Aktien in Deutschland: Ausländer lieben den Dax

Aktien in Deutschland: Ausländer lieben den Dax

, aktualisiert 09. Mai 2016, 11:06 Uhr
Bild vergrößern

Ausländische Investoren finden Gefallen an deutschen Aktien. Das hat mehrere Gründe.

von Peter KöhlerQuelle:Handelsblatt Online

Der Deutsche Aktienindex lockt immer mehr Anleger aus dem Ausland an. Ihr Anteil am Aktienkapital ist nach Berechnungen von Experten auf 55 Prozent gestiegen. Was ihnen an den deutschen Werten besonders gefällt.

FrankfurtDie wichtigsten Aktien im deutschen Leitindex Dax bleiben fest in ausländischer Hand. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) liegt der Anteil der Auslandsinvestoren am Aktienkapital bei 55 Prozent, vor gut zehn Jahren lag das Engagement der Ausländer noch um 13 Prozentpunkte niedriger.

Rund drei von zehn Aktien gehören Anlegern aus dem europäischen Ausland, jede fünfte Aktie befindet sich im Besitz von Investoren aus den USA und Kanada. Jedoch hat das Interesse aus Nordamerika zuletzt nachgelassen.  „Trotz der erheblichen Marktschwankungen blieb das Engagement ausländischer Anleger bei den Dax-Konzernen im vergangenen Jahr konstant hoch.

Anzeige

Das zeigt, dass Deutschlands Top-Unternehmen für Investoren aus dem Ausland anhaltend attraktiv sind – nicht zuletzt sorgte aber auch der niedrige Euro-Kurs für günstige Investitionsgelegenheiten“, beobachtet Martin Steinbach, Leiter des Bereichs Börsengänge sowie Listing Services bei EY.

Während die inländischen Anleger oftmals Chancen am Aktienmarkt verstreichen lassen, sehen die Auslandsinvestoren die Gelegenheiten und greifen zu.  „Der hohe Anteil ausländischer Investoren im Dax spiegelt auch die deutschen Exporterfolge wider. Die Anleger finden hier eine ganze Reihe von Weltmarktführern, etwa im Automobilbau oder in der Chemie“, sagt Henning Gebhardt, Leiter globales Aktiengeschäft bei der Fondsgesellschaft DWS. 

Bei den angelsächsischen Investoren spielten Aktien traditionell eine wichtige Rolle in der Vermögensverteilung. Dies gelte vor allem für Blue Chips , und davon profitiere auch der Dax, ergänzt der Aktienexperte der Deutsche-Bank-Tochter. Außerdem sprächen die strengen Bilanzierungspflichten und die hohe Rechtssicherheit für Deutschland, meint Ralf Dietl, Manager des Deka Fonds. „Im Dax sind viele global aufgestellte Unternehmen gelistet, die die richtigen Produkte für die weltweiten Wachstumsmärkte anbieten“, erläutert .

Besonders hoch ist der Anteil ausländischer Investoren mit jeweils über 80 Prozent bei der Deutschen Börse sowie Linde, es folgen Adidas, Infineon und Bayer. Schlusslichter im 30 Werte umfassenden Dax sind Deutsche Lufthansa und Henkel – hier macht der Auslandsanteil nur 25 Prozent aus. Die deutschen Geldtöpfe hätten im internationalen Vergleich nicht mehr so ein starkes Gewicht wie früher. Dadurch sinke auch der Einfluss der inländischen Aktionäre auf die Dax-Konzerne, weiß Gebhardt.

Neben den global anlegenden Staatsfonds suchen auch angelsächsische Hedgefonds nach Chancen im deutschen Markt. Hinzu kommen die Pensionsfonds aus den USA und Kanada sowie weltweit anlegende Milliardäre. Allerdings birgt der hohe Auslandseinsatz am deutschen Aktienmarkt auch Risiken.

Wenn es zu krisenhaften Entwicklungen an den Märkten kommt, macht man gerne Kasse im Dax, um die Kursgewinne zu sichern. Und die ausgefeilte Technik der Deutschen Börse garantiert eine schnelle Ausführung der Order. „Ein Nachteil bei hohen Auslandsquoten ist die zunehmende Volatilität. Wenn beispielsweise die Stimmung gegen europäische Aktien dreht, dann bleibt auch der deutsche Markt nicht verschont“, warnt DWS-Stratege Gebhardt.

Ausländische Aktionäre erhalten für das Geschäftsjahr 2015 eine Dividendenausschüttung von insgesamt rund 16,8 Milliarden Euro, das entspricht 57 Prozent der Zahlungen und 130 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Deutsche Investoren mussten sich dagegen mit deutlich weniger begnügen. Bei einer Gesamtausschüttung von 10,1 Milliarden Euro betrug das Minus etwa 570 Millionen Euro oder fünf Prozent.

 

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%