Anbang: Der tiefe Fall von Finanzmogul Wu

Anbang: Der tiefe Fall von Finanzmogul Wu

, aktualisiert 14. Juni 2017, 09:50 Uhr
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Der Chef der Versicherung Anbang gilt als einer der mächtigsten Männer in Chinas Finanzbranche.

von Stephan ScheuerQuelle:Handelsblatt Online

Anbang ist eines der aggressivsten chinesischen Unternehmen auf globaler Einkaufstour. Doch nun tritt Chef Wu Xiaohui zurück. Die Firma spricht von „persönlichen Gründen“, chinesische Medien von einer Festnahme.

PekingDas vorläufige Ende von Wu Xiaohuis Karriere ist einen Satz lang. In wenigen Worten teilte der Versicherungskonzern Anbang am Mittwoch mit, dass deren Gründer und Chairman aus „persönlichen Gründen“ die Aufgaben an der Spitze des Unternehmens nicht länger wahrnehmen könne. Wu werde abgelöst. Kurz zuvor war ein Bericht kursiert, nachdem der Manager festgenommen worden sei. Die dürre Mitteilung markiert den abrupten Fall eines der mächtigsten Männer in Chinas Finanzbranche.

Das Finanzmedium Caijing schrieb unter Berufung auf Insider, Wu Xiaohui sei vergangenen Freitag abgeführt worden. Am Samstag habe ein Team von Beamten der Pekinger Versicherungsaufsicht Mitarbeiter von Anbang zu Gespräch gebeten, ihnen jedoch keinen genauen Grund für die Festnahme ihres Chefs gesagt. Wenig später wurde der Bericht gelöscht.

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Wu hatte geschafft, was viele für unmöglich hielten. Als Neueinsteiger war es ihm gelungen, den von mächtigen Staatsfirmen dominierten Versicherungsmarkt umzukrempeln. Wu baute Anbang von einem kleinen Autoversicherer in der Hafenstadt Ningbo zur Nummer drei der chinesischen Versicherungsbranche aus. Heute verwaltet die Firma nach eigenen Angaben ein Vermögen von mehr als 300 Milliarden Dollar.

Doch Wu wollte mehr. Er baute die Firma während der vergangenen Jahre zu einem Konglomerat aus, das sich neben dem Versicherungsgeschäft über Banken, Immobilien und andere Investments erstreckt. Im vergangenen Jahr strebte Anbang Käufe im US-Immobiliensektor von fast 20 Milliarden Dollar an, nachdem das Unternehmen 2014 das Waldorf Astoria Hotel für fast zwei Milliarden Dollar übernommen hatte.

Auch in Deutschland ist Anbang aktiv. Die Chinesen prüfen die Bücher der HSH Nordbank. Die HSH gehört mehrheitlich den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein. Die Bank muss auf Druck der EU-Kommission bis 2018 verkauft werden. Sonst wird das Geldhaus abgewickelt.Bei seinen Geschäften wurde Wu immer wieder nachgesagt, er könne politische Kontakte wie kaum ein anderer Nutzen. Schließlich hatte er eine Enkelin von Reformarchitekt Deng Xiaping geheiratet.

Doch schon seit Monaten mehrten sich die Hinweise, dass es um Wus gute Kontakte nicht mehr so gut steht. Im Mai untersagten die Aufsichtsbehörden der Lebensversicherungssparte des Konzerns für drei Monate, neue Produkte aufzulegen. Grund für die Strafe sei ein Produkt, mit dem Anbang gegen Regeln zur Eindämmung von Risiken bei Lebensversicherungen verstoßen habe.

Die Zentralregierung hatte vor einigen Monaten intensive Kontrollen der Versicherungsunternehmen im Land gestartet. Im Februar wurde der Gründer und Chairman der Versicherung Foresea Life Insurance, Yao Zhenhua, für zehn Jahre von Geschäften in der Branche ausgeschlossen. Im April gab die oberste Antikorruptionsbehörde bekannt, gegen den ehemaligen Chef der Versicherungsaufsicht, Xiang Junbo, werde ermittelt.

Gleichzeitig zweifelte das chinesische Magazin Caixin die finanzielle Stabilität des Firmen-Konstruktes von Anbang an. Wu habe ein Geflecht von Briefkastenfirmen aufgebaut, lautet der Vorwurf der Journalisten. Das Pekinger Unternehmen stritt die Vorwürfe ab und kündigte eine Klage an.

Quelle:  Handelsblatt Online
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