Alternative Anlagekonzepte: Die Mischung macht es

Alternative Anlagekonzepte: Die Mischung macht es

, aktualisiert 08. Dezember 2016, 11:52 Uhr
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Viele Finanzprodukte sind schlicht zu kompliziert und bringen keinen Mehrwert.

von Julia GrothQuelle:Handelsblatt Online

In den vergangenen Jahren hat die ETF-Branche eine rasante Entwicklung vollzogen. Es gibt ETFs auf nahezu alle Anlageklassen und -strategien. Doch Indexfonds jenseits der klassischen Sparten sind schwer zu durchschauen.

KölnVorbei sind die Zeiten, als sich Anleger in einer luxuriösen Situation wähnten, wenn sie zwischen börsengehandelten Indexfonds (ETFs) auf Aktien- und solchen auf Rentenindizes wählen konnten. In den vergangenen 15 Jahren hat die ETF-Branche eine rasante Entwicklung vollzogen. Heute gibt es ETFs auf nahezu alle Anlageklassen und -strategien. Sie sind für alle Anleger interessant. Spezielle ETF-Gattungen eignen sich allerdings in der Regel nur für risikofreudige Investoren.

Unter dem Schlagwort „Alternative Investments“ versammeln ETF-Anbieter jene Produkte, die nicht in andere Kategorien passen. Heraus kommt ein Sammelsurium: Indexfonds auf abseitige Branchen wie die Forstwirtschaft oder die Wasserindustrie, Rohstoff-ETFs, Hedgefonds-ähnliche Produkte. All diesen Indexfonds ist gemein, dass sie spezielle Bedürfnisse abdecken.

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Unter Alternativen Investments versteht man Produkte, die Strategien aus der Hedgefonds-Welt anwenden, wie das einige ETFs bieten: Der „DB Hedge Fund Index UCITS ETF“ der Deutsche-Bank-Tochter DB X-Trackers etwa baut einen Index nach, der mehrere Hedgefonds-Strategien abbildet. Dazu gehört die „Event Driven“-Strategie, bei der Fondsmanager von speziellen Ereignissen bei Unternehmen profitieren wollen, etwa von Übernahmen. Oder die Strategie „Equity Market Neutral“, bei der Fondsmanager versuchen, in jedem Aktienmarktumfeld Rendite zu erzielen.

Hedgefonds-ETFs können als Portfolio-Beimischung sinnvoll sein, denn ihr Wert entwickelt sich weitgehend unabhängig von anderen Anlageklassen. Ein breit diversifiziertes Kernportfolio sollte jedoch vorhanden sein. Vor allem die Liquidität kann ein Problem sein. „Hedgefonds sind tendenziell illiquide, lassen sich in der Regel nicht täglich handeln. Damit sind sie keine sonderlich gute Basis für einen ETF“, sagt Heike Fürpaß-Peter, Managerin bei Lyxor. Zudem sind Hedgefonds-ETFs oft teurer als Standard-ETFs und kosten teilweise fast ein Prozent Gebühr. Der sogenannte Spread, die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis, ist bei den Produkten meist ebenfalls höher.


Auf Überraschungen gefasst machen

Auch bei Rohstoff-ETFs müssen sich Anleger auf Überraschungen gefasst machen. Lange hieß es, Rohstoffe ließen sich nicht in ETF-Form gießen. Die ersten Rohstoff-ETFs gab es dann für Gold. Sie bilden die Entwicklung des Goldpreises ab und sind meist mit physischem Gold besichert. Als größtes börsengehandeltes Indexprodukt der Welt gilt der SPDR Gold Shares, aufgelegt im Jahr 2004 vom US-Anbieter State Street Global Advisors. Es folgten ETFs etwa auf Platin.

Mittlerweile gibt es Indexfonds auf nahezu alle Rohstoffe, von Gold über Öl bis hin zu Agrargütern wie Weizen und Mais. Vorreiter auf diesem Gebiet waren die britischen ETF Securities, die auch heute das größte Angebot an passiven Rohstoffprodukten haben. Streng genommen sind die Produkte ETCs: Exchange Traded Commodities. Es handelt sich um Zertifikate, also um Schuldverschreibungen. Im Gegensatz zu normalen Zertifikaten sind sie allerdings besichert: etwa mit Gold.

Anlageexperten raten dazu, Portfolios durch Rohstoff-Investments zu diversifizieren. Der Grund: Rohstoffmärkte entwickeln sich anders als die Aktien- oder Rentenmärkte. Bei Privatanlegern sind vor allem Gold-ETCs beliebt. Sie gelten dank der physischen Hinterlegung des Edelmetalls als besonders sicher. Anleger investieren über Umwege in reales Gold, das sie sich theoretisch meist ausliefern lassen könnten. Bei anderen ETCs kann es passieren, dass sich Investoren wundern, wenn sich das Produkt anders entwickelt als gedacht.

Bei vielen ETCs gibt es sogenannte Rollverluste. Zum Beispiel bei Öl-ETCs: Sie bilden die Preisentwicklung von Terminkontrakten nach, sogenannten Futures. Diese verbriefen wiederum das Recht auf Lieferung eines bestimmten Gegenstands zu einem festen Zeitpunkt und Preis. Weil Öl-ETCs kein physisches Rohöl geliefert bekommen wollen, tauschen sie Öl-Futures kurz vor der Fälligkeit gegen neue Kontrakte. Fachleute sagen dazu „rollen“. Müssen ETCs für die neuen Terminkontrakte einen höheren Preis zahlen als für die alten, kommt es zu Rollverlusten. Die können hoch ausfallen. Liegt der Preis am Spot- oder Kassamarkt niedriger als die Terminpreise der Zukunft, nennt man das Contango, was im vergangenen Jahr stark der Fall war. Das belastete die Wertentwicklung von Öl-ETCs - was manchen Anleger überraschte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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