Alternativlos nach der Haft: Strafgebühren für Sträflinge

Alternativlos nach der Haft: Strafgebühren für Sträflinge

, aktualisiert 03. August 2016, 23:42 Uhr
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Das US-Justizministerium hat im Jahr 2008 einen Auftrag an die Großbank JP Morgan Chase vergeben, damit Ex-Sträflinge über ihr Geld verfügen können. Wie ein Prozess nun ersichtlich gemacht hat, hat die Bank sie offenbar mit einer Vielzahl von Gebühren belegt.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Die US-amerikanische Großbank JP Morgan Chase hat einen Prozess wegen überteuerter Geldkarten für ehemalige Gefangene verloren. Aus einem gut gemeinten Programm wurde ein System, Kunden zu schröpfen.

New YorkWer nach Jahren ein Gefängnis verlässt, hat häufig weder einen Job noch ein Bankkonto. Und ohne Konto ist es schwierig, in einer mehr und mehr bargeldlos funktionierenden Gesellschaft klarzukommen.

Wenigstens die Sache mit dem Bankkonto sollte geklärt werden, dachte sich das US-Justizministerium und vergab im Jahr 2008 einen Auftrag an die Großbank JP Morgan Chase. Damit bekamen Gefangene bei ihrer Entlassung überall in den USA eine Geldkarte in die Hand gedrückt, auf die ihr angesammeltes Guthaben, etwa aus Arbeit in der Strafanstalt und Überweisungen von Freunden und Verwandten, aufgeladen wurde.

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JP Morgan hat diesen Auftrag offenbar ohne große Begeisterung übernommen. Denn wie in einem Prozess ersichtlich wurde, den Gefangene gegen die Bank führten, sahnte das Geldhaus kräftig ab. Jetzt erklärte es sich bereit, knapp 450.000 Dollar an Tausende Betroffene zurückzuzahlen und zusätzlich 250.000 Dollar an Anwaltsgebühren zu übernehmen.

War ein Konto einen Monat lang inaktiv, wurden 1,50 Dollar fällig. Wer eine Karte verlor, zahlte 24,50 Dollar, ungefähr fünfmal so viel wie andere Kunden. Auszahlungen am Schalter, die für andere gratis waren, wurden mit zehn Dollar berechnet. 45 Cents wurden fällig, um den Kontostand zu überprüfen, zwei Dollar kostete das Abheben von Ausgabe-Automaten, die nicht zum bankeigenen Netz gehörten. Das sind alles keine Riesenbeträge, aber viele Gefangene haben ohnehin nur ein paar Dollar angespart.

Das Problem der Kunden: Sie hatten keine Wahl. Die Karte von JP Morgan war die einzige Möglichkeit, über ihr Geld zu verfügen. Sie mussten daher auch alle Konditionen akzeptieren. Freie Marktwirtschaft hat augenscheinlich auch in den USA ihre Grenzen.

JP Morgan steht mit diesem blamablen Fall nicht allein. Einen ähnlichen Prozess hatte es zuvor gegeben, weil Gefangene gegen überhöhte Telefongebühren geklagt hatten – ebenfalls mit Erfolg.

Quelle:  Handelsblatt Online
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