Anlage: „Dividenden sind die bessere Miete“

Anlage: „Dividenden sind die bessere Miete“

, aktualisiert 06. April 2016, 13:48 Uhr
Bild vergrößern

„Ein spektakulär guter Dividendenjahrgang.“

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Heute wurden in Frankfurt die Unternehmen gekürt, die ihren Aktionären am verlässlichsten eine Dividende zahlen. Doch Ausschüttung allein macht es nicht. Worauf Anleger beim Investieren achten sollten.

FrankfurtAdel verpflichtet – und zwar zum Zahlen einer Dividende. In den Stand der Dividenden-Aristokraten werden in den USA solche Unternehmen erhoben, die mindestens 25 Jahre in Folge ihre Gewinnausschüttung angehoben haben. In Deutschland gibt es solche Unternehmen nicht, doch die neue Dividendenstudie der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) zeigt, dass sich die Ausschüttungen hierzulande trotzdem auf einem Rekordniveau befinden. Zum zweiten Mal in Folge werden die Gesellschaften in diesem Jahr deutlich mehr als 40 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner ausschütten.

An diesem Mittwoch haben die Aktionärsschützer gemeinsam mit der Research-Plattform „DividendenAdel“ ihre aktuelle Auswertung in Frankfurt präsentiert. Die genaue Summe der Gesamtausschüttung steht noch nicht fest, da Volkswagen seine Dividende noch nicht bekannt gegeben hat. Schon jetzt ist aber sicher, dass es insgesamt mehr als 40 Milliarden Euro sein werden - und das, obwohl von RWE und der Deutschen Bank in diesem Jahr keine Zahlungen kommen.

Anzeige

„Das ist ein klares Indiz für einen in der Breite spektakulär guten Dividendenjahrgang“, sagte Studienautor Christian Röhl. So hätten MDax, SDax und TecDax neue Ausschüttungsrekorde aufgestellt. Insgesamt stockten fast zwei Drittel der Unternehmen in den in den Auswahl-Indices ihre Ausschüttung auf. In der Studie wurden alle Gesellschaften untersucht, die im regulierten deutschen Aktienmarkt notiert sind.

Sind Dividenden tatsächlich die neuen Zinsen? Röhl gefällt der Vergleich nicht. „Dividenden sind die bessere Miete“, sagt er. „Wie Immobilien sind Aktien keine Spekulation, sondern Sachwerte, die laufende Erträge generieren und auf lange Sicht an Wert gewinnen.“ Anlegern empfiehlt er, die kurzfristige Kursentwicklung auszublenden, schließlich würden auch Vermieter nicht ständig über den Verkaufspreis ihres Hauses nachdenken. Solange die Dividende gezahlt werde, müssten sich die Anleger um die Kursentwicklung keine Sorgen machen. Doch, wenn die Ausschüttungen gekürzt würden oder ausfielen, sollte das als Warnsignal gewertet werden – das habe beispielsweise die Entwicklung bei RWE gezeigt.

Die Studienautoren haben die Dividendenzahler in verschiedene Rubriken aufgeteilt. Da gibt es etwa die „Adelsanwärter“, die ihre Dividende immer erhöht haben. Dieses Ranking führt Fresenius an. Mit 24 Dividendenerhöhungen in Folge ist das Unternehmen schon nahe dran, ein echter Aristokrat nach amerikanischer Definition zu werden. Danach folgen Fresenius Medical Care (19 Jahre), Fuchs Petrolub (14 Jahre) und STRATEC Biomedical (13 Jahre). Immerhin elf Gesellschaften haben ihre Dividende seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr gekürzt – sie werden in der Studie die„ Zuverlässigen“ genannt. Dazu gehören SAP, die Münchener Rück und Henkel.

Als „wahren Dividendenregen“ bezeichnete DSW-Chef Marc Tüngler die Ausschüttungen der Unternehmen. Schade nur, dass sehr viele deutsche Anleger davon nichts abbekommen. Denn rund 64 Prozent der Dax-Gesellschaften gehören ausländischen Investoren.

„Von den rund 30,1 Milliarden Euro, die die 30 größten deutschen AGs an ihre Anteilseigner ausschütten, landen im Durchschnitt mehr als 19 Milliarden Euro nicht in den Portemonnaies deutscher Anleger“, sagt Tüngler Die deutschen Anleger hätten anscheinend kein Vertrauen in die deutsche Wirtschaft.


Anleger laufen Trend hinterher

Dabei scheint es den Unternehmen gemäß der Studie recht gut zu gehen. „Gemessen an ihren Gewinnen könnten die Unternehmen sogar noch deutlich höhere Dividenden zahlen“, sagt Studienautor Röhr. Die Ausschüttungsquoten lägen meist unter 50 Prozent. „Die Unternehmen haben also ein finanzielles Polster, um die Dividende auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten stabil halten zu können.“

Laut den Autoren habe die Niedrigzinsphase immerhin zu einer „kleinen Renaissance der Aktie“ geführt. So besaßen laut Deutschem Aktieninstitut (DAI) im vergangenen Jahr rund neun Millionen Menschen in Deutschland Aktien oder Anteile an Aktienfonds. Das waren 560.000 mehr als 2014 und zugleich der höchste Stand seit 2012. Damals gab es in Deutschland knapp 9,5 Millionen Aktionäre. Noch mehr waren es nur zur Hochzeit des neuen Marktes: Im Jahr 2001 wurden fast 13 Millionen gezählt.

„Damals galt die Ausschüttung einer Dividende nicht als Qualitätskriterium, sondern als Malus“, sagt Tüngler. Die Aktionäre hatten es in erster Linie auf Wachstumswerte abgesehen. Das sei damals der Trend gewesen, heute sind Dividendentitel gefragt.

Die heutigen Aktionäre, so folgert der Anlegerschützer, würden nun also wieder einem Trend hinterherlaufen. Zum Glück liefen sie dabei aber in der Regel nicht Gefahr auf Geschäftsmodelle hereinzufallen, die nicht tragfähig sind. Das war zu Zeiten des Neuen Marktes bei vielen Tech-Unternehmen der Fall.

Die Studienautoren empfehlen Anlegern auf eine nachhaltige Dividendenqualität zu achten. Investoren müssen neben der Rendite auch Kontinuität, Ausschüttungsquote und Dividendenwachstum im Blick haben. Alle vier Elemente ließen sich in einer Art „magischem Viereck“ ablesen.

„Die Dividende ist zwar ein wichtiges aber eben nicht das alleinige Kriterium, nach dem eine Aktie beurteilt werden sollte“, sagt Tüngler. Das hat unter anderem die Liste mit den 50 größten Kapitalvernichtern gezeigt, die die DSW kürzlich veröffentlichte. 31 der 50 Unternehmen hatten in dem betrachteten Fünfjahreszeitraum mindestens einmal Dividenden gezahlt. Trotzdem bescherten sie ihren Aktionären massive Kursverluste, die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%