Apple in Indien: iPhones aus zweiter Hand für den Durchbruch

Apple in Indien: iPhones aus zweiter Hand für den Durchbruch

, aktualisiert 10. April 2016, 10:54 Uhr
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Schadet Apples Gebrauchtwaren-Offensive dem Produktionsstandort Indien?

von Frederic SpohrQuelle:Handelsblatt Online

Indien wird zum wichtigsten Smartphone-Markt. Doch iPhones sind Einheimischen zu teuer. Jetzt bemüht sich Apple darum, gebrauchte Geräte vertreiben zu dürfen. Lokale Hersteller warnen – und fürchten den „Snob-Effekt“.

BangkokWenn Tim Cook von Indien spricht, gerät er schnell ins Schwärmen. Das Land sei „unheimlich aufregend“, sagte der Apple-Chef bei der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen. Wenig später bezeichnete er Indien als „einen der wichtigsten Wachstumsmärkte in den nächsten zehn Jahren“.

Das Problem: Noch hat Apple nur geringen Erfolg auf dem Subkontinent. Gerade einmal zwei Prozent aller verkauften Smartphones in Indien stammten 2015 laut dem Marktforschungsunternehmen Counterpoint von Apple. Die Produkte aus dem Silicon Valley sind dort für den Normalverdiener einfach zu teuer: Der Durchschnittspreis eines Smartphones in Indien beträgt umgerechnet gerade einmal 135 US-Dollar. Das jetzt in die Läden kommende iPhone SE kostet in Indien etwa viermal so viel.

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Mit gebrauchten, wieder frisch gemachten Handys will das Unternehmen nun erfolgreicher sein. Apple hat der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge bei der indischen Regierung eine Lizenz dafür beantragt, in Indien gebrauchte Smartphones zu importieren und zu verkaufen. Die Ideen dahinter: Generalüberholte Geräte können weniger zahlungskräftige Kunden anlocken – ohne das Premium-Image der Marke anzukratzen.

Noch ist aber fraglich, ob die indische Regierung einwilligt. Zumal sich mächtiger Widerstand gegen Apples Pläne regt. Die indische Lobbygruppe Mobile and Communications Council appelliert an die Regierung, den Markt keinesfalls für gebrauchte Produkte zu öffnen. Zu den Mitgliedern der Organisation gehören lokale Hersteller, aber auch internationale Größen wie Samsung. Apples Gebrauchtwaren-Offensive könnte dem Produktionsstandort Indien massiv schaden, warnen sie.

Es geht um eine wichtige Entscheidung für den letzten großen Wachstumsmarkt der Smartphone-Industrie. „Die Ära der zweistelligen Zuwachsraten im globalen Markt ist zu Ende“, sagt Ranjit Atwal, Forschungsleiter beim Marktforschungsunternehmen Gartner. Indien sei eine große Ausnahme. Dort rechnet Atwals Team für 2016 noch mit rund 30 Prozent Wachstum. Auch in den folgenden Jahren soll der Markt zweistellig zulegen.

Gerade Apple sucht dringend nach neuen Absatzmöglichkeiten.


„Entsorg es in Indien“

Zuletzt stagnierten die einst in die Höhe schnellenden iPhone-Verkäufe. Doch von dem Boom in Indien profitieren derzeit nur die günstigen Hersteller: Heimische Billig-Marken wie Mircomax, Intex oder Karbonn werden in Indien als kleine Erfolgsgeschichten gefeiert. Laut dem Marktforscher Counterpoint teilen die drei Hersteller Samsung aus Südkorea, Micromax aus Indien und Lenovo aus China mehr als die Hälfte aller Smartphone-Verkäufe unter sich auf.

Dass die bisher erfolgreichen Apple-Konkurrenten bei der Regierung Gehör finden, ist nicht unwahrscheinlich. Sie zielen auf einen wunden Punkt: Indiens Regierungschef Narendra Modi versucht sein Land mit der Kampagne „Make in India“ zu einem Produktionsstandort nach chinesischem Vorbild zu machen. Die aus einer Mischung aus intensiver PR und tatsächlichen Reformen bestehenden Kampagne ist eines der wichtigsten Projekte Modis.

Einer der wenigen Erfolge kam ausgerechnet aus der Unterhaltungselektronik-Industrie. Der Elektrozulieferer Foxconn aus Taiwan hat im vergangenen Sommer eine Absichtserklärung für eine Investition in Höhe von fünf Milliarden Dollar im Bundesstaat Maharashtra unterschrieben.

Solche guten Nachrichten könnten demnächst ausbleiben, warnen die Apple-Konkurrenten. Natürlich sorgen sie sich aber vor allem um ihr eigenes Geschäft: „Selbst wenn die generalüberholten iPhones mehr als 150 US-Dollar kosten, wird uns das Marktanteile kosten, weil die Inder wegen des Snob-Effekts zu Apple greifen werden“, beschwert sich etwa Sudhir Hasija, Chef des indischen Smartphone-Herstellers Karbonn. „Mach’ es in Indien“ werde so zur „Entsorg es in Indien“.

Hasija spielt damit auf mögliche Umweltgefahren an. Apple hatte schon vor zwei Jahren einmal einen Antrag auf eine Lizenz für den Import von gebrauchten Geräten gestellt. Das Umweltministerium hatte sie damals abgelehnt, weil gebrauchte Geräte kurzlebiger seien – und so mehr Elektroschrott entstehe. Tim Cook muss nun die indische Regierung davon überzeugen, dass man höhere Qualitätsstandards als bei üblichen generalüberholten Smartphones anlegen wird. Berichten zufolge sollen die überholten Geräte ein Jahr Garantie bekommen. Zudem lockt Apple die indische Regierung damit, dass die Smartphones in indischen Fabriken überarbeitet werden.

Auf die neuen Verwertungsketten bereitet sich Apple schon intensiv vor: Im März hat das Unternehmen einen Roboter vorgestellt, der alte iPhones innerhalb elf Sekunden in seine Einzelteile zerlegen kann. Bisher hat das Unternehmen alte Handys immer komplett zerschreddern und die Materialien einschmelzen müssen.

Auch um gebrauchte Smartphones bemüht sich der Konzern: In den USA hatte Apple zuletzt im Februar ein Programm verlängert, bei dem alte iPhones zu einem Aufpreis gegen ein neues umgetauscht können. Nicht auszuschließen, dass die alten Geräte einmal auf den langen Weg nach Indien geschickt werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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