Anlagestrategie: Hohe Dividendenrenditen geschickt nutzen

Anlagestrategie: Hohe Dividendenrenditen geschickt nutzen

, aktualisiert 21. Februar 2016, 08:39 Uhr
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Gestapelte Geldmünzen liegen auf Geldscheinen: Ein guter Teil des Gewinnes bei Aktien macht die Dividendenrendite aus, meinen Vermögensverwalter.

Quelle:Handelsblatt Online

Etliche Aktien weisen aufgrund der jüngsten Kursturbulenzen hohe Dividendenrenditen aus. Für Anleger ergeben sich dadurch attraktive Gelegenheiten. Welche Aktien kaufenswert sind.

FrankfurtSeit dem Jahresanfang sind über der heilen Welt erfolgsverwöhnter Aktionäre dunkle Gewitterwolken aufgezogen. China-Crash, niedriger Ölpreis und Absturz der Bankaktien sorgen für Verstimmung an den Börsen. Und so sind die Kurse an der Wall Street und in Frankfurt zum Start ins neue Börsenjahr kräftig unter Druck geraten. Die Folge: Die ausgewiesenen Dividendenrenditen vieler Aktien sind in die Höhe geschossen.

Kein Wunder: Während die Kurse gepurzelt sind, blieben die Gewinnerwartungen der Unternehmen davon unberührt. Schließlich passen die Vorstände ihre Jahresprognosen nicht täglich den Börsenkursen an. Da die Dividendenrendite einer Aktie sich aus Dividendenerwartung und aktuellem Kurs berechnet, locken nun vermeintlich günstige Einstiegskurse. So weisen die Dax-Aktien Eon, Daimler, Allianz oder BASF und K+S jeweils eine Dividendenrendite von mehr als Prozent oder sogar darüber aus. Verglichen mit den mageren Null-Renditen, die Anleihen mit guter Bonität derzeit bieten, sind das Spitzenwerte.

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„Anleger sollten jedoch nicht blind zugreifen“, mahnt Max Schott von Sand und Schott aus Stuttgart. Selbst historisch stabile Gewinnmargen blieben nicht für alle Zeiten stabil. „Aktuell lauern die Gefahren aus unserer Sicht besonders bei Rohstoffunternehmen wie beispielsweise bei der australischen BHP Billiton“ so Schott. „Anleger sollten zudem bei Unternehmen vorsichtig sein, die starke Schwankungen in den Gewinnen und Cashflows aufweisen. Das ist insbesondere bei zyklischen Werten oft der Fall“, so Schott.

Anleger, die dividendenstarke Aktien für einen längeren Zeithorizont suchen, sollten deshalb nicht nur auf die aktuelle Dividendenrendite schauen, sondern auf das Gesamtbild, rät auch Andreas Görler von Wellinvest Pruschke & Kalm. Auch an den Beispielen Eon und RWE werde dies deutlich. Die beiden Versorger – über viele Jahre hinweg Garanten für hohe Gewinne und Dividenden – stecken in einer schwierigen Umstrukturierungs- und Neuorientierungsphase. So hat beispielsweise bereits RWE seine Dividende bereits gestrichen.

Insgesamt sei der Versorger- und Rohstoffbereich derzeit anfällig. Im Jahr 2014 zogen Staatsfonds und Großinvestoren rund 50 Milliarden US-Dollar aus diesen Bereichen ab, im vergangenen Jahr waren es bereits 3,4 Billionen US-Dollar. „Nach meiner Auffassung ist das kein kurzfristiger Trend. Deshalb rechne ich bei Versorgern und Rohstoffunternehmen eher mit fallenden Dividenden und weiteren Kurskorrekturen nach unten“, so Görler.

Doch bei welchen Unternehmen und deren Aktien ergeben sich derzeit Chancen? „Solide Bilanzen sowie gewinnbringende und etablierte Geschäftsmodelle sind unverzichtbar für den langfristigen Erfolg“, sagt Markus Steinbeis von Huber, Reuss & Kollegen. „Wichtig ist aber vor allem, dass die Unternehmen selbst in konjunkturellen Abschwüngen gute Gewinnmargen erzielen, was eine nachhaltige Dividendenausschüttung sehr wahrscheinlich macht“, so Steinbeis. Bei solchen Qualitätsaktien handelte es sich meist um renommierte Weltfirmen mit einzigartigen Produkten, die aufgrund ihrer besonderen Marktstellung ständig nachgefragt werden.


Die Dividendenperlen

Diese „Dividendenperlen“ blieben in der Regel im Kurs stabiler und erholten sich schneller als durchschnittliche Dividendentitel. „Investoren, die bei der Aktienauswahl ihre Hausaufgaben gemacht haben, erkennen früher oder später, dass Dividenden einen wesentlichen Teil ihrer Aktienrendite ausmachen“, sagt Markus Steinbeis. Versicherungen wie Allianz, Münchner Rück, Zürich Financial oder Pharmawerte wie Roche, Novartis oder Pfizer seien gute Beispiele für Konzerne, die langfristig solide Gewinne erwirtschaften und ihre Anleger mit hohen Dividenden belohnen.

Anleger, die weniger langfristig denken, können die aktuelle Marktsituation niedrigerer Kurse und gestiegener Volatilitäten bei dividendenstarken Titeln taktisch für sich nutzen. Denn es gibt eine Möglichkeit, die hohen Dividendenrenditen bei reduziertem Risiko einzufahren. Die Lösung: Discount-Zertifikate auf dividendenstarke Aktien.

Der Trick: Bei diesen Zertifikaten werden die für die betreffenden Aktien erwarteten künftigen Gewinnausschüttungen dazu genutzt, um die Konstruktionen der Zertifikate überhaupt möglich zu machen. Anleger legen sich also mit diesen Produkten Papiere ins Depot, in denen die erwarteten Dividenden bereits enthalten sind. Sie sichern sich dadurch bei Kauf des Produktes die erwarteten Dividenden für die Laufzeit des Zertifikates.

Zudem sichern sich Anleger über ein Discount Zertifikat gleichzeitig in gewissem Umfang gegen Kursrückgänge ab. Eine hohe Volatilität sorgt dabei zusätzlich für eine Preisreduzierung der Discountzertifikate während der Laufzeit – was zum Ende der Laufzeit eine höhere Rendite bedeuten kann.

Discountzertifikate verbriefen also ein Versprechen auf Dividenden, die im ungünstigsten Fall für den Emittenten geringer ausfallen oder gar nicht ausgezahlt werden. Sollten später tatsächlich vom betreffenden Unternehmen weniger Dividenden gezahlt werden als ursprünglich prognostiziert, zum Beispiel wegen einer überraschenden Dividendenkürzung, geht das zu Lasten des Emittenten. Da dieser Effekt den Emittenten selbst natürlich auch bewusst ist, sind solche Risiken zum Teil eingepreist. Die besten Konditionen gibt es deshalb bei Aktien, bei denen die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Dividendenzahlung sehr gering ist. Darüber hinaus gilt:

„Je kürzer die Restlaufzeit des Discountzertifikats, desto höher ist die implizite Volatilität. Und je höher die Volatilität, desto besser rechnen sich Discountzertifikate“, erklärt Ottmar Wolf von Wallrich Asset Management. Anleger, die sich mithilfe von Discountzertifikaten hohe Dividendenversprechen im Voraus sichern wollen, sollten deshalb Discountzertifikate mit kurzer Restlaufzeit auf Aktien mit hoher Dividendenrendite bevorzugen.


Ausgewählte Discountpapiere

Beim Timing sollten Anleger zudem auf den nächsten Hauptversammlungstermin des Unternehmens achten, dessen Aktie dem jeweiligen Zertifikat als Basiswert dient. „Idealerweise endet die Laufzeit des Discountzertifikats kurz vor der Hauptversammlung, auf der die Dividenden beschlossen werden“, so Wolf.

Denn kurz vor einer Dividendenzahlung verkaufen erfahrungsgemäß erheblich weniger Anleger ihre Aktien als nach der Dividendenausschüttung. „Das erhöht bei den betreffenden Zertifikaten die Wahrscheinlichkeit, die maximal erzielbare Rendite tatsächlich einzufahren“, erklärt Ottmar Wolf.

Als Beispiel dafür nennt er Discountzertifikate auf die Aktie des Chemiekonzerns BASF. Der Termin der Hauptversammlung ist der 29. April 2016. Der Kurs der Aktie steht derzeit bei rund 62 Euro. Ein Discountzertifikat (WKN DG68V7) auf BASF mit einem Cap bei 55 Euro und einer Laufzeit bis zum 22. Juni 2016 – also deutlich nach der Hauptversammlung – bietet derzeit eine maximale Rendite von knapp sechs Prozent. Das entspricht ungefähr der erwarteten Dividendenrendite der Aktie. Auf das Jahr hochgerechnet ergibt das eine Rendite von 16,6 Prozent per annum.

Zum Vergleich: Ein Discountzertifikat auf BASF mit 55er-Cap und einer Laufzeit bis zum 21. April 2016 – also kurz vor der BASF-Hauptversammlung – bietet zwar nur eine Rendite von 3,1 Prozent (WKN CD1G58). Aufs Jahr gerechnet ergibt das eine Rendite von immerhin 17,4 Prozent per annum. Erheblicher Vorteil dieses Zertifikats: Die Restlaufzeit ist wesentlich kürzer und damit auch das Risiko für Kursverluste deutlich geringer.


Aktienanleihen als Alternative

Wer nicht bis zur Fälligkeit von Discountzertifikaten warten will, bis der geplante Gewinn auf dem Anlagekonto erscheint, kann alternativ auch auf Aktienanleihen zurückgreifen. Vom Chancen-/Risikoprofil her gleichen sich Aktienanleihen und Discountzertifikate. Aktienanleihen bieten jedoch während der Laufzeit Zinskupons anstelle eines Rabatts auf den Kurs des Basiswertes, wie dies bei Discountzertifikaten der Fall ist. Diese Zinskupons liegen deutlich über dem Marktdurchschnitt für klassische Anleihen.

Beispiel: Eine Aktienanleihe auf den Basiswert Allianz, eine Aktie, die eine Dividendenrendite von rund fünf Prozent aufweist. Eine Aktienanleihe, herausgegeben von der Deutschen Bank (WKN XM4A38) mit Laufzeit bis zum 20. April 2016 – zwei Wochen vor der Hauptversammlung der Allianz. Die Aktienanleihe hat einen Kupon von 5,20% Prozent und lockt aktuell mit einer Rendite von 12,3 Prozent per annum.

Anleger, die mit längerem Atem und nicht in ausgewählte Einzeltitel investieren wollen, finden eine Reihe von ETF-Lösungen, die in Dividenden-Titel investieren und regelmäßig Anpassungen vornehmen. Gute Beispiele dafür sind etwa ETFs des Emittenten Wisdom Tree. Das US-Unternehmen hat vor zwei Jahren verschiedene Produkte auf dem deutschen Markt eingeführt, die internationale Dividendentitel beinhalten und quartalsweise ausschütten.

Dazu zählen unter anderem der WisdomTree Europe Equity Income (ISIN DE000A14ND38) und der WisdomTree US Equity Income (ISIN DE000A14ND12), die jeweils die Kursentwicklung mehrerer Hundert dividendenstarker Aktienwerte abbilden und die eingezogenen Dividenden vierteljährlich an die Anleger ausschütten. Gerade für Anleger, die auf regelmäßigen Kapitalfluss als Alternative zu Anleihen-Investments setzen, bieten sich solch ausschüttende ETFs an.


Weitere Beispiele für Dividendenprodukte

Ein weiteres Beispiel ist der ETF Euro Stoxx Select Dividend 30 von iShares (ISIN DE0002635281), der die Wertentwicklung der 30 dividendenstärksten Aktien aus den Ländern der Eurozone nachvollzieht. Der Index, der dem ETF als Basiswert dient, enthält ausschließlich Unternehmen, deren Dividende in den vergangenen fünf Jahren nicht gesunken ist und bei denen das Verhältnis von Dividende zu Gewinn je Aktie höchstens 60 Prozent beträgt.

In den zurückliegenden zwölf Monaten hat sich der Dividenden-ETF gut fünf Prozent besser entwickelt als der Euro Stoxx 50 Index. Ebenso wie die WisdomTree-Produkte schüttet der iShares-ETF regelmäßig die Dividenden der im Index enthaltenen Aktien aus.

Weitere Beispiele für Dividenden-Produkte sind die beiden ETFs auf den Stoxx Global Select Dividend 100 Index von db x-trackers (WKN DBX1DG) und iShares (WKN A0F5UH). Der Index, auf den sich die beiden ETFs beziehen, enthält 100 Aktien mit hohen Dividendenausschüttungen aus dem Stoxx Global 1800 Index, der sich aus 600 europäischen, 600 nordamerikanischen und 600 Werten aus dem asiatisch-pazifischen Raum zusammensetzt. Der Index ist dadurch breiter diversifiziert als der Euro Stoxx Select Dividend 30 Index – enthält aber aufgrund der weltweiten Streuung auch ein gewisses Währungsrisiko.

Fazit: Anlegern, die die gesunkenen Aktienkurse und die gestiegenen Volatilitäten zum Einstieg nutzen wollen, bieten sich gezielte Dividendenstrategien an. Um das Risiko einer Aktienanlage zu reduzieren, empfehlen sich Discountzertifikate oder Aktienanleihen auf solide Basiswerte mit hoher Dividendenrendite und langer Dividendenhistorie.

Der Preis für solch eine Strategie ist eine Begrenzung der Kurs-Chancen und ein – trotz Risikopuffer durch den Rabatt – immer noch vorhandenes Kursrisiko, das bei Aktien niemals auszuschließen ist. Wer langfristiger denkt und die Investition in Einzelaktien oder entsprechende Derivate scheut, kann in spezielle Dividenden-Index-ETFs investieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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