Antrag auf Eigenverwaltung: German Pellets meldet Insolvenz an

Antrag auf Eigenverwaltung: German Pellets meldet Insolvenz an

, aktualisiert 10. Februar 2016, 13:52 Uhr
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Die Produktion steht still.

von Andreas Dörnfelder, Gertrud Hussla und Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Der Brennstoff-Hersteller German Pellets hat wie erwartet am Mittwochmittag Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen will sich mit einem Chef auf Zeit selbst sanieren. Gläubiger sehen den Plan kritisch.

Düsseldorf/FrankfurtAm Ende war es nur noch eine Frage von Stunden. Der schwer angeschlagene Brennstoff-Hersteller German Pellets hat am Mittwoch beim Amtsgericht Schwerin Insolvenzantrag gestellt. Es ist ein Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Stimmt das Insolvenzgericht zu, könnte der Pellet-Hersteller seine Insolvenzmasse unter Aufsicht eines Sachwalters selbst verwalten.

Wie Handelsblatt Online bereits am Dienstag berichtete, steigt der Sanierungsexperte Frank Günther vorübergehend als Geschäftsführer bei German Pellets ein. Dessen Münchener Beratungsgesellschaft One Square Advisors berät das Unternehmen seit kurzem.

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Unter den Gläubigern sorgt die geplante Insolvenz in Eigenregie für Diskussionen. Nach Handelsblatt-Informationen sind manche der großen Geldgeber mit dem Verfahren nicht glücklich. Denn damit wäre Geschäftsführer Peter Leibold, der die Finanznot von German Pellets zu verantworten hat, weiterhin mit am Ruder. Einige Investoren wollen deshalb dagegen stimmen.


Im Hintergrund sprechen sich die größten Geldgeber des Unternehmens seit Tagen ab. Ein Insider berichtete von einer Art „vorläufigem Gläubigerausschuss“. Diesem sollen unter anderen die Commerzbank, die Kreditversicherer Euler Hermes und Coface, ein Arbeitnehmervertreter, sowie die Bundesagentur für Arbeit angehören. Die Arbeitsagentur zahlt den rund 550 deutschen Mitarbeitern nach einer Insolvenzanmeldung drei Monate lang einen Teil der Löhne und Gehälter.

Die Pleite von German Pellets ist eine weitere große Insolvenz in der schillernden Branche der erneuerbaren Energie. Der Hersteller der aus Sägespänen gepressten Holzpellets war jahrelang rasant gewachsen und hatte sich über komplexe Finanzstrukturen hochverschuldet. Tausende Anleger liehen dem Unternehmen insgesamt 226 Millionen Euro.

Neben den deutschen Geldgebern bangen auch die Gläubiger mehrerer US-Anleihen in Höhe von weiteren 546 Millionen Dollar um ihr Geld. In den USA fielen bereits bei zwei Anleihen Zinsen und Tilgungen in Höhe von umgerechnet 4,8 Millionen Euro aus.

German Pellets hat für zwei US-Produktionsfirmen umfangreiche Sicherheiten gegeben. Außerdem hat die deutsche Unternehmensgruppe über eine Stiftung geliehenes Anlegergeld als Eigenkapital in die US-Firmen gesteckt. Die Eigenkapitaldecke von German Pellets betrug im November laut Ratingagentur Creditreform nur noch 5,4 Prozent.

Am 1. April läuft die erste der drei deutschen Anleihen aus, für die der Brennstoffhersteller 7,25 Prozent Zinsen pro Jahr bezahlen wollte. Sie notierte am Mittwoch bei rund einem Prozent ihres Nennwertes. Die für den Vormittag geplante Gläubigerversammlung hat das Unternehmen abgesagt.

Quellle:  Handelsblatt Online
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