Anlagestrategie: Was tun, wenn sich Sparen nicht mehr lohnt?

Anlagestrategie: Was tun, wenn sich Sparen nicht mehr lohnt?

, aktualisiert 20. März 2016, 14:39 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Spätestens seit der letzten Zinssenkung der EZB auf 0,0 Prozent ist klar – für Zinsen und die automatische Geldmehrung gibt es keine Garantie. Was Sie tun können, wenn Sie ihr Geld nicht auf dem Sparbuch horten wollen.

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Wenn sich Sparen allein nicht mehr lohnt.

BerlinNachdem die Europäische Zentralbank den Leitzins erstmals auf null gesenkt hat, fragen sich viele Verbraucher: was tun? Sparen lohne sich, so heißt es, kaum noch. Denn die Zinssätze für Sparguthaben, Fest- und Tagesgelder purzeln bei manchen Sparkassen und Banken immer weiter. Kupons von 0,1 Prozent sind eher die Regel als die Ausnahme. Doch es gibt durchaus Alternativen – auch ohne hohe Risiken.

Staatsanleihen

Sicher, aber unrentabel sind derzeit Bundesanleihen: Wer Deutschland für zehn Jahre Geld leiht, kriegt derzeit nicht mehr als 0,28 Prozent. Laufzeiten bis zu sieben Jahren sind sogar negativ verzinst. Allerdings geht es auch anders: Der irische Staat zahlt für zehnjährige Anleihen 0,9 Prozent, Italien 1,33 und Portugal 2,8 Prozent.

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Außerhalb der Euro-Zone wird es noch attraktiver. Von den USA erhalten Anleger bereits für fünf Jahre 1,5 Prozent. In Australien sind es sogar 2,25 Prozent. Einige Staaten versprechen noch weit höhere Zinskupons und Renditen, allerdings gegen ein entsprechendes Risiko: Ablesbar ist das Risiko am Bonitäts-Rating des Staates. Bewertungen zwischen Triple A, AA und A bis Triple B gelten als verlässlich für Privatanleger.

Unternehmensanleihen

Die niedrigen Zinsen locken immer mehr Unternehmen zur Finanzierung an die Kapitalmärkte. Sie haben dadurch zwischen 2009 und 2015 bereits bei Bankkrediten rund 400 Milliarden Euro Zinsen gespart, ergab eine Studie der ING Diba. Auch an den Märkten, wo ihnen Kreditgeber ohne größere Rechte Geld leihen, müssen sie inzwischen nur noch wenig hinblättern. Hier gelten ähnliche Regeln wie bei Staatsanleihen: Unternehmen mit einem Best-Rating bringen Zinsjägern nur noch wenig – allerdings immer noch etwas mehr als reine Zinskupons auf dem Sparbuch. Anleihen ohne Best-Rating werfen dagegen mit drei bis fünf Jahren Restlaufzeit noch Sätze von deutlich über einem Prozent ab: zum Beispiel Papiere von Renault, HSBC oder der Deutschen Bank.

Zins-Hopping

Niemand ist gezwungen, sein Geld gegen Minizinsen auf Tagesgeldkonten anzulegen. Autobanken und ausländische Institute bieten bei vergleichbarer Sicherheit dank deutscher oder europäischer Einlagensicherung zum Teil noch immer gute Konditionen. Spitzenreiter für Festgelder von zwei Jahren ist zum Beispiel die französische Crédit Agricole mit 1,35 Prozent pro Jahr. In Deutschland liegt die Deutsche Pfandbriefbank, die frühere Hypo Real Estate (HRE), mit 1,15 Prozent weit vorne. Tagesgelder – also täglich verfügbare Zinskonten (meist) ohne Zinsbindung – werfen zum Beispiel bei der Audi Bank und bei der ING Diba 1,2 Prozent ab, wobei der Satz vier Monate lang garantiert ist. Die Consorsbank bietet ein Prozent garantiert für zwölf Monate. Meist sinkt die Verzinsung anschließend allerdings erheblich. Gute Sätze erhalten oft auch nur Neukunden.


Darf's eine Aktie mehr sein?

Dividenden

Die Gewinnausschüttungen der Unternehmen in Europa sind auf Rekordkurs. 30 Milliarden Euro könnten allein die 30 Dax-Unternehmen in diesem Jahr an ihre Eigner, die Aktionäre, ausschütten – so viel wie nie zuvor. Die Allianz etwa zahlt einen Tag nach ihrer Hauptversammlung am 4. Mai für jede Aktie eine Dividende von 7,30 Euro aus. Wer die Aktie besitzt, erhält damit, gemessen am aktuellen Kurs, eine Rendite von 5,18 Prozent. Gut ein Drittel der 30 Standardwerte zahlt derzeit Dividenden von mehr als vier Prozent: Darunter sind die BASF, die Deutsche Post, BMW und Daimler.

Im Euro Stoxx 50, der die größten börsennotierten Aktien der Euro-Zone vereint, liegen die Dividendenrenditen derzeit im Schnitt noch höher. Die spanische Telefonica und der französische Strom- und Gaskonzern Engie zahlen gut sieben Prozent, die italienischen Konzerne Eni (Öl) und Intesa (Bank) mehr als sechs Prozent, weitere elf Unternehmen über fünf Prozent. Allerdings zeigt das Beispiel Engie, dass eine sehr hohe Dividendenrendite nicht immer auf eine stabile Finanzlage, sondern auf gefallene Kurse zurückzuführen ist. Der Konzern hatte gerade hohe Verluste gemeldet. Der Anleger kann die Entscheidung auch einem Fondsmanager überlassen und spezielle Dividenden-Papiere kaufen, etwa den Lyxor Stoxx Europe Select Dividend 30 oder den DWS Top Dividende.

Aktien

Wer direkt in Aktien investieren will, sollte darauf achten: Kurzfristiges Denken und einseitiges Anlegen führen zu hohen Risiken – mit langfristigem Denken und breiter Streuung lagen Investoren zumindest in der Vergangenheit stets im Plus. Dies belegt auch das Rendite-Dreieck des deutschen Aktieninstituts: Wer im Dax insgesamt angelegt hatte, lag in den vergangenen 50 Jahren immer im Plus – wenn er zumindest zwölf Jahre investiert blieb. Dies galt auch für Investments kurz vor einem Crash.

Derzeit ist die Lage durchwachsen: Der Dax notiert auf Jahressicht 16 Prozent im Minus, im Fünfjahresvergleich aber rund 50 Prozent im Plus. Welche Branchen oder Einzelwerte in Zukunft zu den Gewinnern gehören werden, kann niemand wissen. So konnte ein Investor seit 2011 Glück haben, wenn er sich für Conti entschieden hat und ein Plus von 229 Prozent einheimste. Ein Pechvogel griff vielleicht zu RWE und steht nun mit einem Fünfjahresminus von etwa 75 Prozent da.

Daher raten Profis immer öfter zum Investment in den gesamten Markt, etwa über passive Fonds. Grundsätzlich gilt: nur an schwachen Tagen kaufen, breit streuen, Geduld haben und auf niedrige Gebühren achten. Im Schnitt warfen Aktienfonds für deutsche Papiere binnen fünf Jahren 6,1 Prozent pro Jahr ab, binnen 20 Jahren waren es 6,7 Prozent.

Übrigens: Nahezu alle Banken bieten auch Sparpläne für Aktienfonds an. Die Rendite: nach Kosten 6,7 Prozent bei globalen Aktien und 7,7 Prozent bei deutschen Aktien, nach Kosten.


Anleihen oder Aktien? Oder eine Mischung aus beidem?

Aktienanleihen

Wer Sicherheit und Risiko mischen will, kann auf Aktienanleihen ausweichen. Ihr Prinzip: Ein Anleger investiert eine bestimmte Summe in ein Papier und erhält dafür einen verlässlichen, meist relativ hohen Zins. Der Preis dafür: Er ist nicht an größeren Kursgewinnen beteiligt. Zudem erhält er nach Ablauf der Laufzeit und deutlich fallenden Kursen keine Rückzahlung in bar, sondern in Aktien. Ein Beispiel: Die Crédit Suisse bietet eine Protect-Aktienanleihe auf Siemens an. Das Papier läuft zwölf Monate, anschließend erhält der Investor einen Zinskupon von 5,6 Prozent. Steigt die SiemensAktie bis dahin, wird er davon jenseits des Kupons nicht profitieren. Fällt die Aktie, erhält der Anleger so lange den Einsatz plus die Zinsen zurück, wie der Kurs nicht unter 80 Prozent des Ausgangsniveaus fällt. Sinkt er tiefer, zahlt die Crédit Suisse nicht in bar, sondern in Aktien zurück. Ähnliche Konstruktionen gibt es von vielen Emittenten zu Aktien aller Art.

Offene Immobilienfonds

Die Immobilienmärkte boomen. Wer jedoch nicht gleich selbst eine Immobilie kaufen und sich damit langfristig binden möchte, kann auch kleines Geld investieren und einen offenen Immobilienfonds kaufen. Damit beteiligt er sich, je nach Fonds, an Hotel- und Gewerbeimmobilien in Deutschland, Europa oder weltweit. Um zu verhindern, dass die Fonds bei größeren Fonds-Rückgaben eine Immobilie schnell zu jedem Preis verkaufen müssen, hat der Gesetzgeber Fristen verordnet. Wer die Immo-Fonds kauft, muss sie 24 Monate halten und zwölf Monate vor dem gewünschten Verkauf kündigen. Dafür erhielt er, je nach Anlagezeitraum, „Zinsen“ zwischen 2,3 und 3,3 Prozent pro Jahr.

Quelle:  Handelsblatt Online
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