Aktiencrash in China: Davos-Veteranen haben keine Panik

Aktiencrash in China: Davos-Veteranen haben keine Panik

, aktualisiert 18. Januar 2016, 12:34 Uhr
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Ökonomen, wie etwa der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, mahnen trotz der eingebrochenen Finanzmärkte Chinas zur Gelassenheit.

Quelle:Handelsblatt Online

Innerhalb von zwei Wochen hat Chinas Leitindex ein Sechstel seines Wertes verloren. Sorgen und Zweifel über die Wachstumsdaten der Volksrepublik nehmen zu. Top-Ökonomen mahnen jedoch zur Gelassenheit.

DavosVor einem Jahr versicherte der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang auf dem Weltwirtschaftsforum, dass sein Land eine harte Landung vermeiden könne. Während sich der Schweizer Alpenort Davos auf die diesjährige Tagung vorbereitet, geben Delegierte wie der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam, Le Keqiang immer noch recht.

Ihre Einschätzung steht im Gegensatz zur jüngsten Stimmung an den Finanzmärkten. Ein Ausverkauf des Yuan und chinesischer Aktien lösten Schockwellen an den Rohstoffmärkten aus. Aktien büßten weltweit 5 Billionen Dollar an Marktwert ein. Anleger sorgen sich um das globale Wachstum.

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„Die Stimmung ist viel zu rasch in Pessimismus abgedriftet und hat Abwärtsszenarien übertrieben“, sagt Tim Adams, ehemaliger China-Spezialist im US-Finanzministerium und nun Präsident des Institute of International Finance. „Letztlich wird China es wie jede große Volkswirtschaft machen und sich durchwursteln.“

Investoren sind zunehmend wegen China besorgt. Am Dienstag anstehende Daten dürften zeigen, dass die Wirtschaft im vergangenen Jahr mit der niedrigsten Rate seit 1990 gewachsen ist. Sorge bereiten den Investoren auch ein Schuldenüberhang, der auf 28 Billionen Dollar geschätzt wird, eine Währungsschwäche, die einen Abwertungswettlauf anderswo auslösen könnte, und das Abrutschen des Aktienmarktes in einen Bärenmarkt.

China ist weltweit zur zweitgrößten Volkswirtschaft aufgestiegen. Auf das Land entfallen etwa 15 Prozent der globalen. Daher fürchten Anleger wie Investoren, dass die Probleme auf andere Länder übergreifen, wenn China weniger Rohstoffe und Fertigwaren importiert. Ein schwächerer Yuan könnt eine disinflationäre Wirkung haben.

Einige Ökonomen halten dem entgegen, dass es Grund für Optimismus gebe, da chinesische Verbraucher weiterhin konsumieren, die Immobilienpreise sich stabilisieren, die Nachfrage nach Exporten angezogen hat und es hinreichend Spielraum für fiskal- und geldpolitische Stimuli gebe, sollte dies nötig sein. Obwohl das Wachstum nachlässt, dürfte China in diesem Jahr um 6,5 Prozent expandieren, lautet die Median-Schätzung von Ökonomen in einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg.


Stiglitz: „Keine katastrophale Abschwächung“

„Es gibt immer eine Lücke zwischen dem, was in der Realwirtschaft passiert, und den Finanzmärkten“, kommentiert Joseph Stiglitz, Professor an der Columbia University, der in Davos sein wird. „Was in China passiert, ist nach allem, was man weiß, eine Abschwächung, aber keine katastrophale Abschwächung.“

Für Adam Posen, Präsident des Peterson Institute for International Economics, ist die Lage vergleichbar mit der US Savings and Loan-Krise in den 1980er Jahren, die der Wirtschaft zu schaffen machte, sie aber nicht lähmte. Chinesische Bürger haben weiterhin Ersparnisse, das Land hat wenige auf ausländische Währung lautende Schulden und die Banken zeigen keinerlei Anzeichen der Instabilität, argumentiert er.

„Ich glaube wirklich, dass die Leute überreagieren“, sagt Posen, früher geldpolitischer Entscheider der Bank of England.

Selbst unter negativeren Bedingungen in China wird die Auswirkung auf etwa 0,2 Prozentpunkte vom BIP in den USA, Europa und Japan begrenzt sein, schrieben Ökonomen von Goldman Sachs, in diesem Monat in einer Studie.

Einige argumentieren, dass die Mühe sich letztlich auszahlen wird, wenn China zu einer tragfähigeren Expansion übergeht, die mehr auf Konsum und Dienstleistungen beruht als auf Investitionen und Produktion.

„Ja, es wird Wachstumsschmerzen geben. Ja, sie ändern ihr Modell von exportgetriebenem, kapitalintensivem Wachstum zu mehr Konsumorientierung, aber ich glaube, das werden sie schaffen“, sagte Credit Suisse-Chef Thiam am 12. Januar. „Ich war 1984 das erste Mal in China – und wer 1984 in China gewesen ist, kann nur optimistisch für China sein.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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