Anleihen: Die Rückkehr der Geächteten

Anleihen: Die Rückkehr der Geächteten

, aktualisiert 14. April 2016, 15:37 Uhr
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Argentinien kehrt an den Bondmarkt zurück, andere von Investoren lange geächtete Länder könnten folgen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der ersten Anleiheplatzierung Argentiniens seit 15 Jahren steht nichts mehr im Wege. Auch andere Krisenstaaten strecken langsam wieder ihre Fühler am Bondmarkt aus. Mit offenen Armen empfängt man sie vorerst nicht.

FrankfurtEs ist geschafft. Argentinien ist wohl bald wieder kapitalmarktfähig – und das knapp anderthalb Jahrzehnte nach der großen Staatspleite. „Die Isolation Argentiniens dürfte damit bald beendet sein – ein „Meilenstein“, meint Matthias Krieger, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Mit der Anleiheplatzierung im Volumen von 15 Milliarden Dollar rechnen Beobachter schon am kommenden Montag. Das wäre die größte Anleiheplatzierung eines Schwellenlandes seit 17 Jahren.

Seit Wochen ist Argentinien bereits auf Roadshow und wirbt für die geplante Anleiheemission. Investoren rechnen mit Verzinsungen zwischen sieben und 8,5 Prozent.

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In die Pleite gerutscht war Argentinien Ende 2001. Letztlich das eine Spätfolge der Asienkrise von 1997/98. Die Umschuldungen zogen sich jedoch lange hin. 2005 und 2010 verzichteten Investoren schließlich auf zwei Drittel ihrer Forderungen. Doch nur 93 Prozent der Gläubiger machten dabei mit. Mehrere Hedgefonds klagten gegen die Umschuldung – und bekamen vor einem New Yorker Gericht Recht. Seit Herbst 2014 durfte Argentinien andere Gläubiger nicht mehr auszahlen, weil es sich weigerte die Schulden bei den klagenden Hedgefonds zu bedienen.

Die neue argentinische Regierung unter Präsident Maurico Macri zeigte sich jedoch kompromissbereit und einigte sich mit den Hedgefonds. Und in der Nacht zum Donnerstag hob ein US-Bundesberufungsgericht in New York die einstweiligen Verfügungen auf, die Zahlungen an Gläubiger verhindert hatten. Jetzt kann sich Buenos Aires Geld am Anleihemarkt besorgen.

Doch Argentinien ist nicht das einzige Land, dass die Rückkehr an den Bondmarkt plant. Nach der Aufhebung der Sanktionen streckt auch der Iran wieder die Fühler auf dem Kapitalmarkt aus. Im Juli wurde nach vieljährigen, internationalen Verhandlungen ein Abkommen zwischen den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates sowie Deutschland und dem arabischen Land zur Beendigung des iranischen Atomprogramms unterzeichnet.


Iran, Kuba und Saudi-Arabien als Kandidaten

Im Jahr 2002 hatte die US-Ratingagentur Moody’s ihre Bonitätsnote „B2“, das für eine sehr schwache Bonität steht, auf Druck der US-Regierung zurückgezogen. Zuvor hatte der damalige US-Präsident George W. Busch den Iran in einem Atemzug mit dem Irak und Nordkorea als Mitglied der „Achse des Bösen“ bezeichnet.

Ein Rating vertrug sich nach Ansicht der damaligen US-Regierung nicht mit den Sanktionen gegen das Land, weil es den Schritt an den Kapitalmarkt erleichterte. Der Iran behielt jedoch sein Rating „B+“ von Fitch und begab im Sommer 2002 eine fünfjährige Anleihe über 625 Millionen Euro mit einer Rendite von knapp neun Prozent – es war die erste Anleihe des Landes seit der islamischen Revolution von 1979.

Seither gab es jedoch keine neuen Eurobonds des Landes. Inzwischen hat Teheran nach Angaben der Regierung jedoch wieder Gespräch mit Moody’s über ein Rating aufgenommen. Investoren werten dies als Hinweis für eine geplante Anleiheplatzierung. Seit dem Sommer veröffentlicht Moody’s bereits Kommentare zum Iran – nur ein offizielles Rating steht noch aus.

Ganz langsam in Richtung Kapitalmärkte bewegt sich auch Kuba. Im März hat erstmals seit 88 Jahren wieder ein US-Präsident Kuba besucht. Die USA haben zwar das seit dem Kalten Krieg geltende Wirtschaftsembargo gegen Kuba noch nicht aufgehoben, doch das historische Treffen zwischen Barack Obama und Raul Castro gilt als Schritt in diese Richtung. Der ehemalige Staatspräsident Fidel Castro hatte 1986 das Ende des Schuldendienstes angeordnet – seither zahlte Kuba Gläubigern keine Zinsen mehr und tilgte keine Kredite.

Mit den im Pariser Club zusammengeschlossenen 14 Gläubigerstaaten hat sich Kuba Ende des vergangenen Jahres geeinigt. Die Staaten verzichteten auf 8,5 Milliarden Dollar. Die restlichen 2,6 Milliarden Dollar wird das Land innerhalb der nächsten 18 Jahre nach und nach tilgen. Bereits 2013 verzichtete Russland auf Schulden im Umfang von 32 Milliarden Dollar und so 90 Prozent seiner Forderungen, um den Neuanfang der Beziehungen mit der Regierung Castro einzuleiten.

Jetzt hat eine Gruppe von Gläubigern nach Informationen der „Financial Times“ den Londoner Professor Rodrigo Olivares-Caminal als Verhandlungsführer einer Gruppe von privaten Investoren gewonnen, denen Kuba Geld schuldet. Zu dieser Gruppe gehören die CRF Ltd. Adelante und Stancroft Trust – Investoren, die sich auf Anleihen exotischer Staaten spezialisiert haben. Olivares-Caminal will die Interessen dieser privaten Investoren, die nach eigenen Angaben 40 Prozent der Forderungen privater kubanischer Gläubiger halten, bündeln. Dabei steht er nach eigenen Aussagen noch am Anfang. Bevor Kuba an den Kapitalmarkt zurückkehren kann, muss es sich voraussichtlich mit allen im sogenannten „Londoner Club“ organisierten privaten Gläubigern einigen.

Auf einen weiteren, ganz neuen Schuldner stellen sich Investoren schon in diesem Herbst ein. Saudi-Arabien will schon im September erstmals den internationalen Kapitalmarkt anzapfen und ein Programm für Anleiheemissionen auflegen. Hintergrund sind beispiellose Maßnahmen zur Reform der Wirtschaft. Wenn sich das Land einen syndizierten Kredit gesichert habe, sollen die Vorbereitungen für die Bondemission beginnen und ein zwei- oder dreijähriges Emissionsprogramm aufgestellt werden. Das sagte der Staatsminister Mohammad bin Abdulmalik Al-Sheikh. Mit Banken verhandelt Saudi Arabien bereits über einen Konsortialkredit in Höhe von zehn Milliarden Dollar.

Quelle:  Handelsblatt Online
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