Anlagen in Schwellenländern: Eine Wette auf Pekings Masterplan

Anlagen in Schwellenländern: Eine Wette auf Pekings Masterplan

, aktualisiert 26. März 2016, 13:37 Uhr
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Das Riesenreich befindet sich im Wandel.

von Gian HessamiQuelle:Handelsblatt Online

Viele Anleger kehren Schwellenländern den Rücken, denn trotz des im Vergleich zu den Industrieländern dynamischen Wachstums bergen sie gewisse Risiken. Dabei bieten Investments in China oder Indien noch immer Chancen.

Vor zehn Jahren waren sie bei den Anlegern heiß begehrt: die Schwellenländer. Auf dem Weg vom Entwicklungs- zum Industriestaat erzielen sie hohe Wachstumsraten. Eine hohe Arbeitsproduktivität, ein niedriges Lohnniveau, schneller Ausbau der Infrastruktur und ein stark steigender Konsum zeichnen sie aus.

Investmenthäuser verschafften vor allem den BRIC-Ländern große Bekanntheit. Der Begriff steht für Brasilien, Russland, Indien und China. Experten sprachen ihren Aktienmärkten großes Potenzial zu. Die Erwartungen wurden zunächst erfüllt. So marschierte der S&P BRIC 40, der die 40 führenden börsennotierten Unternehmen der vier Länder umfasst, von 2005 bis 2007 sowie 2009 schnurstracks nach oben.

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Doch die Euphorie ist verpufft. Der BRIC-Index hat in den vergangenen fünf Jahren mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Die Erkenntnis: Die globale Krise macht auch vor den Schwellenländern nicht halt. Investoren verabschiedeten sich in großem Stil aus den Emerging Markets. Nach Angaben von JP Morgan zogen Anleger 2015 allein aus Aktienfonds mit Schwerpunkt Schwellenländer rund 68 Milliarden Euro ab.

Die Wachstumsdynamik hat an Schwung verloren. Brasilien und Russland sind sogar in die Rezession gerutscht- nicht zuletzt wegen des Preisverfalls auf den Ölmärkten. Dennoch betrachten nicht wenige Experten das Ausmaß der Kurstalfahrt als ungerechtfertigt und überzogen. Sie sehen Chancen für risikobereite Anleger.


Unsicherheiten an den Börsen

Das gilt insbesondere für China. „Trotz des zuletzt gebremsten Wirtschaftswachstums bleibt China eines der am schnellsten wachsenden Länder der Welt“, sagt Mark Mobius, Fondsmanager bei Franklin Templeton. Der prominente Asien-Börsenexperte hebt hervor, dass das Reich der Mitte derzeit einen Strukturwandel durchläuft.

"Bei unseren letzten Reisen in verschiedene Städte des Landes hatten wir den Eindruck, dass der Dienstleistungssektor stark wächst", so der Experte. Die jüngsten Korrekturen bieten laut Mobius langfristigen Anlegern eine gute Chance. Dies gelte besonders für die in Hongkong gelisteten Aktien, die sich auf einem historisch niedrigen Kursniveau befänden. Zudem profitiere die chinesische Exportwirtschaft von der Yuan-Abwertung.

"Peking will sich durch Reformen und umfassendere globale Projekte auf dem internationalen Parkett einen Platz sichern", sagt Peter Sengelmann, Fondsmanager bei NN Investment Partners. Dies bedeute auch einen innenpolitischen Umbruch. "Das Reich der Mitte ist im Wandel.

Für den Rest der Welt kommt dies ein wenig zu schnell", verweist der Experte auf die jüngsten Unsicherheiten an den Börsen. Sengelmann geht davon aus, dass die Wirtschaft des bevölkerungsreichsten Landes der Welt mit seinen 1,4 Milliarden Menschen weiterhin deutlich wachsen wird. "China hat einen Masterplan und ein klares Ziel vor Augen", resümiert der Marktexperte.


Das Reich der Mitte ist im Wandel

Auch dem mit rund 1,3 Milliarden Menschen zweitbevölkerungsreichsten Land der Welt - Indien - wird an den Aktienmärkten durchaus Potenzial zugetraut. "Indien hat die richtige Mischung aus privaten Unternehmern, was für die langfristig guten Wachstumsaussichten spricht", meint Mobius.

Dies gelte sowohl für die traditionelle Fertigungsindustrie als auch für den innovativen Teil der Arzneimittel- und Technologie-Branche. Der Asienexperte traut Indien daher in Zukunft einiges zu. "Mit einer so großen Bevölkerungsbasis und einer nach wie vor stark zunehmenden Konsumnachfrage bleibt Indien eine der letzten, wirklichen Bastionen für das Wachstum."

Trotz des im Vergleich zu den Industrieländern dynamischen Wachstums bergen Emerging Markets gewisse Risiken. So besteht in vielen aufstrebenden Ländern eine geringe Rechtssicherheit. Als größter Risikofaktor gilt derzeit jedoch die US-Notenbank.

Erhöht die Fed den Leitzins, drohen in den Emerging Markets Verwerfungen. Viele ausländische Anleger würden wohl Kapital aus Schwellenländern abziehen und in Dollar umschichten.

Wie viel Potenzial steckt nun in den Schwellenländern? Die jüngste Entwicklung des S&P BRIC 40 stimmt zumindest zuversichtlich. In den vergangenen Wochen kannte das Börsenbarometer der vier Schwellenländer nämlich fast nur noch eine Richtung: aufwärts.

Quelle:  Handelsblatt Online
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