Alitalia : Blaupause für Air Berlin?

Alitalia : Blaupause für Air Berlin?

, aktualisiert 18. Mai 2016, 08:13 Uhr
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Die italienische Fluggesellschaft will 49 Prozent der maltesischen Fluggesellschaft Air Malta übernehmen.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Die italienische Fluggesellschaft Alitalia, wie Air Berlin eine der Beteiligungen der Golf-Airline Etihad, will 49 Prozent an Air Malta übernehmen. Ein Modell auch für die deutsche Etihad-Tochter?

Manche Dementis sind richtig und falsch zugleich. Als die „Times of Malta“ kürzlich berichtete, dass Etihad mit 49 Prozent bei der heimischen Fluggesellschaft Air Malta einsteigen werde, dementierte die Golf-Airline hart. Entsprechende Berichte seien „kategorisch falsch“, ließen die Offiziellen in Abu Dhabi verlauten. Doch seit Ende April wissen wir: Etihad wird wahrscheinlich doch Aktionär von Air Malta – nämlich indirekt über die Beteiligung Alitalia, die 49 Prozent an der angeschlagenen maltesischen Fluggesellschaft erwerben will.

Die Transaktion selbst fand kaum Beachtung. Air Malta ist klein. Gerade einmal zwölf Flugzeuge besitzt das Unternehmen. Vor gut drei Jahren war die Airline mit einem Verlust von 74 Millionen Euro faktisch am Ende, die EU genehmigte aber die erforderliche Staatshilfe. Für das vergangene Geschäftsjahr hatte das Management eine Reduzierung des Verlusts auf vier Millionen Euro angepeilt, konkrete Zahlen gibt es aber noch nicht. Dafür ist seit längerem klar: Die Airline soll verkauft werden, beziehungsweise sich einen starken Partner suchen.

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Alitalia kann sich mit einem Einstieg, der noch durch die Aufsichtsbehörden aber auch die Arbeitnehmervertreter abgesegnet werden muss, touristisch etwas stärken. Für Air Malta wiederum ist das Netzwerk von Alitalia und der süditalienische Raum interessant.

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  • Gute Preise

    Kern des Erfolgs sind die guten Preise. Möglich werden sie durch die im Vergleich zu europäischen Linien bis zu 30 Prozent niedrigeren Ausgaben. Dafür sorgt die Flotte, die dank Großbesteller-Rabatten und moderner Technik im Schnitt gut ein Zehntel günstiger fliegt als die Maschinen der Konkurrenz aus Übersee. Zweites Plus sind die Flughäfen der Golfstaaten. Großzügig gebaut und ohne Einschränkungen beim Nachtflug erlauben sie eine optimale Flugplanung ohne die überflüssigen Ruhezeiten für die teuren Maschinen. Und weil die Airports meist die gleichen Aufsichtsratschefs haben wie die Fluglinien, fördern sie die durch niedrige Gebühren, die nur rund ein Zehntel der in Europa fälligen Abgaben betragen.

  • Unternehmensfreundliche Gesetzgebung

    Die unternehmensfreundliche Gesetzgebung sorgt für weitere Einsparungen. Dinge wie Steuern und Sozialabgaben sind ebenso unbekannt wie Sozialstandard oder Kündigungsschutz. Das spiegelt sich auch in der Unternehmenskultur wieder. Weil die Gehälter ohne die Abgaben relativ hoch sind und der Job viele Freiräume bietet, ziehen die Golflinien überdurchschnittlich viele hochmotivierte Mitarbeiter an. „Wir haben das Gefühl, die Vorgaben zu erreichen und wahrscheinlich sogar übertreffen können", so ein hochrangiger Mitarbeiter bei Emirates.

  • Verkehrsgünstige Flughäfen

    Die Flughäfen am Golf liegen verkehrsgünstig. Mit Ausnahme von Chile und Süd-Argentinien sind mit modernen Flugzeugen fast alle Orte der Welt erreichbar und bei den besonders stark beflogenen Routen von Europa nach Südostasien liegen die Golfstaaten quasi auf dem Weg.

  • Kundendienst

    Die Golflinien setzen auf Kundendienst. Während die Linien aus Europa und den USA bei Neuerungen wie modernen Flugzeugen, bequemen Sitzen, Betten in der Business Class oder einem persönlichen Unterhaltungsbildschirm in der Economy lange zu teuer waren und sie ihre Kunden bei jeder Gelegenheit mit Zuschlägen belasteten, setzen die Golfinien auf „alles inklusive.“

  • Marketing

    Fast ebenso viel wie in neue Technik stecken die Linien ins Marketing. Lufthansa etwa investiert eher zurückhaltend in Sportförderung oder aber in ungewöhnliche Dinge wie Events klassischer Musik. Besonders letztere sorgen – bei allem künstlerischen Wert – besonders bei jüngeren Reisenden außerhalb Europas für weniger Bekanntheit als die von den Golflinien bevorzugten Massensportarten wie Fußball oder Formel 1.

  • Woher das erfolgreiche Modell stammt

    Die Grundidee für das Modell borgte sich das Emirates-Gründungsteam um Clark am Ende von Singapore Airlines. Die Linie des südostasiatischen Inselstaats zeigte als erste, wie ein Verbund aus einem Langstreckendrehkreuz, einem kundenfreundlichen Flughafen und der Rückendeckung der lokalen Regierung eine Weltmacht im Fliegen schafft – und daraus dann ein weltweit wichtiges Wirtschaftszentrum erwächst. Ein System, das nach den Golflinien im übrigen auch Island aufgenommen hat, mit Reykjavik als Minidrehkreuz zwischen Europa und Nordamerika.

Ein bahnbrechender Deal ist die Transaktion gleichwohl nicht. „Das Einzugsgebiet von Air Malta ist aus Sicht von Etihad eher klein“, sagt Gerald Wissel vom Luftfahrtberatungsunternehmen Airborne Consulting aus Hamburg. Dennoch ist der Schritt interessant. Denn er könnte eine Art Blaupause für die deutsche Air Berlin sein, ebenfalls eine Beteiligung von Etihad. „Alitalia könnte eine Plattform sein, um alle Beteiligungen von Etihad unter ein Dach und eine Führung zu nehmen“, sagt Wissel.


Pichler schließt Beteiligung der Alitalia derzeit aus

Schon seit längerem wird über eine engere Anbindung von Alitalia und Air Berlin spekuliert. Zwar ist die italienische Tochter von Etihad wie Air Berlin ein Sorgenkind. Doch während sich die bilanzielle Situation in Berlin zunehmend verschlechtert und sämtliche Sanierungsbemühungen dort nahezu verpuffen, kommt Alitalia besser voran. Der Verlust konnte im vergangenen Jahr von 580 Millionen Euro auf 199,1 Millionen Euro reduziert werden. Die Richtung stimmt also.

Air Berlin-Chef Stefan Pichler hatte zuletzt eine Beteiligung von Alitalia an Air Berlin „derzeit“ ausgeschlossen. Aber man werde auf operativer Ebene künftig noch deutlich enger zusammenarbeiten als bisher – sprich Flugpläne koordinieren, Tickets gemeinsam vermarkten und vieles mehr. Aus dem Unternehmensumfeld ist aber auch immer wieder zu hören, dass Pläne in der Schublade liegen, die eine Übertragung weiter Teile der Administration von Air Berlin an Alitalia vorsehen.

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Der relativ unbedeutende Deal zwischen Alitalia und Air Malta gibt solchen Spekulationen nun wieder neue Nahrung. Doch nach Ansicht von Experten wie Wissel von Airborne zeigen die Pläne von Alitalia und Air Malta auch gut eine wesentliche Hürde, mit der Etihad bei seinen europäischen Beteiligungen zu kämpfen hat: die Frage, wie die Beteiligungen in das eigene Netzwerk integriert werden können.

Alitalia etwa ist in der Luftfahrt-Allianz Skyteam rund um Air France-KLM. Eine Mitgliedschaft von Air Malta in diesem Verbund wäre zwar sinnvoll, ist aber schwierig. Denn die Airline hat so genannte Codeshare-Abkommen mit den Rivalen Lufthansa und British Airways, die ebenfalls einen gemeinsamen Ticketvertrieb vorsehen. Air Berlin wiederum würde angesichts der geplanten engen Zusammenarbeit mit Alitalia ebenfalls gut in das Skyteam passen, gehört aber zur konkurrierenden Allianz Oneworld rund um British Airways (IAG). „Da gibt es noch jede Menge ungeklärte Fragen“, sagt Berater Wissel.

Quelle:  Handelsblatt Online
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