Anleihe-Auktion: Bund leiht sich Geld fast für lau

Anleihe-Auktion: Bund leiht sich Geld fast für lau

, aktualisiert 20. April 2016, 14:52 Uhr
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Der Bund verdient Geld mit vielen Schulden.

von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Deutschland zahlt Investoren für die zehnjährige Anleihe so wenig Rendite wie zuletzt vor einem Jahr. Und es könnte bald noch billiger werden. Die Marke von null Prozent bleibt auch bei der langen Laufzeit im Blick.

FrankfurtBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kann sich wieder einmal freuen. Die Niedrigzinsen sparen ihm viel Geld. Sechsmonatige Schatzanweisungen rentieren zuletzt mit minus 0,5 Prozent, fünfjährige Bundesobligationen mit minus 0,36 Prozent. Bondplatzierungen sind damit eine Art Gelddruckmaschine für den Bund. Statt Zinsen zu zahlen bekommt der Bund von Investoren eine Art Parkgebühr dafür, dass er ihr Geld sicher verwahrt.

Bei der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Pendant für langfristige Kapitalmarktzinsen sehr im Fokus der Investoren ist das noch nicht ganz so weit. Dennoch: Günstiger als jetzt kam Deutschland erst einmal an Zehnjahresgeld. Für die Bürger als Steuerzahler ist das ein Grund zur Freude - für die Bürger als Sparer ein Ärgernis.

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Am heutigen Mittwoch hat der Bund die zehnjährige Anleihe um vier Milliarden Euro aufgestockt, und das zu einer Rendite von durchschnittlich nur 0,15 Prozent. Die Kupon der Anleihe beträgt zwar 0,5 Prozent, der Ausgabekurs lag aber bei 103,4 Prozent und damit über den 100 Prozent, zu dem die Anleihe getilgt wird. Bei der letzten Aufstockung vor gut einem Monat lag die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe noch bei 0,3 Prozent, bei der Ausgabe im Januar waren es 0,59 Prozent.

Anfang diesen Monats hatte es noch so ausgesehen als würde auch die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bald in negatives Terrain rutschen. Ihr Jahrestief erreichte sie bei 0,07 Prozent. Niedriger hatte sie nur am 17. April 2015 gelegen; damals fiel sie auf bis zu 0,05 Prozent. Wenige Tage später stockte der Bund die zehnjährige Anleihe um vier Milliarden Euro zu einer Rendite von 0,13 Prozent auf und refinanzierte sich damit in dieser langen Laufzeit so günstig wie noch nie. In den folgenden Wochen fielen die Kurse aber, und die Rendite schnellte auf bis zu ein Prozent nach oben.

Dass sich ein solcher Crash am Rentenmarkt wiederholt, glauben Analysten nicht, obwohl Investoren angesichts der jüngsten Erholung der Aktienmärkte im Handel zuletzt weniger Bundesanleihen nachfragten. Entsprechend sind die Renditen wieder etwas höher. „Im vergangenen Jahr war die Rally zunächst vor allem den Käufen der Europäischen Zentralbank geschuldet, und die Renditen waren zu schnell gefallen“, sagt Rainer Guntermann, Zinsstratege bei der Commerzbank. „Diesmal gibt es neben dem EZB-Kaufprogramm aber die erhöhten Konjunktursorgen, und die waren vor einem Jahr nicht so ausgeprägt.“


Analysten glauben an neue Rendite-Tiefs

Die Commerzbank geht deshalb davon aus, dass die zehnjährige Bund-Rendite bald wieder fallen wird. „Neue Tiefs der zehnjährigen Bund-Rendite werden sehr wahrscheinlich im Minus-Bereich liegen“, meint auch Harvinder Sian, leitender Zinsstratege bei der US-Bank Citi. Die französische Großbank BNP Paribas sieht das ähnlich.

Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft seit dem März 2015 Anleihen – vor allem Staatspapiere – aus dem Euro-Raum. Im vergangenen Monat hat sie noch mal ordentlich nachgelegt und das Kaufprogramm von 60 Milliarden Euro auf 80 Milliarden Euro pro Monat aufgestockt. Laufen soll es bis mindestens März 2017. Zu der extrem lockeren Geldpolitik gehören zudem unter anderem ein Leitzins von null Prozent und ein negativer Einlagensatz für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB von minus 0,4 Prozent. Damit wollen die Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi über eine höhere Kreditvergabe die Wirtschaft im Euro-Raum ankurbeln und so auch die Inflationsrate wieder steigern.

Dass auch Investoren erneute Kursanstiege und damit Renditerückgänge bei der zehnjährigen Bundesanleihe erwarten, zeigt auch die Nachfrage nach der aufgestockten zehnjährigen Bundesanleihe. Für den Bond im Volumen von vier Milliarden Euro gaben Banken Kaufgebote über gut 4,4 Milliarden Euro ab. Bei Auktionen von Bundesanleihen dürfen nur die zugelassen Banken mitbieten. Oft machen sie das im Auftrag von Investoren wie Fonds, Versicherern oder Pensionskassen.

Von den vier Milliarden Euro behielt die Finanzagentur, die Deutschlands Schulden managt, 802 Millionen Euro zur sogenannten Marktpflege ein. Die Finanzagentur behält auf diese Weise stets einen Teil der Bundesanleihen in der Hinterhand und verkauft sie nach und nach. Die nächste Auktion einer zehnjährigen Bundesanleihe steht am 18. Mai auf der Agenda. Seit Januar hat Deutschland bereits Anleihen um Geldmarktpapiere im Volumen von 71 Milliarden Euro platziert. Emissionen über rund 140 Milliarden Euro sind noch geplant.

Quelle:  Handelsblatt Online
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