Aldi gegen Wal-Mart: Wie die Deutschen die US-Preisschlacht gewinnen

Aldi gegen Wal-Mart: Wie die Deutschen die US-Preisschlacht gewinnen

Quelle:Handelsblatt Online

Der Discounter Aldi breitet sich in den USA rasant aus. Besonders der Handelsriese Wal-Mart gerät dadurch immer stärker unter Druck. Mit Sparsamkeit und einer cleveren Strategie hängt der Discounter den Platzhirsch ab.

Im kalifornischen Städtchen Beaumont muss seit kurzem jeder, der beim Einzelhandelsriesen Wal-Mart einkaufen will, erst mal an einem neuen Aldi vorbeifahren. Die Deutschen wetten darauf, dass es die meisten Leute niemals bis zum Wal-Mart schaffen.

So wie hunderte andere Aldi-Märkte, die in den vergangenen Jahren in den USA eröffnet haben, befindet sich auch jener in Beaumont an einer strategischen Stelle, um Wal-Mart-Kunden abzufangen. Gelockt wird dabei mit Lebensmittelpreisen, die im Durchschnitt bis zu 20 Prozent unter denen des Platzhirschs liegen können.

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Aldi-Läden sind zwar nur etwa ein Zehntel so groß wie eine durchschnittliche Filiale von Wal-Mart und verzichten auf viele in den USA bekannte Marken. Dennoch: Die rasante Ausbreitung der Aldi-Läden in den USA und deren Fähigkeit, die Preise von Wal- Mart zu schlagen, setzen den US-Giganten aus Arkansas unter Druck. Dabei hat dieser bereits genügend andere Probleme.

„Das ist wie tausend Schnitte“, sagt Leon Nicholas von dem Beratungsunternehmen Kantar Retail. „Sie werden beeinflusst von Aldi, von Amazon, von den Dollar-Läden – und all das macht sich in der Summe bemerkbar.“

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

    Globus

    Bruttoumsatz 2015: 4,82 Milliarden Euro

  • Platz 9

    Rossmann

    Bruttoumsatz 2015: 5,75 Milliarden Euro

  • Platz 8

    dm Drogeriemarkt

    Umsatz in Deutschland: 7,03 Milliarden Euro

  • Platz 7

    Tengelmann-Gruppe

    Bruttoumsatz 2015: 7,7 Milliarden Euro ( Außenumsatz aller Vertriebsbereiche (Obi inkl. Franchisenehmer))

  • Platz 6

    Lekkerland

    Bruttoumsatz 2015: 9,08 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Metro (Real, Cash & Carry)
    Bruttoumsatz 2015: 26,13 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

    Aldi (Nord und Süd)
    Bruttoumsatz 2015: 27,8 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Bruttoumsatz 2015: 34,54 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Bruttoumsatz 2015: 39,61 Milliarden Euro

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Bruttoumsatz 2015: 53,28 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

Wal-Mart, dessen Aktien in den vergangenen zwölf Monaten um etwa 16 Prozent gefallen sind, ist nicht der einzige Lebensmittelriese, der durch den Wettbewerb mit Aldi und regionalen Ketten wie Kroger in die Enge getrieben wird.

Great Atlantic & Pacific Tea, das Läden unter den Marken A&P und Food Emporium betrieb, musste im vergangenen Jahr die Zahlungsunfähigkeit anmelden. Nur drei Jahre zuvor hatte sich das Unternehmen noch aus dem Gläubigerschutz befreit. Und die Fairway Group könnte in diesem Jahr ebenfalls in Richtung Pleite rutschen, weil die Expansion in der Region New York nicht nach Plan verläuft.


Aldi setzt auf Sparsamkeit

Wal-Mart steht mit einem US-Jahresumsatz von 298 Milliarden Dollar und 3500 so genannten Superstores auf viel solideren Füßen. Doch angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Erlöse mit Lebensmitteln erzielt werden, kann es sich der Konzern nicht erlauben, Kunden an Aldi zu verlieren. Immerhin haben es die Deutschen auf dieselbe Zielgruppe abgesehen: Einkäufer bis zur Mittelklasse, die beim Einkaufen aufs Geld schauen.

Aldi hatte in den vergangenen Jahren sein US-Geschäft nahezu unbemerkt auf fast 13 Milliarden Dollar ausgebaut, wie Kantar-Daten zeigen. Besonders aktiv ist das Essener Unternehmen an der Ostküste und im Mittleren Westen der USA.

Als privates Unternehmen veröffentlicht Aldi keine Zahlen zu Umsatz oder Gewinn. Doch Kantar prognostiziert, dass der Jahresumsatz innerhalb von fünf Jahren auf fast 20 Milliarden Dollar anschwellen und die Zahl der Geschäfte um rund 33 Prozent auf 2000 ansteigen wird. Auch eine umfassende Expansion im Westen der USA wird erwartet.

Aldis Sparsamkeit lässt Wal-Mart im Vergleich fast extravagant aussehen. In manchen Läden arbeiten gerade einmal drei bis fünf Angestellte. Ermöglicht wird das durch die relativ geringe Anzahl der angebotenen Waren und die spartanische Präsentation dieser Produkte.

PremiumAldi und der Milliarden-Plan So will der Discounter seine Stellung verteidigen

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Keine Möglichkeit für Einsparungen wird ausgelassen. So müssen Kunden – wie in Deutschland längst üblich – 25 Cent für einen Einkaufswagen hinterlegen. Damit erübrigt sich für Aldi die Notwendigkeit, Mitarbeiter für das Einsammeln der Wagen auf dem Parkplatz anzustellen. Zudem werden Kunden für Plastiktüten zur Kasse gebeten. Erst seit kurzem akzeptiert Aldi die in den USA sehr weit verbreiteten Kreditkarten.

„Das belastet wirklich das Image von Wal-Mart rund um täglich niedrige Preise“, sagt Kantar. „Wal-Mart macht sich definitiv Sorgen wegen Aldi.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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