Anlageklassen und die US-Wahl: Gold oder Aktien? So rüsten sich Anleger für die Wahl

Anlageklassen und die US-Wahl: Gold oder Aktien? So rüsten sich Anleger für die Wahl

, aktualisiert 07. November 2016, 13:35 Uhr
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Ein Wahlsieg würde den Aktienmärkten einen Schub geben

von Daniel Schäfer Quelle:Handelsblatt Online

Aktien für Hillary Clinton, Gold für Donald Trump: In welche Richtung werden sich die Finanzmärkte nach der US-Wahl bewegen? Welche Anlageklassen gefragt sein werden – und welche nicht. Ein Überblick.

WashingtonEine Billion Dollar. Um diese atemberaubend hohe Summe hat sich der Wert der globalen Aktienmärkte in der vergangenen Woche verringert, weil die Investoren im Vorfeld einer turbulenten US-Präsidentschaftswahl ihre Risiken verringern wollten. Gleichzeitig ist das Angstbarometer der Wall Street, der Vix-Index, über seinen langfristigen Durchschnitt gestiegen. Und der traditionelle Zufluchtsort verunsicherter Anleger, Gold, war ebenfalls gefragt.

Doch in welche Richtung werden sich die Finanzmärkte nach der US-Wahl bewegen, welche Anlageklassen werden gefragt sein – und welche nicht?

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Aktien

Im weiterhin wahrscheinlicheren Fall eines Wahlsiegs der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton dürften die Aktien kurzfristig nur eine Richtung kennen: nach oben. Experten erwarten, dass die Kurse dann die Verluste der Vorwoche locker wieder wettmachen werden.

Und auch mittelfristig dürfte die ehemalige US-Außenministerin ein Segen für die Aktienmärkte sein. Schließlich hat Clinton ein 275 Milliarden Dollar schweres Infrastrukturprogramm angekündigt, will den nationalen Mindestlohn verdoppeln und damit den Konsum ankurbeln sowie für die von den Märkten so geliebte stabile Politik sorgen.

Profitieren dürften unter anderem Wind- und Solarenergieunternehmen, weil Clinton die regenerative Energie fördern will. Auch für Krankenhausbetreiber könnte es bergauf gehen, denn Clinton will die amerikanische Gesundheitsversorgung verbessern und ausbauen.

Es gibt aber auch Ausnahmen: Insbesondere für Finanz- und Pharmaaktien könnte es ungemütlich werden. Denn wenn die Demokraten den Republikanern im Senat die Mehrheit abnehmen sollten, dürfte Clinton vom linken Spektrum ihrer Partei zu einer harten Linie gegenüber diesen beiden Branchen gezwungen werden – mit gravierenden Folgen für deren Aktien.


Ein Crashrisiko namens Trump

Ganz anders sieht es bei einem Wahlsieg Trumps aus. Sollte es der Republikaner wider Erwarten doch noch schaffen, sagen die Analysten von Barclays einen unmittelbaren Kursrutsch des amerikanischen Leitindex S&P 500 von 11 bis 13 Prozent voraus. „Das könnte ähnliche disruptiv für die Märkte sein wie das Brexit-Referendum“, sagt Paul Richards, Präsident von Medley Global Advisors, einem Berater von Hedgefonds und anderen institutionellen Investoren.

Zu den wenigen Gewinnern könnten Finanzwerte, Bau- und Kohleunternehmen gehören, denn Trump hat eine Deregulierung der Finanzbranche, ein bis zu eine Billion Dollar schweres Infrastrukturprogramm und eine Abkehr von regenerativen Energien angekündigt.

Staatsanleihen

An den Bondmärkten dürfte es im Falle eines Wahlsiegs von Trump ebenfalls zu heftigen Reaktionen kommen. „Wir könnten eine gravierende Neubewertung der Anleihemärkte sehen“, sagt George Magnus, ökonomischer Berater der Schweizer UBS. Bei den US-Staatsanleihen, deren zehnjährige Papiere derzeit mit knapp 1,4 Prozent rentieren, rechnen die Experten mit steigenden Kursen und somit fallenden Renditen. Denn diese als sicher geltenden Papiere sind traditionell ein Rückzugsort verängstigter Anleger.

Bei einem Wahlsieg Clintons erwarten Marktteilnehmer nach einer Untersuchung von BMO Capital Markets hingegen einen leichten Anstieg der Rendite um fünf Basispunkte.

Allerdings ist für die Anleihemärkte die künftige Geldpolitik der US-Zentralbank Fed maßgeblicher als die US-Wahlen. Und eine weitere Anhebung der Leitzinsen im Dezember dürfte hier für steigende Renditen und fallende Kurse sorgen.

Unternehmensanleihen

Anders als Staatsanleihen gelten riskante Unternehmensbonds nicht als sicherer Hafen, um im Krisenfall gewappnet zu sein. Hier dürften sich die Kurse und Renditen eher analog mit den Aktienmärkten bewegen. Bei einem Wahlsieg Trumps rechnen die Fachleute mit fallenden Kursen, ganz besonders bei den höher verschuldeten und damit von den Ratingagenturen schlechter bewerteten, sogenannten Ramschanleihen.
Bei einem Wahlsieg Clintons hingegen sind keine allzu großen Bewegungen zu erwarten.


Zufluchtsort Gold

Gold

Wer globale Katastrophen wirtschaftlicher wie politischer Natur befürchtet, der kauft seit jeher Gold. Da für die meisten Anleger ein US-Präsident namens Trump einer mindestens mittelgroßen Katastrophe gleichkäme, dürfte in diesem Fall der Goldpreis in die Höhe schießen. Schon in der vergangenen Woche war der Preis des Edelmetalls mit jeder positiven Nachricht für Trump in die Höhe geklettert – auf mittlerweile mehr als 1300 Dollar.

Umgekehrt würde ein Wahlsieg Clintons den Goldpreis wohl wieder zurückfallen lassen – zumindest kurzfristig. Denn grundsätzlich wird der Preis des edlen Metalls mehr von den ökonomischen Rahmendaten und der Zentralbankpolitik als von Wahlen beeinflusst.


Währungen

Als am Sonntag bekannt wurde, dass das FBI die Untersuchungen gegen Clinton in der E-Mail-Affäre nicht wieder aufnehmen wird, rauschte der mexikanische Peso gegenüber dem Dollar um bis zu drei Prozent nach oben. Die Währung des südlich der USA liegenden Landes reagiert empfindlich auf jede Nachricht aus dem US-Präsidentschaftswahlkampf. Denn im Falle eines Wahlsiegs will Trump das Freihandelsabkommen Nafta kündigen, Zölle auf mexikanische Produkte erheben und eine bis zu 30 Meter hohe Mauer an der amerikanisch-mexikanischen Grenze bauen.

Sollte Trump die Wahl gewinnen, rechnen Analysten der Bank Societe Generale daher mit einem Absturz des Peso von bis zu 17 Prozent. Umgekehrt wird bei einem Einzug Clintons ins Weiße Haus eine weitere Erholung der Währung erwartet.

Komplizierter ist die Situation beim US-Dollar. Falls Clinton gewinnt, dürfte der Dollar zum Euro zunächst zulegen, weil angesichts der dann gesicherten Stabilität die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Notenbank Fed im Dezember die Zinsen anhebt.

Sollte Trump die meisten Wahlmänner auf sich vereinen, würde der Dollar wohl auf ganz kurze Sicht zunächst geschwächt, weil die Investoren eine Zinserhöhung für unwahrscheinlicher erachten würden. Doch in den darauf folgenden zwölf Monaten könnte der Dollar durchaus wieder zulegen, weil Trump mit Steuersenkungen und einem gewaltigen Infrastrukturprogramm die Wirtschaft ankurbeln will. Außerdem will er die Notenbank Fed zwingen, die Zinsen schneller zu erhöhen – was dem Dollar ebenfalls einen Schub geben würde.

Quelle:  Handelsblatt Online
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