Analyse der Jahreszahlen: Warum die Commerzbank deutlich weniger verdient

Analyse der Jahreszahlen: Warum die Commerzbank deutlich weniger verdient

, aktualisiert 09. Februar 2017, 08:51 Uhr
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Der Umbau der zweitgrößten deutschen Privatbank ist in vollem Gange.

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Von Milliardengewinnen spricht die Commerzbank schon lange nicht mehr. Mit dem Ergebnis 2016 ist der neue Chef Martin Zielke zwar nicht zufrieden, aber es reicht, um den Rivalen Deutsche Bank in die Schranken zu weisen.

FrankfurtBei seiner ersten Jahresbilanz hat der neue Commerzbank-Chef Martin Zielke beinahe eine Punktlandung hingelegt. Unter dem Strich verdiente das Frankfurter Geldhaus im vergangenen Jahr 279 Millionen Euro, Analysten hatten im Schnitt mit 249 Millionen Euro Überschuss gerechnet. Zielke stufte die Zahlen als „solide“ ein – auch wenn sein Vorgänger Martin Blessing das Geschäftsjahr 2015 noch mit einem Gewinn von gut einer Milliarde Euro abgeschlossen hatte. Ursprünglich wollte der Vorstand diese Marke im laufenden Jahr wieder erreichen, doch das Management kassierte dieses Ziel schon kurz nach Blessings Abgang.

Dass die Probleme der Commerzbank noch nicht überwunden sind, zeigt Zielkes Warnung, dass das Geldhaus mit der „Ergebnisqualität noch nicht zufrieden sein“ kann. „Deshalb müssen wir unsere Strategie Commerzbank 4.0 entschlossen umsetzen. Dafür haben wir jetzt den nötigen Handlungsspielraum geschaffen und können die Transformation wie geplant angehen“, betonte Zielke.

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Hinter dem Kürzel Commerzbank 4.0 verbirgt sich der großangelegte Konzernumbau, mit dem Zielke die Bank wieder auf Kurs bringen will, weil das Geldhaus „schlicht zu wenig verdient“, wie es der ehemalige Privatkundenvorstand bei der Vorstellung des Programms im vergangenen Jahr ausdrückte. Das soll sich durch den Umbau ändern.

Die Bank soll vor allem kleiner werden, Kosten sparen und sich auf Privat- und Firmenkunden konzentrieren. Bis 2020 sollen dazu 9600 der zuletzt gut 45.000 Vollzeitstellen gestrichen werden. Zugleich will die Bank 2300 neue Arbeitsplätze in Einheiten im In- und Ausland schaffen.

Die Commerzbank tut sich seit Jahren schwer, die Folgen der Finanzkrise hinter sich zu lassen. Ende 2008 musste sie nach der Übernahme der Dresdner Bank vom Staat mit Milliarden an Steuergelder gerettet werden. Noch immer ist der Bund mit 15 Prozent beteiligt.

Für Zielkes Unzufriedenheit mit der „Ergebnisqualität“ im vergangenen Jahr gibt es gute Gründe: Der operative Gewinn fiel 2016 auf 1,4 Milliarden Euro, von 1,9 Milliarden Euro im Vorjahr. Als Hauptgründe nennt die Bank die herausfordernden Marktbedingungen und die anhaltenden Negativzinsen. Die Erträge vor Risikovorsorge sanken gegenüber dem Vorjahr auf 9,4 Milliarden Euro von 9,8 Milliarden Euro. 

Und auch dieses Resultat war nur Dank positiver Einmaleffekte möglich. Dazu zählen zum Beispiel die Erlöse aus dem Verkauf der Anteile an Visa Europa. Außerdem profitierte das Geldhaus von der branchenweiten Einigung im Streit um Altlasten der einstigen österreichischen Krisenbank Hypo Alpe Adria. Für faule Kredite musste die Bank 2016 deutlich mehr Geld zurücklegen.


Mehr als 300.000 neue Kunden

Die Risikovorsorge stieg von 696 Millionen Euro auf 900 Millionen Euro. Dahinter stecken vor allem Risiken aus der Schiffsfinanzierung. Außerdem musste die Commerzbank 627 Millionen Euro auf den Firmenwert ihrer schrumpfenden Investmentbank abschreiben.

Zum ersten Mal spiegeln die Zahlen die neue Konzernstruktur wieder. Denn im Zuge des Restrukturierungs-Programms Commerzbank 4.0 legt das Geldhaus seine Mittelstandsbank und sein Investmentbanking zusammen. Im neuen Segment Firmenkunden sank das operative Ergebnis im vergangenen Jahr auf 1,3 Milliarden Euro von 1,7 Milliarden Euro.

Der Bereich Privat- und Unternehmenskunden konnte das operative Ergebnis dagegen leicht um drei Prozent auf 1,1 Milliarden Euro steigern. Darin enthalten sind allerdings mehrere positive Einmaleffekte, die die Belastungen aus dem negativen Zinsumfeld in Deutschland kompensierten. 2016 gewann die Commerzbank in diesem Segment rund 321.000 neue Kunden, seit dem Jahresende 2012 stieg die Kundenzahl um 1,1 Millionen. Damit habe das Privatkundengeschäft alle wesentlichen Ziele erreicht oder übertroffen, die es sich bis Ende 2016 gesetzt hatte, heißt es in der Mitteilung der Bank.

Die Neuaufstellung der Segmente gehört zu den Kernpunkten von Zielkes neuer Strategie. Gerade im Privatkundengeschäft geht das Frankfurter Geldhaus andere Wege als die Konkurrenz. Zielke und sein Privatkundenvorstand Michael Mandel wollen am dichten Filialnetz mit etwa 1000 Standorten festhalten, während Wettbewerber wie die Hypo-Vereinsbank oder die Deutsche Bank ihre Zweigstellen zusammenstreichen.

Mandel hat die Devise ausgegeben, bis Ende 2017 weitere 500.000 Kunden zusätzlich zu werben. Bis 2020 sollen weitere zwei Millionen hinzukommen. Während der Rest der Bank tief im Umbau steckt, soll das Privatkundengeschäft für Wachstum und die nötige Stabilität sorgen.

Auch wenn Zielke mit seiner ersten Bilanz an der Spitze der Bank nicht wirklich zufrieden ist, bleibt ihm doch zumindest ein Trost. Der traditionell argwöhnisch beäugte Frankfurter Konkurrent Deutsche Bank musste im vergangenen Jahr erneut tiefrote Zahlen ausweisen und verlor unter dem Strich 1,4 Milliarden Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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