Aldi- und Lidl-Rivale Easyfood: Discounter-Attacke in Orange

Aldi- und Lidl-Rivale Easyfood: Discounter-Attacke in Orange

, aktualisiert 03. Februar 2016, 16:09 Uhr
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„Wir sind sehr funktional.“

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Stelios Haji-Ioannou hat seinen ersten Discount-Supermarkt eröffnet. So will der Easyjet-Gründer in Großbritannien den erfolgreichen deutschen Discountern Aldi und Lidl Konkurrenz machen. Doch einfach wird das nicht.

LondonDie Adresse ist wenig spektakulär, die Fassade ein wenig verwittert. Das Geschäft, dessen Namensschild „Easyfoodstore“ in weißem Buchstaben auf orangenem Grund groß an der Backsteinfassade des Gebäudes an der North Circular nahe Wembley im Norden Londons prangt, hat wenig Aufregendes an sich – und soll doch nach dem Willen seines Gründers eine Revolution auf dem britischen Einzelhandelsmarkt auslösen.

Der griechisch-zyprische Selfmade-Milliardär Stelios Haji-Ioannou hat schon vieles in seinem Leben ausprobiert. „Ich bin ein Getriebener und muss immer neue Firmen gründen“, sagt der 48-Jährige über sich selbst. Nun stürzt er sich auf eine neue Sparte, die er mit seinem Billigkonzept verändern will: den britischen Einzelhandel.

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Attacke in Orange. Seit dieser Woche hat der erste Discounter unter dem Namen „Easyfoodstore“ des Gründers der britischen Billigfluglinie Easyjet seine Tore geöffnet. Haji-Ioannou will in seiner ersten Filiale im Londoner Vorort Park Royal Produkte noch günstiger verkaufen als die Billiganbieter Lidl und Aldi. Verkauft werden bisher 80 Produkte für 25 Pence , umgerechnet 33 Cent, darunter vor allem Nudeln, Kartoffeln, Konserven und Gewürze.

Die Preise könnten im März etwas angehoben werden, sie blieben aber weiterhin sehr niedrig, sagte Haji-Ioannou. Er will grundsätzlich günstigere Preise anbieten als Aldi und Lidl, die in Großbritannien die günstigsten Discounter sind. „Alle Artikel nur 25 Pence“, verspricht ein Schild marktschreierisch über dem Easyfood-Eingang.

Es ist nicht der erste Angriff von Stelios, wie ihn in Großbritannien alle nur nennen, auf die etablierte Konkurrenz. Der kräftige Mann mit den kurzen Haaren, der an Easyjet noch eine Minderheitsbeteiligung hält, versucht seit Jahren auch andere Branchen „billig“ zu machen. Mit der Marke „Easy“ ist Haji-Ioannou mittlerweile etwa im Hotel- und Gastgewerbe, bei Autovermietungen, dem Immobilienmarkt sowie Fitnessstudios vertreten. Nun also folgt eine neue Sparte. Eigentlich hatte Stelios seine Supermarkt-Pläne bereits vor zwei Jahren angekündigt, danach war es jedoch – auch wegen Problemen, eine Lizenz für den Laden zu erhalten – lange wieder sehr still um Easyfoodstore geworden.

Die Grundidee hinter der Supermarktkette bleibt die alte: Haji-Ioannou will mit seinem neuen Supermarktkonzept den Verkauf von Lebensmitteln in Großbritannien deutlich günstiger als bisher gestalten. Die Läden sollen im Franchisekonzept betrieben werden. In der Logistik setzt der Gründer auf Direktbelieferung durch die Industrie, um damit Kosten einzusparen.

„Wir haben zwei Sorten Kaffee, aber keinen Nescafé“, erklärte Haji-Ioannou gegenüber der britischen Zeitung „Guardian“ bereits das Konzept. Im Easyfoodstore gebe es zwar Cola, aber eben keine Marken-Coca-Cola, sondern ein No-Name-Produkt. Um Nachteile bei den Einkaufskonditionen wettzumachen, sollen die Öffnungszeiten kurz und das Lohnniveau für das Ladenpersonal niedrig ausfallen. „Wir sind sehr funktional. Es gibt keine teuren Marken, sondern nur Produkte zu ehrlichen Preisen“, rührt Sprecher Richard Shackleton die Werbetrommel. Doch einfach wird die Attacke nicht.


„Wie ein deutscher Discounter vor zehn Jahren“

Denn anders als bei seinem Start mit Easyjet vor 20 Jahren auf dem Airline-Markt ist der Preiskampf im britischen Einzelhandel bereits im vollen Gange. Immer mehr finden die Briten vor allem Gefallen an den Angeboten der deutschen Billigmärkte.

Unbeirrt eilen die deutschen Discounter Aldi und Lidl bei ihrer Expansion auf dem britischen Lebensmittelmarkt von Rekord zu Rekord. Zusammen kommen sie nun auf einen Marktanteil von 9,7 Prozent. Wie aus den jüngsten Daten der Marktforscher von Kantar Worldpanel hervorgeht, verdoppelten die Billiganbieter ihren Marktanteil auf der Insel damit in kaum mehr als drei Jahren.

Insbesondere Lidl hat starkes Wachstum vorzuweisen: Der Umsatz 2015 legte im Jahresvergleich um 18,5 Prozent zu. Bei Aldi stiegen die Erlöse ebenfalls um überdurchschnittliche 13,3 Prozent – und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. So expandieren beide deutsche Discounter weiter intensiv auf dem britischen Markt. Aldi beispielsweise hat angekündigt, die Zahl seiner Geschäfte in Großbritannien bis 2022 von derzeit rund 600 auf 1000 zu steigern.

Allerdings setzen Aldi und Lidl lauf der Insel nicht allein mehr auf eine Billigstrategie. Ein wichtiger Grund für den Erfolg ist nach Ansicht des britischen Aldi-Co-Chefs Matthew Barnes, dass die Deutschen ihre Produktpalette mit vielen britischen Produkten an den Geschmack der Kunden angepasst haben. Außerdem ist das Sortiment inzwischen auch für viele Mittelklasse-Briten interessant: So verkauft Aldi auf der Insel auch Champagner und im Winter mal Langusten; Lidl hat Delikatessen, Kleidung und mitunter auch Schuluniformen im Sortiment.

Easyfood soll dagegen wie ein „Discounter in Deutschland von vor zehn Jahren werden“, sagte Shackleton. Dort wittert der neue Angreifer eine Lücke, denn Aldi und auch Lidl hätten sich in Großbritannien inzwischen von ihrem Image als reine Billigmärkte entfernt. „Das lässt Platz für uns“, glaubt der Easyfoodstore-Sprecher. Lidl und Aldi werden jedoch alles daran setzen, Stelios Haji-Ioannou genau das Gegenteil zu beweisen.

Quellle:  Handelsblatt Online
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