Anlagekonzepte: Doppelt hält nicht besser

Anlagekonzepte: Doppelt hält nicht besser

, aktualisiert 16. Dezember 2016, 13:29 Uhr
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Auch wenn Privatinvestoren offenbar die Scheu vor Hebel- und Short-Produkten verloren haben: Die Produkte sind für sie im Grunde genommen nicht geeignet.

von Julia GrothQuelle:Handelsblatt Online

Indexfonds mit Hebel versprechen Turborenditen. Vielen Anlegern ist aber nicht bewusst, dass die Produkte enorme Risiken bergen und sich nur als kurzfristige Investments eignen.

KölnWas gut ist, kann in doppelter Dosis nur noch besser werden. Das denken viele Investoren - und vergessen, dass zu viel des Guten oftmals schlecht ist. Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) auf den Aktienindex LevDax sind bei Privatanlegern beliebt, berichten ETF-Anbieter. Der von der Deutschen Börse berechnete LevDax ist an die Dax-Entwicklung gekoppelt, allerdings mit dem Hebel zwei. Das heißt: Steigt der Lieblingsindex vieler Deutscher, klettert er doppelt so stark; fällt er, stürzt sein Pendant doppelt so tief.

Sogenannte Hebel-ETFs sind längst in den Portfolios von Privatanlegern angekommen. Auch vor Short-ETFs, mit denen man auf fallende Kurse setzt, machen viele Privatinvestoren nicht mehr Halt. Hebel- und Short-ETFs können sich in bestimmten Marktphasen lohnen, sagen Analysten. Sie sind allerdings komplex aufgebaut und nicht einfach zu verstehen. Viele Anleger zeigen sich deshalb überrascht, wenn sich ein Hebel- oder Short-ETF nicht so entwickelt wie gedacht.

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Beispiel LevDax: Steigt der Dax binnen eines Jahres um 20 Prozent, heißt das nicht, dass sein gehebeltes Gegenstück im selben Zeitraum um 40 Prozent zulegt. Der Hebel wird nämlich jeden Tag neu angepasst. So erzielt der LevDax zwar die doppelte Performance des Dax - aber immer nur bezogen auf den Schlussstand des Vortags. Über längere Zeit weicht die Wertentwicklung des LevDax deutlich von der des Dax ab. Bei anderen gehebelten Indizes sieht es ähnlich aus.

Short-ETFs haben denselben Haken. Sie zeichnen die Entwicklung von Indizes spiegelbildlich nach. Fällt etwa der Nebenwerteindex MDax, steigt sein Gegenstück, der Short-MDax, im selben Maß. Auch Short-Indizes erzielen ihre Performance stets auf Tagesbasis. Der direkte Zusammenhang zwischen ihnen und ihrem Ursprungs-Index kommt immer nur von Schlusskurs zu Schlusskurs zum Tragen. Über einen längeren Zeitraum verhalten sich Basis-Index und Short-Index deshalb nicht genau gegenläufig, sondern weichen stark voneinander ab. Viele Investoren sind sich dieser sogenannten Pfadabhängigkeit nicht bewusst. Das kann zu bösen Überraschungen führen.

Hebel- und Short-ETFs gibt es nicht nur auf Aktienindizes. Auch in Anleihen, Währungen und Rohstoffe wie Öl oder Gold können Anleger investieren. Inzwischen gibt es sogar ETFs, die die Entwicklung eines Indexes nicht nur doppelt, sondern mit noch stärkerem Hebel nachvollziehen. So bietet das britische ETF-Haus ETF Securities, ein Vorreiter auf dem Gebiet der Hebelprodukte, etwa dreifach gehebelte Indexfonds auf das europäische Aktienbarometer Eurostoxx 50 an. Mit weiteren Produkten können Anleger mit fünffachem Hebel auf die Entwicklung unterschiedlicher Währungen setzen. Dabei gilt: Je größer der Hebel, desto stärker weicht der gehebelte Index von seinem Basisbarometer ab, und desto höher ist das Verlustrisiko für Anleger.


Taktische Investments

ETF-Anbieter vermarkten Hebel- und Short-ETFs gern als Absicherungsinstrumente gegen fallende Kurse, als Rendite-Turbo oder als Produkte zur Portfoliodiversifizierung. Ganz verkehrt ist das nicht. Short-ETFs können vor fallenden Kursen schützen, Hebel-ETFs besonders hohe Renditen bringen, und mit beiden Produktgattungen können Anleger ihr Portfolio breiter aufstellen. Die Risiken aber sind enorm. Wer nicht im Hinterkopf behält, dass die Produkte ihre Performance in der Regel auf Tagesbasis liefern, läuft Gefahr, über die Zeit hohe Verluste anzuhäufen.

Um Short- und Hebel-ETFs sinnvoll einsetzen zu können, müssen Anleger die Märkte genau im Blick behalten. Sie müssen in etwa abschätzen können, in welche Richtung sich ein Index bewegt und wie lange sich diese Bewegung fortsetzt. Sind diese Fragen geklärt, sollten Anleger Short- oder Hebel-ETFs lediglich für kurze Zeit nutzen - für taktische Investments, wie es im Fachjargon heißt.

Knifflige Kurzinvestments Kurzfristige Investments, bei denen es auf das Timing ankommt, sind sogar für Profis eine knifflige Sache. Investiert man ohne fundierte Markteinschätzung in Hebel- oder Short-ETFs, ist das ein Glücksspiel. Das kann zwar Spaß machen. Aber nur, wenn man starke Nerven hat und überdies genügend Risikopuffer, um Verluste abzufedern. Was Privatinvestoren dagegen grundsätzlich lassen sollten: Hebel- oder Short-ETFs als Kerninvestment einsetzen. Manche Anleger investierten per Sparplan in die Produkte, berichten ETF-Anbieter - und zeigen sich darüber verwundert: Das sei selbst ihnen zu riskant.

Auch wenn Privatinvestoren offenbar die Scheu vor Hebel- und Short-Produkten verloren haben: Die Produkte sind für sie im Grunde genommen nicht geeignet. Investmentstrategen raten Privatanlegern in der Regel, langfristig zu investieren. Das lässt sich mit Hebel- und Short-ETFs nicht sinnvoll machen, die oftmals auch noch teuer sind.

Momentan sehen Indexfondsanbieter Potenzial für Hebel- und Short-Produkte auf US-Finanzwerte. Anleger könnten sich mit Renten-Short-ETFs gegen steigende Zinsen in den USA absichern, heißt es, oder auf eine Rally bei US-Aktien setzen. Das klingt zwar verlockend. Allerdings ist für Kleinanleger das Risiko groß, dass auf die Rendite-Party der Kater folgt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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