Aktienmärkte: Die Börse und der Terror

Aktienmärkte: Die Börse und der Terror

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Passanten legen am 22.03.2016 vor der Börse am Place de la Bourse in Brüssel (Belgien) Kerzen und Blumen nieder.

Quelle:Handelsblatt Online

Weniger als ein halbes Jahr nach den Anschlägen in Paris, ist Brüssel Ziel von Terroristen. Die Börse reagiert auf solche Ereignisse nach einem kurzen Schreck in der Regel abgestumpft.

Es ist eine Reaktion, die oft als makaber bezeichnet wird. Bei Terroranschlägen sterben Menschen – und an der Börse stürzen die Kurse. Tatsächlich ist das auch am Dienstag zu beobachten gewesen. Die Nachrichten über die Explosionen in Brüssel flimmerten über die TV-Bildschirme und vor allem die Aktien von Fluggesellschaften, Reiseanbietern und Flughafenbetreibern rutschten heftig ins Minus.

Wirtschaftsmedien geraten mitunter in Kritik, wenn sie über diese Reaktionen berichten. Doch sie finden eben statt und sind eine der Folgen von terroristischen Taten. „Jeder Marktteilnehmer, der Familie und Freunde hat, leidet mit den Angehörigen mit und ist persönlich unendlich traurig“, erklärt etwa Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Man war geschockt, dass der Flughafen des bedeutendsten EU-Standorts Brüssel betroffen wurde, der doch insofern gesichert wie Fort Knox sein müsste“.

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Halver berichtet von Befürchtungen der Marktteilnehmer, dass auch belgische Atomkraftwerke unter den Anschlagszielen sein könnten. „Die [vermeintliche] Evakuierung des Atomkraftwerks in Tihange gab hier Anlass zu entsprechenden Befürchtungen“, erklärt Halver.

Die Gegner des Islamischen Staates

  • USA

    Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den IS an. Seit mehr als einem Jahr bombardiert die US-Luftwaffe die Extremisten in Syrien und im Irak. An ihrer Seite sind auch Jets aus Frankreich und anderen westlichen Staaten sowie aus arabischen Ländern im Einsatz. Washington hat zudem US-Militärberater in den Irak entsandt, die Bagdad im Kampf am Boden unterstützen.

  • Russland

    Moskaus Luftwaffe fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Sie sollen nach Angaben des Kremls den IS bekämpfen. Der Westen und syrische Aktivsten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen.

  • Deutschland

    Deutschland liefert seit mehr als einem Jahr Waffen an die Kurden im Norden des Iraks, darunter die Sturmgewehre G3 und G36 und die Panzerabwehrwaffe Milan. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf am Boden aus.

  • Arabische Staaten

    Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Gefahr, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind.

  • Kurden

    Sowohl im Norden Syriens als auch im Nordirak gehören die Kurden zu den erbittertsten Gegnern des IS. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) im Syrien und die Peschmerga im Irak konnten den Extremisten empfindliche Niederlagen beibringen. Unterstützt werden sie von mehreren westlichen Staaten.

  • Irakische Armee

    Das irakische Militär geht in mehreren Regionen des Landes gegen den IS vor. Allerdings kann sie nur wenige Erfolge vorweisen. Seit Monaten versucht die Armee erfolglos, die westirakische Provinz Al-Anbar zu befreien. Unterstützt wird sie von schiitischen Milizen, die eng mit dem Iran verbunden sind.

  • Syrische Rebellen

    Sie bekämpfen das Regime und den IS. Das gilt auch für die Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie teilt die Ideologie des IS, ist aber mit ihm verfeindet.

  • Syrisches Regime

    Auch das syrische Militär geht gegen den IS vor. Kritiker werfen dem Regime jedoch vor, es greife vor allem andere Rebellen an und lassen die Extremisten gewähren. Auffällig ist, dass sich die meisten syrischen Luftangriffe nicht gegen den IS, sondern gegen Regionen unter Kontrolle anderer Gruppen richten.

Tagesaktuelle Kursausschläge ignorieren viele mittelfristige Investoren – etwa Privatanleger, die mit Aktien für ihre Alter vorsorgen. Doch Forscher haben sich auch intensiv mit den mittelfristigen Auswirkungen von Terroranschlägen auf globale Märkte beschäftigt.

Ihr Ergebnis: In der Regel haben Anschläge auch auf mittlere Sicht geringe Auswirkungen auf die Kurse, vor allem in weit entwickelten westlichen Märkten. Ein Grund: Trauer und Leid sind natürlich oft groß, lassen ganzen Nationen den Atem stocken und das öffentliche Leben kurzzeitig zum Stillstand kommen. Dennoch haben regionale Anschläge meist geringe volkswirtschaftliche Auswirkungen.

Extreme Ereignisse wie die Terroranschläge auf New York und Washington am 11. September 2001, die das Weltfinanzzentrum an der Wall Street zeitweise lahm legten, können die Kurse massiv drücken. Doch damals reagierte die Zentralbank, senkte die Zinsen, versorgte Banken mit Liquidität und stützte so die Märkte. Mit 9605 Punkten war der Dow-Jones-Index am 10. September 2001 aus dem Handel gegangen, am ersten Handelstag eine Woche später stand zwar ein Tagesminus von mehr als sieben Prozent. Aber 40 Handelstage danach hatten sich die Kurse wieder berappelt.

Die Folgen von Terrorismus auf den Finanzmärkten sind seit damals von vielen Forschern analysiert worden. Das Ergebnis: Solche Groß-Anschläge wie Nine-Eleven wirken sich potenziell auf lange Sicht aus, Anschläge mit regionaler Auswirkung dagegen lösen allenfalls kurzfristige Schwankungen aus. Das gilt vor allem für weit entwickelte westliche Märkte. „Leider hat sich an den Börsen ein Gewöhnungseffekt eingestellt“, erklärt Halver. „Die Anschläge von New York waren der schreckliche Beginn einer neuen Dimension des Terrors. Heute gehört Terror zur neuen Realität.“

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