Amazon-Aktie stürzt ab: Realitätsschock für Amazon-Aktionäre

Amazon-Aktie stürzt ab: Realitätsschock für Amazon-Aktionäre

, aktualisiert 29. Januar 2016, 06:35 Uhr
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Ein Amazonlager.

Quelle:Handelsblatt Online

Das verspätete Weihnachtsgeschenk der Amazon-Aktionäre ist ausgeblieben. Die Quartalszahlen haben die Wall Street auf dem falschen Fuß erwischt, es ging rasant abwärts. Was ist schief gelaufen?

Das hatte die Wall Street ganz anders erwartet. Zuerst lief alles bestens: Sie Amazon-Aktie war am Donnerstag in der Erwartung bombastischer Ertragszahlen massive 52 Dollar oder 8,9 Prozent im offiziellen Börsenhandel angestiegen. Da kann kaum noch etwas schief gehen, sollte man meinen. Doch die Realität sah anders aus: Der Kurs rauschte 15 Prozent ins Minus, bevor er sich dann ein wenig berappeln konnte und letztlich bei 549 Dollar rund 85 Dollar oder 13,5 Prozent niedriger gehandelt wurde. Was ist schief gelaufen?
Eigentlich nichts. Der Umsatz war verglichen zum Vorjahr um 22 Prozent auf 35,75 Dollar geklettert. Der Nettogewinn verzeichnete für Amazon völlig ungewöhnliche 482 Millionen Dollar im Quartal, das ist fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor.

Amazons deutsche Logistikzentren

  • Bad Hersfeld

    Im hessischen Bad Hersfeld hat Amazon gleich zwei Logistikzentren. Dort wurde 1999 das erste Logistikzentrum innerhalb von Deutschland eröffnet. Zehn Jahre später folgte ein zweites Zentrum.

  • Leipzig

    Das Zentrum in Leipzig gibt es seit 2006 und ist so groß wie elf Fußballfelder. Dort sind 2000 Arbeitskräfte festangestellt.

  • Werne

    Der Logistikstandort Werne wurde 2010 eröffnet, ein Jahr später wurde eine weitere Halle eröffnet. Die Gesamtfläche ist so groß wie 19 Fußballfelder. Für 2017 ist ein kompletter Neubau geplant.

  • Rheinberg

    In Rheinberg hat Amazon mehr als 1700 Mitarbeiter. In der Weihnachtszeit kommen 1800 Saisonkräfte hinzu. Das Zentrum gibt es seit 2011.

  • Graben

    Mit 110.000 Quadratmetern oder 17 Fußballfeldern an Lagerfläche stellt Graben bei Augsburg eines der größten deutschen Logistikzentren von Amazon. Sechs Lagerhallen umfasst das Versandzentrum, das es seit 2011 gibt.

  • Koblenz

    Das Logistikzentrum in Koblenz wurde 2012 eröffnet und umfasst rund 17 Fußballfelder an Lagerfläche. Dort hat Amazon mehr als 1000 Mitarbeiter und stellt jedes Jahr doppelt so viele Saisonkräfte ein.

  • Pforzheim

    Das Logistikzentrum in Pforzheim gibt es seit Herbst 2012. Dort hat Amazon 1000 Mitarbeiter. In der Weihnachtszeit werden doppelt so viele Saisonkräfte eingestellt. Das Gelände ist 110.000 Quadratmeter groß.

  • Brieselang

    Brieselang ist der neueste Standort von Amazon in Deutschland. Er wurde im Herbst 2013 eröffnet. Mit einer Größe von umgerechnet 10 Fußballfeldern gehört er zu den kleinsten Standorten.

Doch es handelte sich um das Weihnachtsquartal, das ultimative Quartal für einen Einzelhändler. Amazon selbst hatte die Messlatte zuvor schon mit frühen Erfolgsmeldungen über ein hervorragendes Quartal hochgesetzt. Doch die Ergebnisse waren nicht so spektakulär wie von Analysten erwartet, und die Aktionäre waren verschnupft. Für das laufende Quartal zeigt sich Bezos zudem zurückhaltend. Den Umsatz setzt er für das erste Quartal 2016 bei 26,5 bis 29 Milliarden Dollar an, ein Plus von 17 bis 28 Prozent. Der operative Gewinn wird zwischen 100 und 700 Millionen Dollar angesetzt. Allerdings sind da 600 Millionen Dollar an Erfolgsboni für die Mitarbeiter noch nicht abgezogen. Es kann also theoretisch ein satter Nettoverlust übrigbleiben.

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Prime-Kunden sind die Goldesel von Amazon

An diesem Punkt könnte die übliche „Ach, die Wall Street is ja nie zufrieden“-Diskussion einsetzen. Doch dann muss man daran erinnern, dass Bezos bereits enormes Vertrauenskapital bekommen hat. Im vergangenen Jahr ist der Aktienkurs um rund 100 Prozent gestiegen. Gewinne und Umsätze müssen jetzt nachziehen, um in einem schwachen Börsenumfeld Gewinnmitnahmen zu verhindern.
Was positiv auffällt: Amazon hat zum ersten Mal in seiner Firmengeschichte drei Quartale in Folge einen Gewinn ausgewiesen. Ein Indikator, dass vielleicht sogar in absehbarer Zukunft eine Dividende anstehen könnte. Entwicklungen, die weiter genau beobachtet wurden, waren der Cloud-Service AWS und der Premiumdienste „Prime“. Prime-Kunden sind sozusagen die Goldesel von Amazon. Sie kaufen mehr und öfter als die Gelegenheitskunden.

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AWS legte erneut ein starkes Quartal mit einem Umsatzwachstum von 69 Prozent von 1,4 auf 2,4 Milliarden Dollar im Quartal vor. Doch vor einem halben Jahr wurden noch 82 Prozent vermeldet, danach 78 Prozent. Der Trend ist nicht besorgniserregend, aber auch nicht erfreulich. Zumal die Gegner, namentlich Microsoft, Oracle und Google, mit Macht investieren und aufholen. Die Gewinne von AWS polstern derzeit den Investitionsmodus im Handels- und Medienbereich, wo in neue Auslieferungslager, TV-Serien, Musik und Filme investiert wird. Beim Prime-Bereich weigert sich Bezos eine exakte Kundenzahl zu nennen. Aber alleine zu Weihnachten sei die Kundenzahl um 51 Prozent gestiegen, 47 Prozent in den USA, im Ausland stärker. Wieviel davon nur kostenlose Test-Anmeldungen waren, wird sich in Zukunft zeigen müssen.

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