Anleihen: Bond-Bären haben Zwei-Billionen-Rally verpasst

Anleihen: Bond-Bären haben Zwei-Billionen-Rally verpasst

, aktualisiert 03. April 2016, 20:08 Uhr
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Anleihen haben bei vielen Anlegern Hochkonjunktur.

Quelle:Handelsblatt Online

Angesichts der schwachen Inflation und der jüngsten Fed-Bekundungen haben Bonds immer noch ihre Anhänger. Sie haben weltweit den besten Jahresauftakt seit mindestens 1996 hingelegt. Für die Bären kam das überraschend.

New York/FrankfurtRezessionssorgen und Anreize der Zentralbanken in Europa und Japan haben die seit drei Jahrzehnten währende globale Anleihen-Rally neu belebt. Bonds weltweit haben den besten Jahresauftakt seit mindestens 1996 hingelegt. Sie kommen für das erste Quartal auf einen Ertrag von 3,2 Prozent und haben 2,1 Billionen Dollar an Marktwert gewonnen, wie ein Index von Bank of America Merrill Lynch zeigt, der Papiere von Staats- und Firmenanleihen bis hin zu Hypothekenanleihen umfasst.

Für die Bären war die Stärke eine Überraschung. Sie hatten darauf gewettet, dass die Rally in ihren letzten Zügen liegt, nachdem die US-Notenbank im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Zinsen angehoben hatte. Zu Beginn des Jahres sagten Strategen voraus, die Rendite der zehnjährigen Treasuries werde im ersten Quartal auf 2,45 Prozent stiegen. Tatsächlich rentierten die US-Staatsanleihen am Donnerstagmorgen bei 1,81 Prozent, nach 2,27 Prozent am 31. Dezember.

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„Je niedriger die Renditen geworden sind, desto mehr Gründe haben sich dafür angesammelt, dass sie niedrig bleiben müssen“, sagt Robert Tipp, Chef-Investmentstratege im Bereich Festverzinsliche bei Prudential Financial in Newark in New Jersey. Er sieht die zehnjährige US-Rendite zum Jahresende bei 1,9 Prozent.

Staatsanleihen führen die Rangliste mit einem Gesamtertrag von 3,7 Prozent bis zum 29. März an. Anzeichen für eine globale Wachstumsabschwächung und Turbulenzen an den Aktienmärkten und bei Währungen haben dazu beigetragen, die Nachfrage nach den als vergleichsweise sicher geltenden Papieren anzuheizen.

Zudem haben einige Zentralbanken ihre geldpolitischen Anreize ausgeweitet. Die Bank von Japan kündigte im Januar negative Zinsen an, und die Europäische Zentralbank senkte ihren Einlagenzins im März weiter unter null. Als Folge bezahlen Investoren in diesen Ländern bei einigen Anleihen dafür, Geld zu verleihen. Trotzdem war die Nachfrage nach Staatsanleihen so groß, dass mittlerweile Papiere im Volumen von mehr als acht Billionen Dollar im globalen Index von Bank of America mit einer Rendite unter null notieren.

„Die EZB und die BOJ kaufen einen Haufen Anleihen“, sagt Jack McIntyre, Vermögensverwalter bei Brandywine in Philadelphia. „Sie verdrängen den privaten Sektor, aber der private Sektor ist noch da und hat Geld, das arbeiten muss.“


Niedrigzinsumfeld hält an

Die zweijährigen Renditen der fünf Länder mit der besten Bondentwicklung – Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Belgien und Japan – liegen mit Ausnahme Großbritanniens alle im negativen Bereich. Das könnte zu einem Problem werden, sagt McIntyre.

„Wenn die Renditen weiter in den negative Bereich sinken, dann kann es sinnvoll sein Bonds mit negativer Rendite zu kaufen“, sagt er. „Aber ich bin nicht sicher. Man will nicht als letzter dabei sein“, vor allem, wenn es nicht zu einer weltweiten Rezession komme.

Er hat seine Positionen bei Treasuries in den letzten Wochen zurückgefahren, weil jegliche Anzeichen, dass die Zentralbanken bei ihren Bemühungen, die Inflation anzukurbeln, Erfolg haben, zu Verlusten bei langfristigen US-Bonds führen dürften. Stattdessen hat er Unternehmensanleihen zugekauft, wegen ihrer höheren Renditen.

Konsens an der Wall Street ist, dass die Renditen steigen werden. Laut der Median-Prognose in einer Umfrage von Bloomberg wird die zehnjährige Treasury-Rendite bis Jahresende auf 2,31 Prozent anziehen. Ende 2015 lag die Prognose aber noch bei 2,78 Prozent.

Unternehmensanleihen der Güteklasse Investmentgrade haben die zweitbeste Entwicklung unter den globalen Anleihen abgeliefert. Sie kamen auf einen Gesamtertrag von 3,1 Prozent.

Anleihen von Verizon haben im Bereich Investmentgrade mit einem Ertrag von 7,3 Prozent laut Daten von Bank of America am besten abgeschnitten. Im Zuge der Rally der globalen Firmenbonds ist der Renditeaufschlag gegenüber Staatspapieren von 1,75 Prozentpunkten Mitte Februar auf 1,47 Punkte am 29. März geschrumpft.

Angesichts der schwachen Inflation und der Bekundungen der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen, schrittweise und vorsichtig bei weiteren Zinserhöhungen vorgehen zu wollen, haben Bonds immer noch ihre Anhänger.

„Die Party geht weiter“, sagt Michael Arone, Chef- Investmentstratege im US-Intermediär-Geschäft bei State Street in Boston. „Das Niedrigzinsumfeld hält an.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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