Anlagekonzepte: Auf der Überholspur

Anlagekonzepte: Auf der Überholspur

, aktualisiert 26. Oktober 2016, 12:52 Uhr
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Der europäische ETF-Markt gewinnt Marktanteile.

von Julia GrothQuelle:Handelsblatt Online

Der amerikanische Markt für börsengehandelte Indexfonds ist deutlich größer als sein europäisches Pendant. Europa holt aber auf - und emanzipiert sich immer stärker von den USA.

KölnBörsengehandelte Indexfonds (ETFs) gelten als besonders transparent. Umso größer erstaunte es, als die Investmentgesellschaft Eaton Vance Anfang des Jahres einen neuen ETF auf den US-Markt brachte, dessen Konstruktion dem Transparenzanspruch herkömmlicher Indexfonds zuwiderläuft. Der neue legt im Gegensatz zu anderen ETFs nicht täglich offen, welche Wertpapiere sich in seinem Portfolio befinden, sondern nur einmal im Monat. ETF-Anbieter diskutieren jetzt darüber, die Zusammensetzung ihrer Fonds sogar nur einmal pro Quartal zu veröffentlichen.

Wer wissen will, in welche Richtung sich der europäische ETF-Markt entwickelt, muss in die USA schauen. Was dort passiert, macht in Europa oft Schule. Der US-Markt für ETFs ist in gewisser Weise der Vater dieser Anlagekategorie. Erste Indexfonds wurden dort bereits in den 1970er-Jahren aufgelegt. Bis sie nach Europa kamen, dauerte es bis zur Jahrtausendwende. Auch heute gibt die ETF-Industrie in den USA den Takt vor. Das könnte sich allerdings ändern. Europa emanzipiert sich zunehmend.

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Noch wächst der ETF-Markt in den USA schneller als in Europa. Vergangenes Jahr flossen Indexfonds weltweit 355 Milliarden Euro zu, wie Zahlen des ETF-Anbieters Lyxor zeigen. Davon investierten Anleger 215 Milliarden in den USA und 72 Milliarden Euro in Europa. In den nächsten Jahren könnte der Trend drehen, wie eine Umfrage des Beraters PwC unter ETF-Managern ergibt. Danach rechnen US-Manager damit, dass das Volumen des amerikanischen Indexfondsmarktes bis 2021 um 181 Prozent auf 2,1 Billionen Dollar zulegen wird. Europäische Manager rechnen für ihren Markt mit einem deutlich stärkeren prozentualen Wachstum. Sie erwarten, dass das verwaltete Vermögen in europäischen Indexfonds von 460 Milliarden auf 1,6 Billionen Dollar bis 2021 steigen wird.

Wachstumstreiber Kosten

Je nach Region sehen Manager unterschiedliche Wachstumstreiber, wie die PwC-Studie zeigt. In den USA verspricht sich die ETF-Industrie vor allem Rückenwind von neuen Vertriebsplattformen. In Europa hoffen Anbieter, dass sinkende Kosten und wachsendes ETF-Wissen bei Anlegern für Zuflüsse sorgen werden. Für US-Manager sind diese beiden Faktoren weniger wichtig. Auch der Preiskampf ist in den USA deutlich härter. "Es vergeht kaum ein Monat, ohne dass ein ETF-Anbieter die Kosten für mindestens eines seiner Produkte senkt", berichtet ein Experte. Auch hier holt Europa auf. Die Kosten vieler Indexfonds sind in den vergangenen Jahren gefallen. Das lag auch an neuen Wettbewerbern.


Wer in Europa den Markt beherrscht

Sowohl in den USA als auch in Europa besitzt der Anbieter iShares den größten Marktanteil. In den USA vereint die Blackrock-Tochter 39,6 Prozent des ETF-Marktes auf sich. In Europa sind es sogar 47,5 Prozent. Hier kommt nach iShares zunächst einmal lange Zeit nichts. Zweitgrößter Anbieter ist die Deutsche Asset Management mit 12,5 Prozent, gefolgt von Lyxor mit 10,6 und UBS mit 5,5 Prozent. Andere Anbieter wie Amundi, Vanguard, State Street, Source und die Deka-Tochter ETF Lab sind weit abgeschlagen.

In den USA dagegen hat iShares zwei gefährliche Verfolger: Vanguard mit 23,4 Prozent und State Street mit 19 Prozent Marktanteil, gefolgt von Anbietern wie Invesco Powershares, Wisdom Tree und First Trust. Kaum verwunderlich also, dass der Wettbewerb zwischen den drei Platzhirschen in den USA heftiger tobt als in Europa. Insbesondere Vanguard ist dafür bekannt, mit aggressiven Preissenkungen um Marktanteile zu kämpfen. Im vergangenen Jahr überholte die Gesellschaft mit dieser Strategie bereits State Street und rückte auf Platz zwei der größten ETF-Anbieter in den USA vor. Nächstes Ziel: die Spitze.

Aus dem Hause Vanguard stammt auch der derzeit größte ETF der Welt. Der Vanguard Total Stock Market ETF ist rund 450 Milliarden US-Dollar schwer. Die folgenden Plätze teilen sich mehrere Vanguard- und iShares-Produkte. Für kleinere Anbieter ist es schwierig, die Marktmacht der Platzhirsche zu brechen. Frisches Anlegergeld fließt vor allem in jene Indexfonds, die bereits besonders viel Geld verwalten, zeigt eine Auswertung des Datenanbieters Thomson Reuters Lipper. Grund: Größe und Liquidität sind für institutionelle Investoren besonders wichtig, und von denen stammt der Löwenanteil des Vermögens in ETFs.

In Europa verwalten derzeit 109 ETFs jeweils mehr als eine Milliarde Euro. Sie haben einen Marktanteil von 58 Prozent. "Man kann davon sprechen, dass diese Produkte den Markt beherrschen", heißt es von Lipper. In den USA sieht es ähnlich aus. Lipper sieht in der hohen Konzentration aber keinen Anlass zur Sorge. Es kommen immer wieder ETF-Anbieter auf den Markt, denen es immer wieder gelingt, den Wettbewerb bei ETFs anzuheizen.

Welche Anbieter oder welche Produktneuheiten sich in den kommenden Jahren in Europa durchsetzen werden, lässt sich kaum sagen. Vanguard hat auf dem europäischen Markt zwar aufgeholt, spielt aber nach wie vor keine große Rolle und ist vielen Anlegern nicht bekannt. Das zeigt: Was in den USA Erfolg hat, muss in Europa nicht unbedingt ebenfalls funktionieren. Europas ETF-Markt folgt immer häufiger eigenen Gesetzen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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