Anlagekonzepte: Klüger als gedacht

Anlagekonzepte: Klüger als gedacht

, aktualisiert 24. November 2016, 08:11 Uhr
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Wer in ETFs investiert, liefert sich dem Auf und Ab des Marktes aus.

von Julia GrothQuelle:Handelsblatt Online

Nicht alle Indexfonds folgen blind einem Markt. Mittlerweile können Anleger auch andere Strategien umsetzen. Manchmal ist es allerdings ganz schön kompliziert. Worauf Sie achten müssen, um sich vor Verlusten zu schützen.

KölnWer Erfolg hat, besitzt auch Feinde. Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) haben von beidem eine Menge. Viele aktive Manager sind schlecht auf sie zu sprechen. Der Hauptvorwurf: Passives Geld ist dummes Geld. Das ist auf den ersten Blick sicher nicht ganz falsch. Wer in ETFs investiert, liefert sich dem Auf und Ab des Marktes aus. Es gibt kein Risikomanagement, das vor Verlusten schützt, wenn es abwärts geht. Und es gibt keinen Manager, der nach guten Investmentchancen sucht. Doch ETFs sind nicht mehr so simpel gestrickt wie früher. Mittlerweile können Anleger mit Indexfonds nicht nur in einzelne Assetklassen investieren, sondern auch komplexe Anlagestrategien umsetzen.

Für diese Strategie-ETFs hat sich in den vergangenen zwei Jahren ein neues Schlagwort eingebürgert: Smart-Beta. Manchmal ist auch von Strategic-Beta- oder Faktor-ETFs die Rede. Dahinter verbergen sich Indexfonds, die keine klassischen, nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes nachbauen, sondern nach alternativen Kriterien gewichtete Marktbarometer.

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Die Anbieter bedienen sich eines Kunstgriffs: Die ETFs bauen zwar weiter einen Index nach. Der hat aber nicht viel mit herkömmlichen Marktbarometern zu tun, sondern wird von den Anbietern selbst gestaltet. „Smart Beta ist kein Strohfeuer, sondern eine dauerhafte Weiterentwicklung der Indexfondsbranche“, sagt Detlef Glow, leitender Fondsanalyst beim Datenanbieter Thomson Reuters Lipper.

Zu den ältesten und beliebtesten Smart-Beta-Strategien gehört der sogenannte Low- oder Minimum-Volatility-Ansatz. Entsprechende Indexfonds gewichten gering schwankende Aktien besonders hoch. Der französische ETF-Anbieter Ossiam gehörte zu den Ersten, die entsprechende ETFs auf dem deutschen Markt anboten. Mittlerweile haben andere wie DB X-Trackers nachgezogen: Mitte November hat die Tochter der Deutschen Asset Management zwei neue Minimum-Volatilitäts-ETFs auf den Markt gebracht. Anleger sollen damit in Aktien aus den USA und der Euro-Zone investieren. „Wir erwarten, dass das schnelle Wachstum der Strategic-Beta-Produkte in den kommenden Jahren anhalten wird“, sagt Martin Weithofer, Leiter des Bereichs Strategic Beta bei der Deutschen Asset Management.

Zwei weitere gängige Smart-Beta-Strategien sind im Fachjargon unter den Namen "Size" und "Momentum" bekannt. Size-ETFs bauen Indizes nach, die sich aus Aktien von Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung zusammensetzen. Die Idee: Kleine Unternehmen besitzen größere Wachstumschancen als Konzerne. Anders als bei Small-Cap-ETFs, hier werden die Indexwerte nach Größe sortieren, haben Werte in Size-ETFs oft den gleichen Anteil.

Momentum-ETFs setzen dagegen gezielt auf Aktien, deren Kurse steigen - in der Annahme, dass sich der Anstieg fortsetzen wird. Fundamentaldaten spielen für die alternativ gewichteten Momentum-Indizes keine Rolle, es zählt allein die Kursentwicklung der jüngeren Vergangenheit. Die Zusammensetzung der Indizes wird regelmäßig überprüft und angepasst.


Nicht alle Strategie-ETFs sind kompliziert

Volatilität, Marktkapitalisierung und Momentum sind Faktoren, die die Performance von Aktien beeinflussen können - daher der Name Faktor-ETF. Nicht jeder Faktor kommt zu jeder Zeit zum Tragen. „Jede Strategie hat ihre Zeit. Keine der Strategien funktioniert immer“, warnt Glow. Zum Beispiel Minimum-Volatility-ETFs: „Die Strategie reduziert zwar in Abwärtsphasen die Verluste, kann aber in Aufwärtsphasen die Renditechancen schmälern.“ Anleger sollten nicht dem Trugschluss erliegen, mit einem oder zwei Smart-Beta-ETFs für jede Marktphase gut positioniert zu sein.

Die Indexfondsbranche ist inzwischen einen Schritt weiter. Seit einiger Zeit bringen ETF-Anbieter Produkte an, die auf mehrere Faktoren gleichzeitig setzen. Ein Beispiel: der „Europe Equity Multi Smart Allocation Scientific Beta UCITS ETF“ des französischen Anbieters Amundi. Der Indexfonds mit dem komplizierten Namen baut gleich vier Sub-Indizes nach, bei denen die Titelauswahl auf Basis der Faktoren Value, Size, Momentum und Volatilität erfolgt. Auch andere Anbieter, etwa iShares, Lyxor, Wisdom Tree und Invesco Powershares setzen verstärkt auf eine Kombination unterschiedlicher Faktoren. Multi-Faktor-ETFs sollen eine besonders stetige Performance liefern, weil sie nicht nur in einer einzigen Marktphase funktionieren. Von herkömmlichen ETFs sind sie allerdings weit entfernt. Wegen ihrer Komplexität gelten sie unter Marktkennern eher als halb-aktive Fonds.

Nicht alle Strategie-ETFs sind derart kompliziert. Anleger können mit Indexfonds auch auf altbekannte Strategien wie Value oder Growth setzen, also gezielt in Substanz- oder Wachstumswerte investieren. Und noch einen weiteren Klassiker gibt es in Indexfonds-Form: Dividendenstrategien. Dabei investieren Anleger in Aktien mit besonders hoher Ausschüttung. Wegen der niedrigen Zinsen sind Dividendenstrategien derzeit besonders beliebt.

Ausgerechnet dort machen sich aber die Schwächen von ETFs bemerkbar. Erstens sind einige Branchen in Dividenden-ETFs überproportional stark vertreten, etwa die Finanzbranche. Zweitens sind hohe Dividendenrenditen nicht immer auf hohe relative Ausschüttungen zurückzuführen, sondern könnten genauso gut auf gefallene Aktienkurse hindeuten. Bankanteilsscheine etwa bieten üblicherweise hohe Ausschüttungen. Als sie im Zuge der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 Probleme bekamen, stürzten Dividenden-ETFs reihenweise ab. Viele aktive Dividendenfondsmanager hatten zu diesem Zeitpunkt bereits die Bankaktien-Quote in ihren Portfolios reduziert und konnten hohe Verluste vermeiden. In der Folge hieß es wieder einmal, passives Geld sei dummes Geld. Was in diesem Einzelfall dann tatsächlich stimmte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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