Analyse zur US-Vorwahl: Denkzettel fürs Establishment

Analyse zur US-Vorwahl: Denkzettel fürs Establishment

, aktualisiert 10. Februar 2016, 09:21 Uhr
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Die Ex-Außenministerin braucht dringend Erfolge.

von Moritz KochQuelle:Handelsblatt Online

Mit Bernie Sanders und Donald Trump triumphieren in New Hampshire die Außenseiter. Die Verliererin heißt Hillary Clinton. Sie braucht dringend Erfolge. Doch nicht nur die Ex-Außenministerin muss eine Pleite verkraften.

WashingtonDie zweite Vorwahl in den USA, der zweite Denkzettel für das politische Establishment: Noch vor ein paar Monaten hätte kaum jemand für möglich gehalten, was am Dienstagabend um kurz nach acht über die Ticker lief. Die Außenseiter Donald Trump und Bernie Sanders haben die Vorwahl in New Hampshire gewonnen. Und wie.

Der Republikaner Trump erhielt in ersten Hochrechnungen mehr als doppelt so viele Stimmen wie der zweitplatzierte John Kasich, während der Demokrat Sanders mit einem Vorsprung von 20 Prozentpunkten vor der lange favorisierten Hillary Clinton ins Ziel kam.

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Wenn es noch einen weiteren Beleg für die Wut auf die Eliten in Wirtschaft und Politik gegeben hätte, so offenbart er sich nun – und zwar als politisches Beben. Die Wähler in Amerika rebellieren gegen den Status Quo. Zu „Bernie“-Rufen schreitet Sanders ans Podium, für ein paar Momente weicht sein grimmiger Gesichtsausdruck einem Strahlen. Dann aber ist wieder alles wie immer. Sanders prangert Hungerlöhne an, verurteilt Oligarchen, empört sich über Einkommensungleichheit, Rassismus und alle anderen Arten der Ungerechtigkeit.

„Heute haben die Wähler die klare Botschaft gesendet, dass die Regierung uns allen gehört, nicht nur einer Handvoll Milliardären und Geldgebern“, grollt der Wahlsieger der Demokraten. „Wir werden das korrupte System der Parteienfinanzierung nicht länger akzeptieren.

Und wir werden nicht länger eine gezinkte Wirtschaftsordnung hinnehmen, in der Millionen von Amerikanern länger arbeiten müssen, während fast das gesamte neu erzeugte Einkommen und Vermögen an die oberen ein Prozent gehen.“ Der schwer angeschlagenen Clinton blieb nichts anderes übrig, als Sanders zu gratulieren und sich als Kämpfernatur anzupreisen. „Ich weiß wie es ist, zu stolpern und zu fallen, wie so viele Amerikaner auch“, sagt sie in Anspielung auf ihre bittere Wahlniederlage gegen Barack Obama im Jahr 2008. „Es kommt darauf an, wiederaufzustehen.“

Wenn es für Clinton Trost gibt an diesem Abend, so besteht er darin, dass die weiße Wählerschaft in New Hampshire nicht repräsentativ für die bunte Vielvölkergesellschaft der USA ist. Clinton genießt starken Rückhalt bei Latinos und Schwarzen, die in den beiden nächsten Vorwahlstaaten, Nevada und South Carolina, eine wichtige Rolle spielen.


Achtungserfolg für Jeb Bush

Und doch: Die bisherigen Vorwahlen hätten für Clinton kaum schlechter laufen können. Ihr Sieg in Iowa war so knapp, dass er ein Erfolg für den Außenseiter Sanders war. Und ihre Niederlage in New Hampshire ist nun so niederschmetternd, dass Fragen nach Clintons Eignung als Präsidentschaftskandidatin aufkommen.

Auf Seiten der Republikaner lässt sich der Mann feiern, der den Triumph zur Ersatzreligion verklärt: Donald Trump. In Iowa hatte der Unternehmer trotz eines Vorsprungs in den Umfragen nur den zweiten Platz belegt, nun genießt er seinen Erfolg.

Seine Siegerrede beginnt zwar erstaunlich demütig. Trump bedankt sich bei seinen Eltern, die vom Himmel auf ihn herabschauten, ebenso bei seinem verstorbenen Bruder Fred, ja, er gratuliert sogar seinen Rivalen. Doch schüttelt er den Demutsanfall schnell wieder ab: „Ich werde der beste Job-Präsident sein, den Gott je erschaffen hat“, prahlt er.

Fast genauso wichtig wie sein Sieg ist für Trump die Fragmentierung des übrigen Kandidatenfelds. Er hat es nicht mit einem, sondern mit vier Rivalen zu tun, die vor allem damit beschäftigt sind, sich gegenseitig Stimmen abzujagen.

In New Hampshire schneidet im Anti-Trump-Lager John Kasich noch am besten ab. Der moderate Gouverneur von Ohio bringt es auf 16 Prozent der Stimmen. Auf dem dritten Platz landet der ultrarechte Ted Cruz, der die Wahlen in Iowa gewonnen hatte. Dem schon fast abgeschriebenen Jeb Bush gelingt ein Achtungserfolg, er liegt knapp vor seinem einstigen Schützling Marco Rubio.

Rubio ist der große Verlierer des Abends. In Iowa sah es noch so aus, als könnte es ihm gelingen, die moderaten Wähler hinter sich zu scharen und sich als Alternative zu Trump und Cruz zu etablieren. Doch New Hampshire setzt Rubios Höhenflug ein jähes Ende.

Quelle:  Handelsblatt Online
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