Anlegen trotz Niedrigzinsen: Deutsche Sparer wollen endlich wieder Rendite

Anlegen trotz Niedrigzinsen: Deutsche Sparer wollen endlich wieder Rendite

, aktualisiert 19. Mai 2016, 10:39 Uhr
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Die Deutschen gehen wieder stärker ins Risiko.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Lange blieben sie ihrer extrem konservative Anlagestrategie treu, doch nun steuern die Deutschen um. Ob aus Überzeugung oder aus blanker Not in Zeiten von Niedrigzinsen – die Suche nach Rendite beginnt.

DüsseldorfNun also doch. Die Deutschen Anleger reagieren auf das Niedrigzinsumfeld. Die Volkswirte der Bundesbank sehen „Anzeichen für Portfolioumschichtungen in renditestärkere Anlageformen in Deutschland“. Das geht aus dem aktuellen Monatsbericht der Währungshüter hervor. Lange Jahre hatte es so ausgesehen, als ob die Deutschen ihren Spareinlagen stoisch treu bleiben – Hauptsache sicher, bloß kein Risiko eingehen. Doch damit entgingen ihnen jede Menge Chancen.

Doch das scheint sich nun zu ändern. Laut Bundesbank hat „die Such nach Rendite im Jahr 2015 eine gewisse Rolle gespielt“. Übersetzt heißt das: Es floss weniger Geld auf Tagesgeldkonten, Sparbücher oder in Schuldverschreibungen. „Deutlich zugenommen hat das Engagement in Investmentfondsanteilen, deren Rendite im Mittel typischerweise höher ausfällt als die von Bankeinlagen, aber gleichzeitig weniger volatil ist als die von Aktien“, heißt es in dem Bericht. „Hierin zeigt sich eine auf makroökonomischer Ebene erstmals seit Beginn der Finanzkrise sichtbare aktive Renditesuche und damit eine Akzeptanz gewisser Risiken in der Geldanlage seitens der privaten Haushalte.“

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Noch im vergangenen Herbst waren die Bundesbank-Volkswirte zu dem Schluss gekommen, dass die anhaltenden Niedrigzinsen das Sparverhalten der Deutschen bislang nur wenig beeinflusst haben. Es sei kein „Run“ auf Aktien zu verspüren, die laut Bundesbank „seit 1991 im Mittel eine jährliche reale Rendite von gut acht Prozent“ einbrachten und „damit die renditestärkste Anlageform im Portfolio“ sind.

Dass die Deutschen wieder stärker ins Risiko gehen, hatten bereits die Zahlen des Deutschen Aktieninstituts gezeigt. Um gut eine halbe Million war die Zahl der Aktionäre im vergangenen Jahr gestiegen. Gut neun Millionen Deutsche besaßen im Jahr 2015 Einzelaktien oder Aktienfonds. Das sind rund 14 Prozent der Bevölkerung im Alter über 14 Jahren. „Das Vertrauen in die Aktie kehrt zurück“, jubelten die Aktien-Lobbyisten Anfang Februar in ihrer Studie.


Hohe Renditen mit Aktien

Argumente für Aktien gibt es viele. Eines der besten liefert wohl Monat für Monat die Statistikabteilung des Fondsverbands BVI: Wer beispielsweise 20 Jahre lang Monat für Monat 100 Euro (also insgesamt 24.000 Euro) in einen Aktienfonds Deutschland investiert hat, kann sich heute über satte 42.227 Euro oder eine jährliche Rendite von 5,3 Prozent freuen.

Und in diesen Zeitraum fallen mit dem Platzen der Internetblase, der Immobilienkrise und der Schuldenkrise drei heftige Crash. Der Dax war zeitweise bis zu 70 Prozent abgestürzt. Doch wer durchhielt, wurde belohnt.

Auch auf kürzere Sicht lohnt ein solcher Sparplan: Wer zehn Jahre lang sparte, also 12.000 Euro investierte, besitzt heute 16.172 Prozent. Die Rendite lag mit jährlich 5,8 Prozent sogar noch etwas höher, weil dieser Zeitraum im Grunde nur die Schuldenkrise enthält.

Auch der BVI freut sich übrigens Monat für Monat über Kapitalzuflüsse in Fonds. Die Anleger denken also um. Damit machen es die Sparer im Grund den Versicherern und Pensionskassen nach. Wie aus dem Bundesbank-Bericht hervorgeht, haben vor allem Versicherer und Pensionskassen im vergangenen Jahr ihre längerfristigen Bankeinlagen abgebaut. Ihren Bestand an inländischen Fondsanteilen haben sie hingegen deutlich erhöht.

Und die Versicherer kauften zunehmend ausländische Anleihen, vor allem von Banken und Staaten aus der Euro-Zone. „Dieses Verhalten bestätigt den Eindruck einer gewissen Renditesuche auf Seiten der Versicherungen“, schreiben die Volkswirte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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