aber eben Zeit, sich durch ihre Rechtsstreitigkeiten zu arbeiten. „Wir machen unsere Hausaufgaben.“

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