Allianz Capital Partners: Versicherer will als Investor in die 1. Liga

Allianz Capital Partners: Versicherer will als Investor in die 1. Liga

, aktualisiert 11. April 2016, 18:29 Uhr
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In Windparks hat die Allianz-Tochter bislang nicht investiert. Das könnte sich künftig ändern.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Allianz will vermehrt in große Infrastruktur-Beteiligungen investieren. Der Versicherer hat Flughafen-Privatisierungen und Straßenbau-Projekte im Blick. Vermögen soll um mehrere Milliarden Euro steigen.

FrankfurtDie Allianz will bei großen Infrastrukturbeteiligungen wie Flughäfen, Abwassernetzen und Windparks künftig ganz vorne mitmischen. Die Tochter Allianz Capital Partners (ACP) soll verlässliche Renditen für die Kunden des durch die niedrigen Zinsen gebeutelten Versicherungsriesen künftig vor allem mit solchen Großinvestments erwirtschaften.

„Bisher können wir im Konzert der ganz Großen noch nicht mitspielen. Aber wir müssen möglichst schnell in die erste Liga kommen“, sagte ACP-Chef Jürgen Gerke der Nachrichtenagentur Reuters im ersten Interview seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr.

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ACP hatte unter anderem mit der Übernahme der Autobahn-Raststättenkette Tank & Rast Schlagzeilen gemacht. Bisher ist ACP 15 Milliarden Euro schwer, davon stecken drei Milliarden in Solar- und Windkraft sowie knapp vier Milliarden in Infrastruktur. „Ein erster Zwischenschritt für ACP wäre ein verwaltetes Vermögen von 25 Milliarden Euro. Wir würden uns freuen, wenn wir unsere heutige Größe dann schnell verdoppeln könnten“, sagte Gerke. „Wir könnten uns auch die Übernahme ganzer Portfolien vorstellen, etwa wenn ein Investor in Schieflage verkaufen muss.“

Das Infrastruktur-Geschäft solle sich „idealerweise“ binnen zwei bis drei Jahren verdoppeln. Die bisher acht Firmen reichen vom Ferngas-Netz durch Tschechien (Net4Gas) bis zu Parkautomaten in Chicago. Sie sind Teil der „alternativen Investments“, in denen 15 Prozent der gut 600 Milliarden Euro stecken, die die Allianz für ihre Versicherten anlegt.

Bei Erneuerbaren Energien nimmt Gerke sechs Milliarden Euro ins Visier. In dem Bereich hat sich ACP 2015 erstmals in die USA vorgewagt, wo die Anlagen viel größer sind als in Europa. „In Zukunft könnten das auch Schwellenländer wie Indien sein.“

Mit direkten Unternehmensbeteiligungen wie dem Fährbetreiber Scandlines und dem Druckmaschinenbauer Manroland hatte ACP wenig Glück. Manroland rutschte sogar in die Pleite. Proteste vor der Allianz-Verwaltung schreckten die Versicherungsmanager von neuen direkten Engagements ab. Sie zogen 2009 die Notbremse. Die letzte alte Beteiligung, der Snackautomaten-Betreiber Selecta, wurde erst 2015 verkauft.


ACP profitiert vom Mutterkonzern

Mit Infrastruktur-Beteiligungen fühlt ACP sich wohler – sie machen bei ähnlich hoher Rendite deutlich weniger Ärger und passen zu den langfristigen Verpflichtungen, die die Allianz gegenüber ihren Lebensversicherungs-Kunden hat. „Wir werden auch in 40 Jahren noch da sein. Wir bleiben einfach bis zum Ende dabei, das können nur wenige“, sagte Gerke. Viele der bekannten Konkurrenten wie die australische Macquarie investieren dagegen zeitlich begrenzt.

ACP profitiert vom Mutterkonzern mit seinen tiefen Taschen. „So können wir auch große und komplexe Transaktionen stemmen, die andere nicht machen können oder wollen.“ Jüngstes Beispiel dafür ist der Umbau des Londoner Abwassersystems, das weitgehend aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Fünf ihrer acht Infrastruktur-Engagements hat ACP seit 2014 erworben, drei kamen allein im vergangenen Jahr dazu. Und die nächsten Projekte warten schon: „Die derzeitigen Flughafen-Privatisierungen werden wir uns anschauen. Auch Straßen sind bei uns im Fokus.“

In Frankreich stehen die Flughäfen im Nizza und Lyon zum Verkauf, ebenso die Autobahn M6 in Großbritannien. Beim Londoner City Airport hatte ACP einen Rückzieher gemacht, als die Preise explodierten.

Gerke will noch einen Schritt weiter gehen und Projekte auf der grünen Wiese wagen, die als riskanter gelten. „Ich glaube, dass wir das auch über kurz oder lang tun können, wenn wir uns entsprechend aufstellen.“ Bei der Allianz drängten viele darauf, die Risiken halte er für beherrschbar.

Bei Windrädern im Meer hatte die Allianz stets abgewinkt. Gerke machte jetzt klar: „Wir haben grundsätzlich nichts gegen Windkraftanlagen auf hoher See – wir haben nur bisher keine gekauft.“ Das zusätzliche Risiko im Vergleich zu Anlagen am Land spiegele sich nicht in den Renditen wieder.

Quelle:  Handelsblatt Online
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