Amazon: Anständig ist anders

Amazon: Anständig ist anders

, aktualisiert 07. April 2016, 11:18 Uhr
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Mitarbeiter kämpfen seit mehreren Jahren um die Anerkennung der Tarifverträge im Einzel- und Versandhandel.

von Christoph KapalschinskiQuelle:Handelsblatt Online

Die Gewerkschaft Verdi ruft am Weltgesundheitstag einmal wieder zu Protesten beim US-amerikanischen Versandhändler Amazon auf. Dieser Schritt ist wirkungslos, aber gerechtfertigt. Ein Kommentar.

HamburgEs wird zu einem Dauerkonflikt: Die Gewerkschaft Verdi organisiert Aktionen gegen Amazon – und der US-Versandhändler versucht, diese zu ignorieren.

Diesen Donnerstag nutzt Verdi den Weltgesundheitstag für Aktionen an sechs Logistikstandorten, unter anderem im hessischen Bad Hersfeld und Koblenz. Der Ausstand soll bis zum Donnerstagabend dauern.

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Ein bekanntes Muster: Die Gewerkschaft instrumentalisiert zugkräftige Themen wie Gesundheit und Arbeitsüberlastung, um für die Tarifbindung zu kämpfen. Verdi verlangt von Amazon seit drei Jahren die Anerkennung der Tarifverträge im Einzel- und Versandhandel, was der Handelsriese bisher kategorisch ablehnt. Das Unternehmen sieht sich als Logistikkonzern und erklärt, dass seine Löhne am oberen Ende der in dieser Branche üblichen Bandbreite lägen.

„Arbeit darf nicht krank machen, und da liegt bei Amazon einiges im argen, denn die Krankheitsquoten sind außerordentlich hoch“, sagte Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. „Wir wollen genauer wissen, wo der Schuh drückt und Forderungen entwickeln.“

Dabei ist der Gedanke dahinter nicht falsch. Tarife gewährleisten Chancengleichheit in der Branche. Für den Versender Otto ist es derzeit ein Nachteil, im Einzelhandelstarif zu sein.

Amazon ist mit Abstand der größte Versender, und trotz ausbleibender nachhaltiger Gewinne äußerst finanzstark.

Die Gewerkschaft muss dafür kämpfen, dass sich die Meinung bei Amazon ändert – sonst macht sie sich selbst überflüssig.

Amazon dagegen zeigt ausdauernd, dass der Konzern den Betrieb auch gegen Aktionen der wenigen organisierten Arbeitnehmer aufrecht erhalten kann. Deutschland-Chef Ralf Kleber lässt Proteste an sich abprallen und demonstriert seinerseits, dass ihm Betriebsfrieden und „Good Corporate Citizenship“ keine hohen Güter sind.

Das kann man machen. Anständiges Handeln sieht aber anders aus – gerade bei einem Weltmarktführer in niedrigen Lohngruppen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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