Antennenfernsehen DVB-T2 HD: Zur Fußball-EM wird’s scharf

Antennenfernsehen DVB-T2 HD: Zur Fußball-EM wird’s scharf

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Wenn in Frankreich der Ball rollt, sind die Spiele auch im Antennenfernsehen hochauflösend zu sehen.

Quelle:Handelsblatt Online

Höhere Auflösung und mehr Programme: Ende Mai startet das neue Antennenfernsehen. Wer es gucken will, braucht aber einen neuen Empfänger. Wo es DVB-T2 HD gibt, wie man es empfängt und was daran ärgerlich ist.

Der Sport hat schon häufiger neuen Technologien zum Durchbruch verholfen. 1974 verfolgten viele Deutsche den WM-Sieg ihrer Fußball-Nationalmannschaft vor dem ersten Farbfernseher. 2012 guckte jeder vierte Zuschauer einen Teil der Olympischen Spiele in London übers Internet. Und das sind nur zwei Beispiele.

Wenn am 10. Juni den Fußball-Europameisterschaft in Frankreich beginnt, dient das sportliche Spektakel wieder als Verkaufsargument: Wenige Tage vorher startet in etlichen Ballungsräumen die Ausstrahlung des neuen Fernsehstandards DVB-T2 HD. Mit ihm ist es möglich, auch per Antenne hochauflösende Bilder zu empfangen, ob auf dem Fernseher oder unterwegs auf dem Tablet. Wer die neue Technologie nutzen möchte, braucht allerdings einen speziellen Empfänger. Wann es für wen losgeht und wie man vermeidet, dass der Fernseher schwarz bleibt – ein Überblick.

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Was ist DVB-T2 HD?

Der Name deutet es an: DVB-T2 HD ist eine Weiterentwicklung des digitalen Antennenfernsehens DVB-T. Mit dem Standard werden zwei wesentliche Neuerungen eingeführt. Zum einen ist es jetzt möglich, Bilder im hochauflösenden Format zu übertragen – anders als bei Satellit, Kabel und Internet-TV geht das per Antenne bislang nicht. Zum anderen werden künftig mehr Programme angeboten.

Möglich ist das dank des besseren Komprimierungsverfahrens HEVC, das Experten auch als H.265  bezeichnen. Es kodiert die Daten doppelt so effizient – somit lassen sich mehr Programme in besserer Qualität verbreiten, und das, obwohl einige Frequenzen künftig nicht mehr fürs Fernsehen verwendet werden, sondern den Mobilfunk.

Wo kann man es empfangen?

In einer Testphase ab dem 31. Mai 2016 ist DVB-T2 HD in 18 Ballungsräumen zu empfangen, darunter viele Großstädte und dicht besiedelte Regionen. Eine Karte hat der Betreiber Media Broadcast auf seine Website gestellt. Hier werden zunächst ARD und ZDF sowie die Privatsender RTL, Pro Sieben, Sat.1 und Vox ausgestrahlt.

Die Regionen im Überblick: Bremen/Unterweser, Hamburg/Lübeck, Kiel, Rostock, Schwerin, Hannover/Braunschweig, Magdeburg, Berlin/Potsdam, Jena, Leipzig/Halle, Düsseldorf/Rhein/Ruhr, Köln/Bonn/Aachen, Rhein/Main, Saarbrücken, Baden-Baden, Stuttgart, Nürnberg, München/Südbayern.

Der reguläre Betrieb mit allen Programmen soll im ersten Quartal 2017 in den Ballungsräumen beginnen. Ab dann will der Betreiber Media Broadcast, der zu Freenet gehört, auch andere Regionen versorgen, zunächst „Mittelzentren“, dann ländliche Regionen. Bis Mitte 2019 soll DVB-T2 HD fast im gesamten Bundesgebiet zu empfangen sein, zumindest die öffentlich-rechtlichen Sender. Wo genau man wann welche Sender empfängt, stimmt das Unternehmen noch mit der ARD ab, die das Netz für ihre Programme überwiegend in eigener Regie plant, aufbaut und betreibt. Auf der Website ueberallfernsehen.de gibt es aber zumindest eine Karte mit einer Prognose.


Welche Programme werden angeboten?

Der Anbieter verspricht, dass im Regelbetrieb rund 40 Programme über das neue DVB-T ausgestrahlt werden, „überwiegend“ in HD-Qualität. Die Hälfte davon machen die öffentlich-rechtlichen Sender aus – welche, legen sie selbst fest. Auch die beiden großen Senderketten Pro Sieben Sat 1 und RTL wollen sich beteiligen. Die reichweitenstärksten Programme sollen auf jeden Fall im Angebot sein, außerdem „weitere attraktive Vollprogramme und Spartensender“, etwa aus dem Bereich Sport. Die genaue Mischung ist also noch nicht bekannt.

Technik-Glossar - Das benötigen Sie für Ultra HD

  • HEVC

    Um Ultra-HD-Inhalte sehen zu können, benötigt man logischerweise einen UHD-Fernseher mit integriertem H.265/HEVC-Decoder. HEVC steht für "High Efficiency Video Codec" und ist ein Kompressionsverfahren, das dafür sorgt, dass die ressourcenfressenden 4K-Dateien möglichst kompakt verpackt durch die Leitung fließen. Der Algorithmus von HEVC arbeitet effizienter als der aktuelle Codec H.264/AVC. Auch Streaming-Dienste wie Netflix nutzen HEVC.

  • HDMI 2.0

    Wer sich einen Ultra HD-Fernseher anschafft, soll darauf achten, dass neben HEVC auch die Abkürzungen HDMI 2.0 im Datenblatt steht. HDMI 2.0 (High Definition Multimedia Interface) ist der Anschluss, mit dem zukünftige 4K-taugliche Blu-ray-Player angestöpselt werden. Der aktuelle Standard-HDMI 1.4 reicht zwar für die Full-HD-Ära, schafft aber die für Ultra HD mit 60 Bildern pro Sekunde nötige Bandbreite nicht. Dafür wären mehr als 10,4 Gigabit pro Sekunde erforderlich. Deshalb wurde die Spezifikation von HDMI 2.0 auf 18 GBit/s festgelegt.

  • HDCP 2.2

    Steht für "High Bandwidth Digital Content Protection" und ist ein Kopierschutzstandard. Dabei werden die Daten verschlüsselt auf das Wiedergabegerät übertragen. Der Fernseher muss HDCP 2.2 unterstützen, andernfalls kann er das Video nicht wiedergeben.

Derzeit können 50 Prozent der Haushalte private Fernsehsender über DVB-T empfangen. Die Abdeckung soll sich mit dem Nachfolgestandard auf bis zu 80 Prozent verbessern. Ob der eigene Wohnort im Sendegebiet liegt, können Nutzer online auf der Website ueberallfernsehen.de überprüfen.

Zusätzlich zu diesem Angebot will Betreiber Media Broadcast weitere Inhalte aus dem Internet integrieren, etwa Mediatheken der Sender, Streaming-Angebote und Apps. Die empfangen Nutzer allerdings nur, wenn sie den Empfänger mit ihrem Router verbinden.

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