Aktienempfehlungen: Goldman hat keine Angst vor einer Bankenkrise in Italien

Aktienempfehlungen: Goldman hat keine Angst vor einer Bankenkrise in Italien

, aktualisiert 05. Juli 2016, 15:31 Uhr
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Das gesamte italienische Bankensystem ächzt unter einem Berg von faulen Krediten.

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Die Kurse italienischer Banken sind massiv gefallen. Das schreckt Aktienanalysten von Goldman Sachs nicht. Sie sehen Chancen bei einzelnen Werten – und raten Anlegern zum Einstieg.

FrankfurtEin Gespenst geht um in Italien, das Gespenst einer neuen Bankenkrise. Aber das kann die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs nicht schrecken. Trotz der brutalen Kursverluste der vergangenen Tage und Wochen und trotz der Spekulationen über ein staatliches Rettungspaket für die italienischen Geldhäuser empfehlen sie die Aktie von Unicredit, größte international relevante Bank des Landes, zum Kauf – mit einem Kursziel von 3,50 Euro.

Am Dienstagvormittag notierte die Aktie bei 1,85 Euro, immerhin ein Plus von 2,3 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Kurs allerdings um beinahe 70 Prozent eingebrochen.

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Aber genau dieser Absturz bietet jetzt nach Meinung der Goldman-Experten Chancen. Die Bewertung der Aktie befinde sich auf einem Rekordtief, deshalb sehe er signifikantes Aufwärtspotenzial, schreibt Analyst Jean-Francois Neuez in einer Studie zu italienischen Banken vom Dienstag. Der neue Unicredit-Vorstandschef Jean-Pierre Mustier dürfte für einen neuen Strategieansatz stehen. Zudem habe er explizit betont, die Kapitalisierung des Konzerns zu verbessern. Mit der Ernennung des Franzosen zum neuen Vorstandschef beendet Unicredit ein mehrmonatiges Machtvakuum. Sein Vorgänger Federico Ghizzoni war auf Druck der Aktionäre bereits im Mai zurückgetreten.

Das gesamte italienische Bankensystem ächzt unter einem Berg von faulen Krediten. Die Banken in dem Mittelmeerland haben notleidende Darlehen in Höhe von rund 360 Milliarden Euro angehäuft. Hintergrund ist die Wirtschaftsflaute der vergangenen Jahre. Die Regierung in Rom befürchtet, dass die Marktturbulenzen rund um das Brexit-Votum der Briten die Banken endgültig in die Krise stürzen könnten und will deshalb mit staatlichen Garantien helfen. Bereits Mitte April hatte die Regierung den Rettungsfonds Atlante gegründet, um Krisenbanken im Notfall stabilisieren zu können.


Investoren machen einen Bogen um Italiens Banken

Doch das ist nicht mehr so leicht wie früher. Denn seit Jahresbeginn gilt in der EU die Regel, dass sich an der Rettung einer Bank nicht nur die Eigentümer sondern auch die Gläubiger beteiligen müssen. Erst sollen acht Prozent der Verbindlichkeiten einer Bank als Hilfe herangezogen werden, bevor der Staat einspringen darf.

Genau diese Vorgabe sorgt nun aber dafür, dass die Investoren einen großen Bogen um Italiens Banken machen. Ministerpräsident Matteo Renzi dringt daher bei der EU auf eine Aufweichung der Regeln. Renzi entwickelte einen Plan, die Geldhäuser mit bis zu 40 Milliarden Euro an frischem Kapital zu versorgen. Italien beruft sich dabei auf eine Ausnahmesituation, in der solche Hilfen erlaubt sind. Doch auf dem jüngsten EU-Gipfel ließen seine Kollegen Renzi erst einmal abblitzen.

40 Milliarden Euro würden nach Meinung von Goldman-Analyst Neuez reichen, um Italiens Bankensystem wieder auf solide Beine zu stellen. Der Experte der US-Bank sieht nicht nur bei Unicredit Chancen. Mit Banca Popolare di Milano, Banca Popolare und Banca Popolare dell’Emilia Romagna empfiehlt er drei weitere Werte zum Kauf. Alle drei Aktien legten am Dienstag Vormittag zu. Nur das größte Sorgenkind unter Italiens Geldhäusern, die älteste Bank der Welt, Monte dei Paschi di Siena, geriet noch einmal kräftig unter Druck. Der Kurs sackte um beinahe zehn Prozent ab.

Quelle:  Handelsblatt Online
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