Anschläge in Brüssel: Terrorgefahr in Flughäfen

Anschläge in Brüssel: Terrorgefahr in Flughäfen

, aktualisiert 22. März 2016, 22:13 Uhr
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Die Sicherheit in Flughafengebäuden steht auf dem Prüfstand.

Quelle:Handelsblatt Online

Bislang richtete sich der Terror im Luftverkehr auf den Flugbetrieb. Mit den Anschlägen von Brüssel rücken nun die Flughäfen ins Gefahrenzentrum. Müssen die Gebäude in Sachen Sicherheitstechnik nachgerüstet werden?

FrankreichDie Anschläge von Brüssel werfen erneut Fragen zur Sicherheit im Luftverkehr und speziell an den Flughäfen auf. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurden die Kontrollen von Passagieren und Gepäck zwar enorm verschärft, sie richteten sich aber meist auf den Schutz des Flugbetriebs. Die Terroristen von Brüssel haben am Dienstag vor den Sicherheitsschleusen zugeschlagen, in der mit vielen Menschen gefüllten Terminalhalle ihre todbringenden Sprengsätze gezündet. Sie mussten dafür keine Sicherheitskontrolle passieren.

„Vor zu allem entschlossenen Einzeltätern kann man sich nicht schützen“, ist der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt überzeugt. Terminalgebäude gehören für ihn zum öffentlichen Raum wie Bahnhöfe oder Einkaufszentren, den man sicherheitstechnisch nicht vollständig abriegeln könne. Und selbst wenn dies am Flughafen gelinge, sei damit das Problem nicht gelöst: Die Terroristen konzentrieren sich nach seiner Einschätzung auf „weichere“ Ziele, wenn symbolträchtige Orte streng geschützt werden. Das habe man bereits bei den Anschlägen von Paris beobachten können, als die Terroristen nicht zum Eiffelturm oder ins Stadion de France kamen.

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Im Flugbetrieb hat sich die Sicherheitssituation seit den Al-Kaida-Anschlägen von New York und Washington zumindest in Europa, den USA und einigen anderen Staaten enorm verbessert, stellt der Luftverkehrsberater Gerald Wissel fest. „Man weiß zwar nicht genau, was verhindert worden ist. Aber ich gehe schon davon aus, dass die Maßnahmen eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Täter haben.“ Trotz der für viele Passagiere nervigen Personenkontrollen sieht der Experte aber durchaus noch Lücken im System, etwa bei der Kontrolle der Fracht oder der Infrastruktur zur Bordverpflegung.

Die Erfolge beim Schutz des Luftverkehrs können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Polizei im öffentlich zugänglichen Raum der Flughäfen weiterhin vor allem auf ihre Beobachtungsgabe angewiesen ist. Das geschieht ganz klassisch über Streifen, aber natürlich auch über Video-Überwachung. Hier kommen Techniken des „Social Profiling“ zum Zuge, also der Versuch, auch mit Hilfe von Computerprogrammen und guter Beobachtungsgabe verhaltensauffällige Menschen aus der Masse der Besucher herauszufiltern.

Der in den USA tätige Sicherheitsexperte Rafi Sela aus Israel hält diesen Ansatz für vielversprechend. 80 Prozent der Leute könnten mit technischen Hilfsmitteln zuverlässig als harmlos erkannt werden, erklärte er in einem Interview im vergangenen Jahr nach dem Bombenanschlag auf ein russisches Passagierflugzeug im Sinai. Weitere zehn Prozent könnten mit ein paar Fragen abgeklärt werden, wie das am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv bereits geschehe. Ein Terrorist könne sein Verhalten nicht verstecken.


Wo Probleme lauern

Sollten „nach Brüssel“ die für den Flugbetrieb verschärften Kontrollen nach vorne verschoben werden? Wissel glaubt, dass die Entwicklung in diese Richtung gehen wird. Damit sei allerdings eine Vielzahl von Problemen verbunden, die vom fehlenden Platz bis zur völlig ungeklärten Finanzierung reichten.

Allein am Frankfurter Flughafen sind täglich im Schnitt 170.000 Passagiere, 80.000 Mitarbeiter und eine ungezählte Schar von Besuchern unterwegs. Komplette Einlasskontrollen scheinen bisher schwer vorstellbar.

Vor fünf Jahren wurden am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten von einem islamistischen Attentäter erschossen. Die Bluttat des inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilten Einzeltäters fand auf der Auffahrt vor dem Terminal und damit außerhalb des Gebäudes statt.

Der deutsche Flughafenverband ADV warnt vor Schnellschüssen. Die Landseite der Flughäfen gehöre wie Bahnhöfe oder U-Bahn-Stationen zur sicherheitskritischen Infrastruktur und lasse sich ähnlich schwer schützen, sagt Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Eine Vorverlagerung der Sicherheitskontrollen hält er für technisch und baulich unmöglich, weil bei den meisten Flughäfen schon allein der erforderliche Raum dafür fehle. „Wir können die Flughäfen in Europa nicht in einen Zustand versetzen wie in Tel Aviv, wo jeder Besucher schon vor Betreten der Gebäude kontrolliert wird.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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