Alliance-Bernstein: Axa greift bei Vermögensverwalter durch

Alliance-Bernstein: Axa greift bei Vermögensverwalter durch

, aktualisiert 02. Mai 2017, 18:29 Uhr
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Die französische Axa-Versicherung ist Mehrheitseigentümer bei der AllianceBernstein Holding.

Quelle:Handelsblatt Online

Alliance-Bernstein hat überraschend CEO Peter Kraus und neun weitere Mitglieder der Führungsebene entlassen. Sie bekommen hohe Abfindungen. Die Personalie heizte Spekulationen über die Gründe des Rauswurfs an.

New YorkDie Alliance-Bernstein Holding hat sich überraschend von ihrem CEO und Chairman des Board of Directors Peter Kraus getrennt. Zugleich mussten neun Mitglieder des Board gehen. Für Kraus versüßen rund 99 Millionen Dollar den Abgang. Denn Alliance-Bernstein kauft 4,34 Millionen Aktienzertifikate zu je 22,90 Dollar von Kraus zurück, wie aus einer Pflichtmitteilung am Montag hervorging. Er hatte den größten Teil seiner Vergütung in solchen Zertifikaten erhalten.

Die Personalie überraschte Analysten und heizte Spekulationen über die Gründe des Rauswurfs an. Will der Mehrheitseigentümer, der französische Versicherungskonzern Axa, mehr Kontrolle übernehmen? Gab es Reibungen zwischen dem CEO und Axa? Oder war eine bedeutende Strategieänderung vorgesehen? Eine Telefonkonferenz mit Denis Duverne, Chairman von Axa, lieferte kaum Klarheit.

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„Die Telefonkonferenz des Managements führte zu mehr Fragen als Antworten“, schrieb Surinder Thind, Analyst bei Jefferies am Montag. Die Veränderungen würden einen glauben machen, „dass sich Alliance-Bernstein einer Strategieänderung unterzieht. Andernfalls erscheint die Veränderung nicht gerechtfertigt.“ Von Kraus war keine Stellungnahme zu erhalten, Sprecher von Axa und Alliance-Bernstein wollten sich über eine Pressemitteilung hinaus ebenfalls nicht äußern.

Axa war aktiv geworden, nachdem der Vermögensverwalter Alliance-Bernstein, bekannt für aktiv gesteuerte Fonds, im Geschäftsjahr 2016 Nettoabflüsse von 9,8 Milliarden Dollar verzeichnete. Das nannten Analysten in ihren am Montag, nach Bekanntwerden der Personalie, veröffentlichten Einschätzungen jedoch nicht als Ursache. Im Gegenteil, einige lobten Kraus dafür, dass er Alliance-Bernstein stabilisiert und diversifiziert hat, seit er im Dezember 2008 in der Finanzkrise CEO wurde.

In seinen ersten Jahren wurde er kritisch beäugt, als Investoren Gelder in Milliardenhöhe abzogen, doch konnte er die Abflüsse eindämmen. Das betreute Vermögen hatte 2007 mit über 800 Milliarde Dollar seinen Spitzenwert erreicht. Zuletzt lag das Anlagevolumen noch bei fast 500 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2017 summierten sich die Nettozuflüsse auf 1,6 Milliarde Dollar, wie Alliance-Bernstein am 27. April mitgeteilt hatte.

Von Analysten gedrängt, die plötzlichen Veränderungen zu erklären, war Duverne eher einsilbig. „Wir haben entschieden, dass es Zeit für eine neue Führung war“, sagte er in der Telefonkonferenz. Es gehe um die Zukunft, und nicht darum, die Vergangenheit in Frage zu stellen. „Man fragt sich, ob es ein spezielles Problem gab, oder ob sie sich nur dachten, er ist der Falsche für eine sich verändernde Branche“, sagte Lawrence Glazer, Managing Partner bei Mayflower Advisors in Boston.

Nachfolger von Kraus als CEO wird Seth Bernstein. Robert Zoellick, früherer Weltbank-Präsident und Manager bei Goldman Sachs folgt als Chairman. Das geht aus einer Mitteilung am Montag hervor. Bernstein, 55 verbrachte mehr als drei Jahrzehnte bei JP Morgan, zuletzt im Asset Management.

Weiter kommen Barbara Fallon-Walsh, zuvor Managerin bei der Fondsgesellschaft Vanguard Group, Daniel Kaye, zuvor Ernst & Young, der frühere JP-Morgan-Manager Ramon de Oliveira neu ins Board von Alliance-Bernstein. Denis Duverne und Mark Pearson von Axa bleiben, Anders Malmstrom, CFO von Axa Financial, kommt ebenfalls neu hinzu.

„Wir haben festgestellt, dass alle angekündigten Board-Mitglieder starke Verbindungen zu Axa Financial haben. Das legt nahe, dass Axa mehr Einfluss auf Alliance-Bernstein ausüben will“, schrieben Analysten von Keefe, Bruyette & Woods am Montag. Axa besitzt laut Daten vom 31. März 63,8 Prozent der Anteile der Vermögensverwalters.

Quelle:  Handelsblatt Online
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