Aktien-ETFs: Klassiker mit Tücken

Aktien-ETFs: Klassiker mit Tücken

, aktualisiert 12. November 2016, 15:38 Uhr
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Auf den ersten Blick narrensicher, haben Aktien ETFs Tücken.

von Julia GrothQuelle:Handelsblatt Online

Sie sind die Favoriten unter den Indexfonds und auf den ersten Blick eine narrensichere Methode, um breit gestreut in Aktien zu investieren. Ganz so einfach, wie Anbieter gerne sagen, sind Aktien-ETFs allerdings nicht.

KölnIm hektischen Alltag an den Finanzmärkten hilft es manchmal, einen Schritt zurückzutreten und das große Bild zu betrachten. Beim Blick auf den Verlauf des deutschen Aktienindex Dax 30 in den vergangenen zehn Jahren wird klar: Trotz Finanz- und Euro-Schuldenkrise, trotz schwächelnder Konjunktur ging es nach oben. Insgesamt stieg das deutsche Aktienmarktbarometer in diesem Zeitraum um 66,6 Prozent. Wer vor zehn Jahren 100 Euro in den Dax investiert hat, hat also heute 166,60 Euro im Portemonnaie.

Anbieter börsengehandelter Indexfonds (ETFs) weisen gern darauf hin, dass die Aktienmärkte nach Einschätzung vieler Ökonomen auf lange Sicht nur eine Richtung kennen: aufwärts. Ihre Argumentation: Wer nicht auf das Bauchgefühl eines Fondsmanagers vertraut, sondern auf die Dynamik der Märkte setzt und passiv in einen Index investiert, kann nur gewinnen. Langfristig gelte: Markt schlägt Manager. Das stimmt allerdings nicht immer, wie Zahlen der Fondsratingagentur Morningstar zeigen.

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Zur Erinnerung: Der Dax legte in den vergangenen zehn Jahren pro Jahr um 5,2 Prozent zu. Deutsche Standardwertefonds entwickelten sich im selben Zeitraum im Schnitt fast genauso wie der Markt. Sie stiegen pro Jahr nach Kosten um durchschnittlich 5,3 Prozent. ETFs schafften es dagegen nicht immer, den Dax so zu verfolgen, wie sie es eigentlich sollten. So legte etwa ein Dax-ETF aus dem Hause iShares in den vergangenen zehn Jahren pro Jahr nur um fünf Prozent zu und schnitt damit sowohl schlechter ab als der Index als auch schlechter als viele aktiv verwaltete Fonds.

Tauschgeschäfte schwierig Auf den ersten Blick sind Aktien-ETFs eine narrensichere Methode, um breit gestreut in Aktien zu investieren. Sie haben allerdings Tücken. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Frage nach der besten Nachbildungsmethode. Das kann physisch und synthetisch geschehen. Bei der ersten Variante kaufen ETFs tatsächlich die Aktien aus dem Index, den sie nachbauen, und zwar in derselben Gewichtung. Synthetische ETFs, auch Swap-ETFs genannt, kaufen dagegen völlig andere Wertpapiere. Trotzdem liefern sie dieselbe Rendite wie ihr zugrunde liegender Index. Das funktioniert über Tauschgeschäfte mit anderen Finanzinstituten, Swaps genannt.

Seit einigen Jahren bauen Anbieter ihre Indexfonds verstärkt nicht mehr synthetisch, sondern physisch nach. "Die Marktdaten zeigen, dass Anleger die physische Replikation bevorzugen", sagt Simon Klein, Leiter Passive Investments Europa bei Deutscher Asset Management, einer Tochter der Deutschen Bank. Die Finanzkrise hat am Beispiel von Lehman Brothers gezeigt, dass auch Banken als Swap-Partner pleitegehen können. Seitdem scheuen viele Anleger vor Swap-ETFs zurück.


Schwellenländer bleiben interessant

Aber auch physisch replizierende Aktien-ETFs bergen Risiken etwa bei der sogenannten Wertpapierleihe. Hier verleihen ETFs ihre Wertpapiere gegen eine Leihgebühr vorübergehend an Dritte. Die Anbieter sichern diese Geschäfte zwar ab, es bleibt aber ein Restrisiko. Zwar besitzen viele ETF-Anbieter Obergrenzen für ihre Leihgeschäfte. Diese würden jedoch aufgeweicht, berichten Branchenbeobachter. Ein weiteres Risiko stellt das sogenannte Sampling dar. Dabei kaufen ETFs nur eine Auswahl von Aktien, die die Wertentwicklung des Marktbarometers annähernd darstellen soll. Das ist günstiger. Manchmal geht das Sampling indes schief, und ein ETF entwickelt sich zeitweise anders als sein zugrunde liegender Index.

Trotz der Schwächen können Aktien-ETFs eine bessere Wahl sein als aktiv verwaltete Fonds. Haben Anleger eine klare Meinung zum Markt, wollen langfristig investieren und können Verluste aussitzen, sind sie mit passiven Indexfonds oft besser bedient. Viele Fondsmanager schaffen es nicht, den Markt zu schlagen.

Ende September steckten weltweit 3,4 Billionen US-Dollar in Indexfonds, hat der Investmentriese Blackrock ausgerechnet. Das ist mehr als in Hedgefonds. Gut drei Viertel des Geldes waren in Aktien-ETFs investiert. Aktienindizes boten die ersten Möglichkeiten, in Indexfonds zu investieren, und lassen sich einfacher in ETF-Form gießen als Renten- oder Rohstoffindizes. Im September investierten Anleger besonders viel Geld in Indexfonds auf US- und japanische Aktienindizes sowie auf Schwellenländer-Indizes. "Schwellenländer bleiben für Investoren interessant. Das zeigen die Zuflüsse in diesem Jahr. Es sind die höchsten seit 2012", sagt iShares-Strategin Ursula Marchioni.

Ausgerechnet Emerging-Markets-Produkte sind allerdings die Problemfälle unter den Aktien-ETFs, wenn sie in einzelne Schwellenländer investieren. Oft fehlt es an Liquidität, und es fällt schwer, den zugrunde liegenden Index korrekt nachzubauen. An einigen Schwellenmarktbörsen ist es außerdem mit der Liquidität nicht weit her. Gleichzeitig schwanken die Märkte in vielen Schwellenländern stärker als in Industriestaaten. Die Auswahl einzelner Aktien ist erfolgversprechender als in entwickelten Märkten. ETFs haben einen schweren Stand.

Quelle:  Handelsblatt Online
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