Allianz-Quartalszahlen: Bätes Kniff erfreut die Börsianer

Allianz-Quartalszahlen: Bätes Kniff erfreut die Börsianer

, aktualisiert 27. Juli 2017, 13:31 Uhr
von Christian SchnellQuelle:Handelsblatt Online

Die Allianz gibt sich nach starken Zahlen für das zweite Quartal optimistischer für das Gesamtjahr – und korrigiert damit die bescheidenen Prognosen vom Frühjahr. Dennoch bleiben offene Fragen an Konzernchef Oliver Bäte.

MünchenWenn Konzerne wichtige Mitteilungen nach Börsenschluss versenden, ist das üblicherweise ein Grund, misstrauisch zu werden. Der Handel ist dann ausgesetzt, die meisten Wirtschaftsjournalisten schon im Feierabend. Folglich gibt es möglichst wenig Aufmerksamkeit für schlechte Zahlen und kleine oder große Skandale. Nun hat die Allianz die Analysten überrascht und ihre Zahlen für das zweite Quartal 2017 um 22.37 Uhr verschickt. Ohne vorherige Ankündigung, untypisch im Vergleich zum Gros der anderen Dax-Konzerne – aber eben typisch Allianz.

Europas größter Versicherer setzte schon in der Vergangenheit häufig auf das Überraschungsmoment. Und erneut ging das auf. Die Börsianer spendeten am Morgen Applaus. Mit einem Plus von zwischenzeitlich 1,8 Prozent lagen die Allianz-Anteile am Donnerstag in der Gunst der Anleger weit vorn.

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Für Freude unter den Börsianern hat dabei ein bei Unternehmen gerne verwendeter Kniff gesorgt. Bei 10,8 Milliarden Euro sollte das operative Ergebnis auch in diesem Jahr liegen, plus/minus 500 Millionen Euro: So hatte es Vorstandschef Oliver Bäte bei der Präsentation der Jahreszahlen für 2016 am 17. Februar angekündigt. Dieses Niveau wurde bereits im vergangenen Jahr erreicht. Wäre es tatsächlich so gekommen, wäre die Allianz auf der Stelle getreten. Entsprechend verhalten reagierten die Investoren damals.

Gut ein halbes Jahr später geben sich Vorstand und Aufsichtsrat optimistischer. Nun soll das operative Ergebnis am oberen Ende der einst genannten Spanne liegen: also vermutlich bei 11,3 Milliarden Euro, vorbehaltlich unvorhersehbarer Ereignisse, Krisen oder Naturkatastrophen. Letzteres ist eigentlich logisch, und dass speziell Versicherer das immer wieder betonen, gehört zur Branche wie die vielen kleingedruckten Passagen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Dass es am Ende tatsächlich so kommt, dazu braucht es indes keine prophetischen Gaben. Nur wirklich große Schadensereignisse oder hausinterne Skandale wie in anderen Branchen könnten die Planung noch verhageln. Grund dafür waren die guten Zahlen im zweiten Quartal. Um 23 Prozent ist das operative Ergebnis in den Monaten April bis Juni gestiegen. Wo im vergangenen Jahr zu dieser Zeit noch 2,4 Milliarden Euro standen, sind es nun 2,9 Milliarden. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 29,994 Milliarden Euro. Das ergibt eine operative Marge von knapp 9,7 Prozent. Hätte es in diesem an Feiertagen reichen Quartal zwei Arbeitstage mehr gegeben, hätte wohl eine 30 vor dem Komma gestanden.

Beim Blick ins Detail fällt auf, dass alle Sparten des Konzerns überzeugten. Herausstechen konnte die Sachversicherung mit den Bereichen Sachen und Unfall: Auf 1,4 Milliarden und damit um 28 Prozent stieg das operative Ergebnis dieser Sparte. Dabei ist der Umsatz hier nur um verhaltene 0,6 Prozent auf 11,685 Milliarden angestiegen. Bei solch einem geringen Plus kommt es dann auch auf mehrere Zahlen hinter dem Komma an.

Dass es hier so steil bergauf ging, hat zwei Gründe: Zum einen fiel die Schaden-Kosten-Quote – sie zeigt das Verhältnis von Auszahlungen für Schäden zu Beitragseinnahmen – von 96,4 im Vorjahreszeitraum auf nun sehr auskömmliche 93,7. Zum anderen gab es im ersten Halbjahr weltweit so wenige Naturkatastrophen wie seit elf Jahren nicht mehr, wie die Experten der Munich Re in unmittelbarer Nachbarschaft der Allianz gerade erst ausgerechnet haben. Der Anteil aus Schäden an Naturkatastrophen bei der Allianz sank so im zweiten Quartal auf 1,0 Prozent – im Vorquartal waren es noch 4,4 Prozent.


Allianz will Aktien zurückkaufen

Überraschend kam auch das zweistellige Plus im Bereich Lebens- und Krankenversicherung. Der Bereich gilt tendenziell als schwieriger als die Sachversicherung. Speziell die unattraktiven niedrigen Zinsen belasten hier das Geschäft. Trotzdem erhöhte sich das operative Ergebnis um 12 Prozent. Im Neugeschäft stieg die Marge in den Monaten von April bis Juni auf 3,4 Prozent von vorher 2,6 Prozent. Auch das nahmen die Investoren mit Wohlwollen wahr.

Gute Nachrichten gibt es auch vom kleinsten Segment im Konzern, dem Bereich Asset Management mit seinen beiden Marken Pimco und Allianz Global Investors (AGI). Speziell Pimco bereitete der Münchener Zentrale lange Zeit Sorgen. Seit knapp einem Jahr hat das Haus mit Sitz an der Westküste der USA die Kehrtwende geschafft. Die Mittelabflüsse, die davor teils dramatische Züge angenommen hatten, sind gestoppt worden. Es fließen sogar wieder Kundengelder zu. Das einstige Aushängeschild mit Schwerpunkt auf festverzinslichen Anleihen gewinnt wieder an Ansehen bei den Kunden und im Konzern. Insgesamt ist im gesamten Bereich Asset Management das operative Ergebnis um 16,8 Prozent auf 584 Millionen Euro gestiegen.

Bis Konzernchef Oliver Bäte am Freitag kommender Woche im Rahmen einer Telefonkonferenz Details zu den Zahlen präsentiert, bleiben dennoch weitere Fragen zu strategischen Themen im Konzern. Auf eine größere Übernahme warten die Märkte beispielsweise immer noch. Im Februar hat er angekündigt, vornehmlich in der Sachversicherung zu suchen. „Es gibt Märkte, wo wir vom Marktanteil her größer sein könnten“, gab er damals offen zu. Probleme würden derzeit lediglich die hohen Preise bereiten. Bäte machte deutlich, dass er dabei keine wilden Dinge machen wolle.

Im Februar kündigte er deswegen für ein Jahr ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu drei Milliarden Euro an. Die Aktien sollen anschließend vom Markt genommen werden. Der Aktienrückkauf soll aber keineswegs bedeuten, dass nun das Geld für Übernahmen fehlt: „Wir sind so stark aufgestellt, wir können beides“, sagte Bäte. Zu beidem erhoffen sich die Investoren am Freitag kommender Woche Aussagen. Vorschusslorbeeren haben sie dafür bereits gewährt. Im vergangenen halben Jahr ist der Kurs der Allianz-Aktie um gut 15 Prozent angestiegen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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